Lieber @Carli285 ,
einige Aspekte deiner Geschichte kenne ich auch, vielleicht helfen dir meine Erfahrungen weiter.
Zunächst mal eine Frage: Deine Frau war 19, als ihr ein Paar wurdet? Wie viel Erfahrung hatte sie denn vor dir? Sie war 24, als ihr das Haus gekauft habt? Hat sie in den Jahren um die 20 gefeiert, ist mit der Clique ausgegangen, Nächte durchgetanzt? Könnte sie das Gefühl haben, etwas verpasst zu haben? Vielleicht noch nicht mal bewußt?
Mir erscheint sie nicht unbedingt manipulativ. In welche Richtung sollte sie denn manipulieren wollen? Sie scheint mir mehr zerrissen. Unglücklich. Und vielleicht kann sie gar nicht in Worte fassen, warum genau.
So ging es mir. Ich hatte auch das Gefühl, mich bei meinem Mann nicht anlehnen zu können. Er hat mir oft von beruflichen Problemen erzählt. Gar nicht so, dass er meinen Rat wollte, oder dachte, er könne sie nicht lösen. Er hat nur oft davon gesprochen, auch von bestimmten Kollegen, die ihn aufregen, und jeden Tag ein neues Beispiel, warum sie ihn aufregen. Im Grunde immer wg der selben Eigenschaft, die ich schon nach 3 Tagen verstanden hatte, Beispiele Nr. 4 und folgende brauchte ich nicht mehr. Wie gesagt, es war nicht so, dass er mit den Problemen überfordert war. Ich hatte jedoch nicht das Gefühl, mich bei einem Mann anlehnen zu können, der so viel von Problemen spricht. Hätte gerne mal ein Erfolgserlebnis gehört, oder irgendwas, aufgrund dessen ich ihn hätte bewundern können. An dieser Stelle hat dann später mein AM angedockt...
Es gab davon abgesehen zwischen uns auch wirklich große Probleme. Die allerdings im Alltag nicht so eine große Rolle spielten, so dass wir uns beide gar nicht bewußt waren, wie groß sie waren. Deswegen meine ich, deine Frau weiß vielleicht gar nicht, was ihr fehlt. Ich konnte es erst Monate nach der Trennung so richtig fassen und in Worte fassen. (Mein Mann hat diese Zeit genutzt, um sein großes Thema zu lösen. Damit war das größte Problem dann auch weggeschafft.)
Als es bei uns soweit war, dass ich nicht mehr wollte - der Unterschied ist allerdings, dass ich mich in einen anderen verliebt hatte -, konnte mein Mann auch nichts tun. Wie vorher jemand sagte, du kannst viel falsch und ganz wenig richtig machen.
Mein Mann hat dann alles richtig gemacht. Er hat die Trennung akzeptiert. Wir sind danach freundschaftlich miteinander umgegangen. Er hat sich fast nie von sich aus gemeldet. (Wir haben allerdings auch keine Kinder, war also weniger zu regeln und Kontakt nicht dauernd notwendig.) Wenn wir Kontakt hatten, war er gefasst, interessiert, hat mich nicht bedrängt. Und nach ein paar Monaten spukte er mir wieder im Kopf rum. Als es mit meinem AM zu Ende ging, war er da für mich. Ich konnte mich anlehnen.
Beachte - nach ein paar Monaten spukte er mir im Kopf rum. Ich glaube, du mußt anfangen, in anderen Zeitdimensionen zu denken. 10 Tage sind gar nichts. Es kann gut sein, dass sie dich in den 10 Tagen nicht vermisst. Sie ist ja offenbar in emotionalem Aufruhr, und 10 Tage lang wird sie dir nicht Rede und Antwort stehen müssen, nicht in deine traurigen Augen gucken, keine Entscheidung treffen müssen. Diese 10 Tage können ihr Ruhe geben, die sie genießt. Fahr weg. Gib ihr diese Ruhe. Das ist in meinen Augen auf jeden Fall besser als da zu sein und zu klammern.
Sie braucht Freiraum. Nur dann kann sie dich vermissen. Und du musst souverän sein. Du kannst lieb und freundlich sein, aber frag nicht, wie es weiter geht, das weiß sie nicht. Dräng sie nicht. Nimm Aussagen wie die nach der Autofahrt nicht für bare Münze. Sie meint es in dem Moment so, aber es ist keine tragfähige Entscheidung. Natürlich hadert sie, sie weiß ja, was sie aufgeben würde, ihr hattet ja eine schöne Zeit zusammen.
Wenn da ein anderer sein sollte, kannst du auch nichts tun. Dann ist sie verliebt, und dagegen kannst du nicht an. Du kannst sie nur beeindrucken, in dem du stark und souverän bist. Du könntest natürlich bohren, sie kontrollieren etc und so ggf. eine Affäre verhindern. Ob sie dadurch bei dir bleibt und für dich so empfindet wie früher, sei mal dahin gestellt.
Mein Mann und ich waren übrigens 10 Monate getrennt und sind seit 6 Monaten wieder zusammen. Mit meinem AM wäre ich eh nicht glücklich geworden, aber auch das konnte ich erst im Nachhinein sehen.
Sicher sind meine Erfahrungen nicht allgemeingültig. Ich bin aber überzeugt, dass alles viel länger dauern wird, als du jetzt denkst. Und dass du ihr Freiraum geben musst.