Zitat von Darek:Vielen Dank für Deine Zeilen und den Spiegel den Du mir vorgehalten hast. Ich habe Deinen Text inzwischen drei Mal gelesen und finde nichts was ...
Es spricht sehr für dich, dass du den Text mehrmals gelesen und nichts daran als falsch empfunden hast. Genau an diesem Punkt beginnt echte Selbsterkenntnis – nicht, weil du dich schlecht fühlst, sondern weil du verstehst, dass da etwas in dir passiert, was tiefer geht als nur ein äußeres Reizthema.
Du fragst:
„Warum reagiere ich so auf eine Frau, die ich kaum kenne?“
Die Antwort liegt in einem inneren Mechanismus, den viele Menschen erleben – besonders in Übergangsphasen des Lebens. Nach vielen Jahren einer stabilen, routinierten Beziehung, in der Rollen klar verteilt sind, kann eine neue Begegnung wie ein Spiegel wirken für das, was in einem selbst zu fehlen scheint:
Spontanität. Aufmerksamkeit. Begehrtwerden. Abenteuer.
Was du dort spürst, ist nicht einfach „sie“.
Es ist das Gefühl, wieder gesehen zu werden – nicht als Vater, nicht als Ehemann, nicht als Versorger, sondern als Mann. Das ist kein moralisches Problem, sondern ein menschlicher Reflex. Nur: Er ist gefährlich, wenn man ihn verwechselt mit Wahrheit.
Du sagst, dein Verstand und deine Gefühle laufen auseinander. Das ist der erste wichtige Schritt: Du beobachtest dich, anstatt dich nur treiben zu lassen.
Aber um den Fokus zu halten, brauchst du etwas anderes: die bewusste Entscheidung, dich deinem eigenen Mangel zuzuwenden, nicht der Frau, die ihn kurzzeitig füllt.
Was du konkret tun kannst:
Distanz einbauen. Keine Nachrichten mehr. Kein „nur mal schauen“. Kein offenes Fenster, das du offenhältst für den Notfall.
Solange du mit ihr verbunden bleibst, wirst du dich nicht dir selbst zuwenden.
Hinterfragen, was dir fehlt – nicht an deiner Frau, sondern in dir.
Was vermisst du konkret? Leichtigkeit? Bewunderung? Eros? Unbekannte Seiten? Und: Wo hast du aufgehört, selbst lebendig zu sein?
Deine Frau nicht als Selbstverständlichkeit behandeln.
Nicht, um dich zu zwingen, sie wieder zu begehren – sondern um sie wieder als Mitmensch zu sehen, der neben dir gewachsen, gealtert, gereift ist. Vielleicht sieht sie dich auch nicht mehr wie damals – und hat trotzdem nicht aufgehört, dich zu lieben.
Erkenne den Wert deines inneren Kampfes.
Dass du fragst, warum du so reagierst – und nicht einfach „springst“ – zeigt, dass dein moralisches Zentrum noch intakt ist. Du suchst keine Ausrede, du suchst Rückbindung. Das verdient Respekt.
Und vielleicht ist das genau der Moment, wo du begreifst:
Es ist nicht zu spät. Aber es liegt an dir, ob du dein Begehren nutzt, um etwas zu zerstören – oder um dich selbst neu zu finden.