Lieber Vollhorst
Deine Gefühlsschwankungen derzeit sind ganz normal. Auf allzu schwarzmalerische Vorhersagen von Urmel musst Du meiner Meinung nach nicht achten, denn bei Euch liegt der Fall relativ klar. Du warst in Eurer Ehe, vermutlich schon über einen sehr langen Zeitraum, der "Unterlegene" (Subdominante), was bedeutet, dass Du mehr Gefühle ihr gegenüber hattest als umgekehrt. Zusätzlich kommt wohl auch noch ein beruflicher "Schiefstand" hinzu, der die fehlende Augenhöhe noch zementiert hat (sie Führungsposition, du "Fußvolk").
Dadurch hat Deine Frau stark an Liebesgefühlen Dir gegenüber eingebüßt, Deine Anziehung ist verloren gegangen. Dass sie Dich jetzt verlässt wegen eines anderen, der nämlich genau diese vermissten Liebesgefühle in ihr geweckt hat, wird ihr nicht so leicht fallen, wie einige Herren das hier darstellen.
Im Gegenteil wird sie ein verdammt schlechtes Gewissen Dir gegenüber haben, schließlich weiß sie ja, dass Du sie noch viel mehr liebst als sie Dich und dass sie Dir weh tut (hat sie ja auch so gesagt, dass sie Dir nicht weh tun will, und das glaube ich ihr auch). Auch, wenn sie keine großen Liebesgefühle gerade für Dich hat, mag und schätzt sie Dich ja noch.
Deine Hoffnung wird Dich noch eine ganze Weile begleiten, fürchte ich. Und leider ist sie auch genau das, was eine mögliche Rückkehr Deiner Frau unmöglich macht. Das einzige, was Deine Frau je dazu bewegen könnte wäre, dass ihre Liebesgefühle Dir gegenüber wieder aufkeimen. Und das könnte nur passieren, wenn sie Dich wirklich, tatsächlich und endgültig verliert, so paradox es auch klingt. Und auch dann dauert es eine ganze Weile und ist natürlich abhängig davon, wie sich parallel dazu ihre Liebesgefühle dem Neuen gegenüber entwickeln (da kann ja auch ganz schnell die Luft raus sein).
Du bist also gut darin beraten, jetzt ihr gegenüber erstmal so gut wie möglich den "Harten" zu spielen - also bitte das Gegenteil von gefühlsseligen Nachrichten schreiben! - die Trennung zu akzeptieren und auch konsequent daran zu arbeiten, dass diese so schnell wie möglich auch in die Tat umgesetzt wird. WG halte ich für Euch in der Konstellation für die allerschlechteste Lösung, trotz der Kinder. Da ist der Gedanke, dass Du vorübergehend in eine Pension umziehst und nur zu Betreuungszeiten der Kinder zu Hause bist, wohl erstmal besser.
Und dann - Schritt für Schritt. Nichts überstürzen. Wichtig für Dich: der einzige Weg, der je zu Deiner Frau zurückführen könnte, führt jetzt erstmal radikal und konsequent von ihr weg. Ich weiß, das klingt total paradox und unlogisch, es ist aber der einzige Weg. Alles, was Du jetzt tust, um ihr die Sicherheit und den Komfort zu bieten, den sie jahrelang von Dir hatte, arbeitet gegen Dich. Jede Gefühlsbekundung, die Du ihr gegenüber bringst, arbeitet gegen Dich. Jede Hoffnung, die Du in Dir trägst, arbeitet gegen Dich. Die Angst vor dem Verlust und den drohenden Konsequenzen arbeitet gegen Dich.
Versuch Dich da bitte so schnell wie möglich zu stabilisieren, und Dich ab sofort emotional und räumlich so stark wie möglich von Deiner Frau zu distanzieren. Jede Minute, die Du NICHT da bist (und auch nicht verfügbar/ansprechbar/greifbar) bringt Dir Pluspunkte, jede Minute, die Du für sie verfügbar bist, Minuspunkte. Und umgekehrt gilt das für Dich genauso - das, was Dir jetzt gut tut, ist Abstand zu ihr. Anfangen, loszulassen, und zwar konsequent. Das brauchst Du für Dich, und vielleicht fällt es Dir ein bisschen leichter wenn Du Dir dabei vor Augen halten kannst, dass es genauso der einzige Weg zurück wäre für Deine Frau. Du vergibst also keine "Chance", indem Du so handelst, im Gegenteil. Es wäre, wenn überhaupt, sowieso die einzige Chance. Also nutze sie und konzentrier Dich auf
Dich - und Eure Kinder. Aber lass
sie ziehen, wohin auch immer ...