Hallo @Darek,
ich finde Deine Thread spannend, und denke, dass deine Situation schon viele Menschen in langen Beziehung in der Art schon erlebt haben. Der Grund, warum ich auf das Forum gestoßen bin, war ähnlich. Ich habe mich gefragt, ob sich eine Affäre insgesamt lohnt. Die Berichte hier haben mich schnell eines Besseren belehrt. An einem ähnlichen Punkt wie Du habe ich mich entschieden die Sache nicht zu eskalieren, sondern das manchmal mühevolle Voranbringen der Familie dem verlockenden Abenteuer vorzuziehen. Das war vor ca. 8 Jahren und ist seitdem so nicht wieder vorgekommen. Insgesamt ist das mM die richtige Entscheidung, wenn auch der Lohn dafür wohl erst viel später sichtbar wird.
Hier ein paar Bemerkungen, die mich meine 16 jährige (sehr glückliche) Ehe gelehrt hat.
Zitat von Darek: Mir wurde eine Art „Gewicht“ ans Bein gelegt, wo ich egal was ich unternehmen wollte, was mir persönlich gut getan hat, immer mit einem schlechten Gewissen im Hinterkopf gemacht habe.
Ehe ist sehr viel Verhandlung. Ob man das will oder nicht. Dabei gibt es mM drei Arten der Verhandlungsführung in der Ehe, die grundlegend verschieden sind und direkt das Glück in er Ehe beeinflussen. Diese drei Arten sind auf Augenhöhe, extreme Schieflagen, in denen einer immer tut was der andere will, lasse ich mal außen vor.
1) Beide kämpfen vehement für ihre Bedürfnisse. Hier gewinnt man ab und an und kann seine Bedürfnisse auch mal durchsetzen. Allerdings führt das nicht zu mehr Verbindung, sondern zu Distanz.
2) Man versucht einen Kompromiss auszuverhandeln. Das klingt erstmal gut. Bei näherer Betrachtung stellt man aber fest, dass man of nichts Halbes und nichts Ganzes bekommt. Die eigenen Bedürfnisse werden nicht wirklich erfüllt.
3) Man macht sich zur Aufgabe die Bedürfnisse des anderen zu erkennen und sie proaktiv zu erfüllen. Wenn das von beiden ausgeht, ist das erfüllende Liebe, die einem auch nach langer Zeit das Leben zum Genuss macht.
Zitat von Darek: Sie hat sich mit Freundinnen getroffen, ich mit Kumpels, bin auch über das Wochenende mit Freunden zum Biken gefahren, meine Frau mit Freundin in ein Wellnesshotel für 3 Tage.
Dem anderen Freiräume zu gewähren und zu ermöglichen finde ich auch wichtig. Bei euch sind eure Hobbies bzw. das was ihr als Genusszeit, Zeit-für-Sich bezeichnet, divergiert. Das ist zumindest kein Beitrag in die Wir-Spardose.
Zitat von Darek: War ich über das Wochenende fort, habe ich geschaut, dass ich am Sonntag gleich nach dem Frühstück wieder die Heimreise antrete, damit meine Frau nicht „meckert“.
Ist normal. Nennt sich Empathie und Verantwortungsbewusstsein. Man sollte sich jedoch nicht zu sehr in diese Dynamik reinsteigern. Siehe Ehe ist Verhandlung.
Zitat von Darek: Zeit für uns beide, hat es vielleicht 1 bis 2-mal im Jahr gegeben (Wellness), das war’s.
Als Ehepaar mit Kindern hat man mitunter wenig Zeit für sich. Hier setzt aber die aktive Arbeit an, dass man sich Zeit und Freiräume schafft. Babysitter, sich zurückziehen am WE und Zimmerabschließen, Großeltern, Freunde, etc. Eure Kinder sind eigentlich groß genug, dass ihr deutlich mehr Zeit miteinander verbringen könntet. Warum macht ihr Wellness, was nicht in deinen Lebensstil passt? Wo bringt es euch weiter, wenn du eine sportliche Frau haben möchtest.
Ich bin mir sicher, deine Frau wäre sehr gerne sportlich. Der Weg dorthin ist nur anstrengend. Da kannst du ihr helfen und sie da abholen wo sie gerade steht.
Zitat von Darek: Früher haben wir mit engen Freunden ein Wanderwochenende gemacht, für meine Frau war das Wandern aber zu anstrengend, zu schnell, wurde dann eher für „blöd“ erklärt und nicht mehr gemacht.
Warum machst du keine kleinen Wanderungen mit ihr, die sie langsam wieder in Form bringen und gönnst dir immer mal deinen Extremsport.
Zitat von Darek: Da ist jemand der gerne Sport macht, Wandern geht, zum Dorffest geht und neue Leute kennen lernt und dabei noch attraktiv aussieht, auf der anderen Seite ist es der täglich Trott der einen zuhause erwartet.
Die Kunst ist es den täglichen Trott schön zu machen. Da musst Du Dich für den Sport eine oder sogar zwei Stufen hinunter lassen um Deine Frau da abzuholen. Ich habe den Eindruck, dass du deinen Selbstwert (auch) über den Sport definierst um die rhetorische Unterlegenheit so wett zu machen.