Zitat von Thomi: Man macht sich zur Aufgabe die Bedürfnisse des anderen zu erkennen und sie proaktiv zu erfüllen. Wenn das von beiden ausgeht, ist das erfüllende Liebe, die einem auch nach langer Zeit das Leben zum Genuss macht.
Thomi, danke, dass Du das so formuliert und die drei Arten neben einander gestellt hast! Das ist sowas von wahr, dass es weh tut. Vor allem auch, wenn man bedenkt, in welche Schieflagen man kommt, wenn einer die eine Art der Verhandlung betreibt und der andere eine andere Art, weil das der Umgang im Elternhaus war und man es nie reflektiert hat.
Zitat von Darek: mit dem Fahrrad zur Arbeit (das sehe ich nicht als Freizeit)
Hah! Klassiker.
Aber selbstverfreilich ist das Freizeit und dazu sogar noch absolut ungestörte Me-Time.
Die Pendelzeit ist auch einer der Zeitfresser, an dem die Geschlechter regelmäßig aus einander driften. Höher bezahlte Positionen haben (das ist nicht kausal, aber korrelativ) längere Pendelzeiten. Und die, die sich einen Job in der Nähe suchen (z.B. weil sie Kinder zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt aus der Kita holen müssen), büßen dadurch nicht nur die höheren Erwerbsmöglichkeiten, sondern auch einen Riesenzeitpuffer an Erholungszeit und Me-Time ein.
Ich könnte das an mir wie Tag und Nacht beobachten.
Als mein ältestes Kind noch in der Kita war, war dessen Betreuung verlässlich und wurde nach Kitaschluss von jemand anderem übernommen, bis ich abends nach Hause kam. Ich bin als etwas über eine Stunde gependelt, um einem besser bezahlten Job nachgehen zu können und hatte 2 Stunden jeden Tag nur für mich. Trotz Vollzeitarbeit und Pendelei und Haushalt und Kind bin ich abends mit dem Kind auf den Schultern durch die Küche getanzt. Erinnert er sich heute noch dran.
Zur Einschulung war dann klar, dass das Kind nur noch halbe Tage, wenn überhaupt, eine verlässliche Betreuung hat. Und für die Zeit danach stand auch kein verlässliches Backup zur Verfügung. Also bin ich auf 20 Stunden Teilzeit direkt bei uns in der Gegend gegangen, habe einen Bruchteil des vorherigen Verdienstes gehabt und war, wenn ich das Kind Mittags von der Schule geholt habe, komplett im Eimer. Das Kind gottseidank auch (durch die Umstellung Kita->Schule), so dass niemandem aufgefallen ist, dass wir nachmittags nur noch auf der Terrasse rumegammelt haben. Diese 20 Stunden mit Kurzzeithetze zur Schule waren doppelt so anstrengend wie der Vollzeitjob.
Sobald ich den Großen wieder verlässlich in Betreuung hatte, bin ich bei einem anderen AG wieder auf Vollzeit gegangen und hatte einen etwas längeren Pendelweg ohne Zeitstress. Und meine Energie war abends wieder voll da.
Wer das nicht selbst gemacht hat, hat keine Ahnung, wieviel anstrengender weniger Arbeiten + Kinder gegenüber Vollzeitarbeit ist. Vor allem die emotionale Arbeit, die man an Kindern leisten muss und darf, wenn man sie aus Kita, Schule usw. abholt, um mit ihnen das Erlebte zu verarbeiten, zieht ganz viel Kraft. Wer das an jemand anderen "auslagern" kann und nur noch abends die letzten Krümel mit einem "wie war's in der Schule" auflesen muss/darf, sieht das gar nicht.
Zitat von Darek: Wenn ich Erfolge sehen (z.B. Gewichtsverlust, Wohlbefinden, mehr Kondition) dann motiviert es mich
Ja.
Du.
Deine Frau empfindet da ganz offensichtlich anders.
Vielleicht ist sie ja zielorientiert. Oder braucht eine Balance.
Kannst sie ja mal fragen.
Zitat von Darek: Würde behaupten 50 / 50
Hast Du mal nachgerechnet, wie viele Stunden und wie viele Aufgaben über den Tag verteilt werden von euch erledigt und (ganz wichtig!) wer von euch verantwortet.
Einkaufen nach einer Liste ist ein ganz anderer Job als Einkaufen ohne Liste.
Kinder von der Schule abholen und sie nicht emotional auffangen ist ein ganz anderer Job als das Schultaxi mit Sozialbegleitung, Beziehungsberatung, Karriereberatung etc.
Schockierendes Beispiel aus dem Hause Nalf (schon viele Jahre her): Da bot sich mal jemand an, eines der Kinder morgens zur Kita zu bringen. Hätte mir einen Umweg von 20min zur Arbeit erspart. Ich hab mich schon gefreut.
Das Angebot beinhaltete aber lediglich den Fahrdienst. Die Whatsappgruppe der Kita sollte weiter nur auf meinem Handy laufen, das Kind geweckt, gewaschen, angezogen und gefrühstückt mit gepackter Tasche und gefüllter Brotbox übergeben werden und dann wäre dem Kind beim Schuhe anziehen zu helfen, es ins Fahrzeug zu bugsieren, hinfahren, Kind zur Gruppe bringen und verabschieden, seins gewesen. Dass der Angebotsmann heute noch lebt, ist nur meinem ausgeglichenen Wesen zu verdanken
😁Der dachte nämlich, dass sein "Kind bringen" und mein "Kind holen" am Abend dann ja 50/50 wären.