Zitat von Urmel_: verzeihen
Mit Verzeihen bin ich immer sehr vorsichtig. Ich verzeihe nichts, sondern ich sehe etwas nach.
Verzeihen birgt immer die Gefahr einer Unter- und Überordnung. Da kommt der geprügelte Hund zurück und bittet also um Verzeihung. Und der Gute, der so großmütig ist, verzeiht ihm dann und sagt dadurch: Du hast gefehlt, aber ich bin so edel und so großzügig und gnädig dass ich Dir das verzeihe.
Aber von jetzt an spielst Du dann nach meinen Regeln. Und der Andere muss sich künftig schon sehr anstrengen, damit die großmütige Verzeihung auch bleibt.
Der darf sich unter Umständen das Büßerhemd anziehen weil er die Regeln nicht eingehalten hat.
Ich mag dieses Wort überhaupt nicht, denn es verdirbt oft mehr als es bewirkt.
Dann hat man eine Unter- und Überordnung, die der schwächere meist nicht aushält. Er hat einen Fehler gemacht, Regeln gebrochen und muss dafür jetzt zu Kreuze ziehen. Nein, muss er nicht. Er kann hoffen, dass der Andere ihm das nachsieht und sagt, es ist nicht mehr wichtig, was damals war, als Du vor einem Jahr usw.
Verzeihung verschiebt oft Positionen und verschlechtert sie. Und der Gute zieht dann Gewinn für sich daraus, weil er ja so großartig ist.
Vielleicht wäre gegenseitiges Verständnis für die Fehler, die jeder gemacht hat, oft der bessere Weg.
Verzeihen heißt, dass ich ein Urteil gefällt habe. Der hat mich angeschnauzt, weil er heute schlecht drauf ist. Ich kann mich hinstellen und sagen: Du bist ein schlechter Mensch. Wie gehrst Du mit mir um?
Ich kann mir aber auch sagen, er hat vielleicht ein Problem und ist daher krätzig. Dann brauche ich nichts zu verzeihen.