Zitat:Nach deiner Reha hast du so stark, so reflektiert geklungen. Machst du eine Gesprächstherapie oder ähnliches?
Ich war auch stark. Mir ging es etwa 3 Monate richtig gut. Ich dachte, ich hätte es geschafft. Aber dann ging es wieder bergab. Ich denke, @Grace_99 hat recht. Ich bin einfach überfordert. Ich gebe ungerne ab. Ich kenne es nicht anders.
Zitat:Was hat er dir gegeben, dass du glaubst, ohne ihn nicht zu existieren?
Als wir uns kennenlernten war ich ein kleines introvertiertes Mäuschen. Ich fühlte mich in größeren Gruppen, wie bspw. seiner Clique, nie richtig wohl. Ich war immer unsicher. Er gab mir das Gefühl etwas Besonderes zu sein. Er war einfach toll. Gar nicht der, der er später wurde. Ich dachte immer, ich muss schon was besonderes sein, wenn mich jemand wie er lieben kann. Ich habe also - ohne es zu merken - meinen Selbstwert auf ihm aufgebaut. Irgendetwas ist aber in den letzten 2-3 Jahren unserer Beziehung mit mir passiert. Ich habe neue Menschen kennengelernt, den Verein gewechselt etc. Ich wurde selbstbewusster, brauchte ihn nicht mehr. Habe angefangen mein Ding durchzuziehen. Leider habe ich dabei auch ihn vergessen. Er wurde immer unwichtiger. Ich hatte doch eh alles allein gemacht. Von ihm kam nichts mehr.
Ich weiß, dass ich ohne ihn leben kann. Nur will ich das noch nicht. Was er mir gegeben hat? Sicherheit, innere Stärke (mit ihm kann ich alles schaffen). Ich habe nicht gesehen und sehe es auch jetzt nicht, dass ich das ganz allein bin. Ja, ich habe viel gepackt. Auch oder gerade seit der Trennung. Aber ich kann es nicht anerkennen. Ich bin stark, ja. Aber ich muss stark sein. Ich muss nicht 100 % geben. Das tue ich auch nicht. Aber ich muss mehr auf mich achten. Meinen Kindern mehr zutrauen. Aufhören, ihnen alles recht machen zu wollen. Nur weckt das enorme Schuldgefühle. Ich habe Schuldgefühle und ein schlechtes Gewissen, wenn ich mal nur auf mich achte und mich mal nicht um alles kümmere. Ich fühle mich dann als schlechte Mutter und habe Angst, dass er das ausnutzt. Weil es bei ihm doch jetzt auch erziehungstechnisch so viel besser läuft.
Zitat:Du stemmst so viel zur Zeit, alles allein - warum "gönnst" du dir nicht die Gedanken, dass es fuc-king viel ist und dir die Luft ausgeht und du an dem Punkt bist, wo es nicht mehr geht? Irgendwann ist die Seele voll mit dem ganzen und verlangt nach einer Pause - die du dir nicht gönnst!
Weil ich es so irgendwie nicht sehen kann. Es ist viel. Das stimmt. Aber es ist doch meine Pflicht das zu schaffen. Es ist selbstverständlich das zu packen. Alles andere wäre ein No Go... Und subjektiv gesehen ist es auch nicht viel. Es ist nicht mehr als vorher. Ich fühle mich nicht belasteter. Nur allein mit allem. Das war ich vorher allerdings auch schon. Nur hatte ich da das Gefühl, das er zur Not da ist und mich auch unterstützt.
Weißt du Gracy, ich habe immer irgendwie funktioniert. Alles lief. Und läuft jetzt auch irgendwie. Ich kenne es nicht anders.