Ella
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Deine Schilderungen haben einige Gedanken in mir ausgelöst, die ich dir mitteilen möchte, vielleicht ist was Hilfreiches dabei.
Deine Bemühungen, eure gemeinsame Zeit zu analysieren und deine eigene Anteile zu erkennen, finde ich sehr gut. Sie werden dich auf jedem Fall weiter bringen. Ich plädiere uneingeschränkt für Selbstverantwortung in jeder Lebenslage, denn man kann letztlich nur sich selbst ändern. Bin eher rational als emotional unterwegs im Leben, das nur zum besseren Verständnis meiner Sichtweise. Es gibt meistens so etwas wie Kausalität, wobei die Reaktion auf einer Handlung beim anderen, auch mit seiner eigenen emotionalen Struktur zu tun hat. Wenn zwei Menschen involviert sind, ist die Kausalität verfärbt durch die Sichtweisen der Beteiligten.
Aktuell befindest du dich meiner Meinung nach in einer etwas ungünstige Lage, etwas, was die wichtig ist, droht verloren zu gehen. Ich halte es für sehr produktiv, deine Gefühle und Gedanken diesbezüglich anzuschauen, sowohl die jetzigen als auch vergangene. Menschen, die sagen die Trennung kam aus dem Nichts, völlig ohne Anzeichen halte ich für u achtsam und naiv, nichts kommt ohne irgendwelche Anzeichen, nicht mal der Regen. Nur war man nicht aufmerksam genug, um sie zu merken.
Eine Aufrechnung der Anstrengung der Beteiligten in einem Projekt - ich sehe schon die Rettung deiner Ehe als solches - ist nicht zielführend meiner Meinung nach. Wird oft benutzt, um die eigene Anstrengung zu drosseln, oder die Trägheit zu entschuldigen im Sinne von "es hätte eh nicht geklappt, weil sie tat auch nichts". So ein Denken ist mir fremd, für das, was mir wichtig ist, bin ich bereit, mich voll ins Zeug zu legen. Was soll die Aufrechnerei? Die macht vielleicht was aus, wenn es um die Berechnung der Wahrscheinlichkeit der Zielerreichung geht, aber viel wichtiger finde ich das Gefühl, dass man sein Bestes tat, entweder reicht das, oder es reicht nicht.
Du hast zweimal erwähnt, dass du sogar zu kurzfristige Manipulationen bereit wärst, das ist mir aufgefallen. Meiner Meinung nach wäre das kontraproduktiv, deine kluge Frau würde es durchschauen und die Reinheit deiner Absicht wäre Pfusch. Denk nochmal darüber nach.....
Was ich an deiner Stelle täte wäre, meiner Frau die wichtigsten Erkenntnisse mitzuteilen. Nicht jeden Gedanke natürlich , aber das Wesentliche. Ein Rahmen dafür wäre sehr günstig, vielleicht in der Therapie. Immer in ich Form, deutlich erkennbar als Reflektion und frei von jeglicher Erwartung. Auch nicht, dass sich der andere auch mitteilt. Es ist meistens sehr schwierig ohne Absicht zu handeln, aber es gibt meiner Meinung nach reine Absichten und unreine Absichten. Dass du deine Ehe retten willst hat eine andere Qualität als sich durch Manipulation einen Vorteil zu erschaffen.
Hinsichtlich was ich ihr mitteilen, würde Ich nicht an strategisch klug als Bewertungskriterium denken, sondern eher was ich meiner Frau mitteilen wollen würde, wenn es unsere letzte Stunde wäre. Du scheinst Klarheit darüber zu haben, dass du mit ihr alt werden möchtest, deiner Frau scheint diese Klarheit gerade zu fehlen. Was müsste sie (unbedingt) wissen, um eine für sie weiße Entscheidung zu treffen?
Dass du nicht weißt, ob und wie es weitergeht, ist bestimmt qualvoll, aber ich befürchte, du wirst das aushalten müssen. In solche Situationen sage ich mir "lieber dauert es länger, auch wenn es für mich schwierig ist und es wird eine nachhaltige Lösung zum Wohl aller Beteiligten gefunden, als dass ich schnell eine Antwort bekomme, die nur zur weiteren Kreise der Unsicherheit führt".