Zitat von alleswirdbesser: Auch die Tatsache, dass zum Beispiel dein Mann deine Affäre einfach locker hingenommen und gewartet hat, bis es zu Ende ist , sehe ich nicht als solche Arbeit an der Ehe an.
Es ist eine Art passive Arbeit. Er wusste, es war ihm schon lange vorher klar, dass ich nicht zufrieden war. Aber er hat mich in vielem nicht mehr erreicht. Ich hatte mich von ihm zurückgezogen, machte mein Ding. Er hat sicher öfters versucht, an mich ranzukommen, aber wenn Jemand einen Panzerring um sich gebaut hat, bist Du machtlos. Und den Ring hatte ich schon weit vor der Affäre um mich aufgebaut.
Als ich es ihm sagte, dass es Jemanden gab, war er nicht mal verwundert.
Ich war ihm in keiner Sekunde gleichgültig. Als es Winter war und ich am WE "nicht da" war, hat er mich mal angerufen, um mir zu sagen, dass ich vorsichtig fahren soll, weil Eisglätte in der Region drohte. Ich solle ja aufpassen, nicht so schnell fahren.
Und dann wartete er ab und lebte weiter. Er machte halt viel für sich allein, blieb ihm ja auch manchmal nichts anderes übrig. Er kannte mich. Ich hatte immer wieder Phasen im Leben in denen ich mir Freiräume schaffte. Ich machte einige Jahre fast exzessiv Sport, was er nie teilte. Aber er ließ mich einfach, denn er wusste, Widerworte bringen nichts, sondern treiben mich weiter weg. Sie braucht das jetzt halt, dann soll sie das machen.
Er schränkte mich niemals ein. So was wäre gegen seinen Charakter gewesen. Die muss jetzt da durch (wie man Pubertierende oft sieht) und ihre Weg finden. Und dann zeigt sich, wie es ausgeht.
Freilich hätte er sagen können, rutsch mir doch den Buckel runter. Aber auch das ist nicht seine Art.
Er ist ein Mensch, der weiß, dass andere Menschen nicht immer das tun, was man möchte und der andere in Ruhe lässt. Er ist kein Konfrontationstyp und das gibt ihm auch eine innere Freiheit. Er ist in vielem klüger als ich. So was nennt man auch innere Gelassenheit.
Als es zu Ende war, was es zu Ende. Äußerlich, innerlich nicht. Ich knappste lang an der Trennung rum und brauchte auch da wieder viel Zeit für mich. Manche Nachmittage am WE verbrachte ich im Bett, wo ich die Affäre wieder und wieder rekapitulierte, bis ich leer war. Er ging derweil wandern. Ich glaube, er erfühlte es auch, dass ich das Ende der Affäre überwinden musste.
Und dann änderte sich vieles. Vor allem beruflich. Ich übernahm eine neue Aufgabe, die mir keinen Cent mehr einbrachte, mich aber forderte und persönlich weiter brachte. Dadurch erkannte ich, wie kleinmütig ich immer gewesen war, wie ich mich selbst beeinträchtigt hatte. Alle anderen da draußen sind besser als ich. Sind sie nicht, aber der Mensch baut sich seine eigene Realität.
Ich begriff, wie sich meine Kindheit im Erwachsenenleben auswirkte. Dadurch gewann ich viel für mich. Ich arbeitete nicht an der Ehe, aber ich arbeitete an mir.
Aber dadurch erwuchs auch eine neue Akzeptanz meines Mannes. Ich blieb nicht, weil es so einfacher war. Ich blieb, weil es mir möglich war, zu bleiben und mich dennoch zu ändern.
Wir haben uns nie analysiert, uns Vorwürfe gemacht. Die berühmten Aussprachen hatten wir nie. Warum? Weil sich das Wesentliche auch ohne Worte mitteilt, ohne Reden. Genauso wie man spürt, wenn der Partner auf Abwegen ist, spürt man auch, wenn man ihm nahe steht.
Heute stehe ich anders zu ihm, aber in erster Linie, weil ich anders zu mir stehe. Wir rechnen nichts auf. Wir machen uns lieber ein angenehmes Leben beim gemeinsamen Abendessen. Meine früheren Abwege wie das abendliche Sportstudio brauche ich nicht mehr.Es fühlt sich gut an für mich und auch für ihn.
Da wird immer von Arbeit an einer Beziehung geredet. Das ist Schwachsinn, denn Du kannst dich in einer Beziehung abarbeiten und doch den Kürzeren ziehen. Und wie soll das Arbeiten denn aussehen? Ich hole mal mein Hämmerchen und biege was gerade, oder wie?
Ich würde es eher als gegenseitige Achtsamkeit definieren. Man verliert den Anderen nicht aus den Augen, man beachet ihn und spürt, was er braucht. Heute ist er nicht so gut drauf, also kümmere ich mich, gehe auf ihn zu. Wenn er will, sagt er, was nicht passt. Wenn nicht, dann eben nicht. Dann macht er es sich mit sich selbst aus.
Beziehungsarbeit ist "Pflege", so würde ich es definieren. Interesse am Partner und seinem Wohlergehen. Das Gegenteil ist Gleichgültigkeit, Abwendung oder im schlimmsten Fall Missachtung seiner Person.
Ein Gefühl der Missachtung ihm gegenüber hatte ich nie. Mangelndes Interesse schon eher. Ich hatte viel schleifen lassen weil ich nicht wusste, wie "es geht", wie man eine Beziehung lebt und gestaltet. Das musste ich erst lernen.
Das ist für mich Beziehungsarbeit, aber keine stundenlangen Diskussionen und Vorwürfe. Da hast Du und damals hast Du und immer tust Du! Das ist Energieverschwendung und bringt nichts. Der Partner ist wie er ist und ich bin auch wie ich bin. Damit kann ich gut leben.
Derselbe Krampf ist es, wenn man liest, dass Jemand um eine Beziehung kämpft. Ja, wie denn? Messer schärfen, Degen holen und auf den Kampfplatz ziehen? Blödsinn.
Du kannst nicht um eine Beziehung "kämpfen", aber Du kannst warten wie sich etwas entwickelt und dann Deine Schlüsse ziehen. Wenn der andere abhaut, kannst Du nicht kämpfen, weil er sich dem Schlachtfeld entzieht. Du kannst ihn ziehen lassen und Dich auf Dein Leben konzentrieren.
Aber abwarten ist heute auch ganz negativ besetzt. Es ist ein Zeichen von Schwäche und mangelndem Engagement. Na, wenn schon! Ich kann es gut, das Abwarten.