Liebe tatzi,
naja ein bisschen kennen wir uns ja doch schon. Jedenfalls konnte ich mich in deine Lage hineinversetzen.
Das mit deinem Freund und seinem Unverständnis tut mir leid. So etwas können nicht alle Freunde. Ich habe auch einen ganz lieben Freund, der sich aber nie in mich hineinversetzen konnte. Für die akute Zeit hatte ich auch nur 3 Freunde, von denen 2 allerdings weit weg wohnen. Also blieb nur einer, der aber noch nie so richtig geliebt hat, aber er hat sich Mühe gegeben und zugehört und auch mal gesagt, was ich hören musste ("sei froh, dass du sie los bist"). Und meine Mutter hat mir erstaunlicherweise auch geholfen. Sonst hat sie nie richtig zugehört. Sie musste wohl gemerkt haben, dass es mir richtig schlecht ging. Sie wohnt auch weit weg. Ich habe versucht, viel selbst zu verarbeiten, das heißt, ich bin viel allein geblieben, in der Wohnung, aber auch viel im Wald, am See, ... Als Hoffnungsschimmer habe ich mir immer einen möglichen Anruf bei einem Freund gelassen, falls es mir unerträglich schlecht ging. Ich wollte das aber auch nicht übertreiben mit den Anrufen.
Wie dir, tatzi, ist mir auch schmerzlich bewusst geworden, wie ich Freundschaften vernachlässigt habe.
Wenn du keinen zum Reden hast, aber jemanden brauchst, können wir uns mal treffen (kannst eine PN schicken), auch wenn mir bewusst ist, dass vielleicht eine fremde Person nicht die richtige ist.
Dass du ständig in Gedanken mit deinem Ex(?) redest ist ganz normal. Ich wollte auch immer, dass sie mich endlich versteht, obwohl ich weiß, dass sie das nicht kann. Auch wenn sie es wollte, könnte sie es nicht, weil sie so anders ist. Rede trotzdem weiter in Gedanken mit ihm, weil das bei dir sehr viel Positives bewegt. Es macht Dinge langsam klarer. Bei mir war es, dass ich am Anfang vielleicht von 100 Gedanken, 95 hatte, die falsch oder Wunschdenken waren, nur 5 waren wahr. Beim ständigen Wiederholen der Gedanken erkennt man immer mal wieder einen Falschen als falsch, und dieser kommt dann nicht mehr so häufig, bis er gar nicht mehr kommt. Die richtigen bleiben aber. Ist irgendwie ein Reinigungsprozess. Jetzt hab ich vielleicht nur noch 10 falsche und 5 richtige
Vielleicht schickst du deinem Ex(?) eine mail, mit der Bitte dir die Schlüssel zu bringen. Dann könntet ihr euch einmal aussprechen. Wenn das gelingt, ein halbwegs versöhnliches Gespräch zu führen, wäre das langfristig besser für die Trennungsverarbeitung (denke ich). Bei mir gabs dieses klärende Gespräch nicht und es fehlt mir. Sie wollte solange ein Gespräch, wie sie noch ne Chance sah, mich umzustimmen. Aber als ich nach 2 Wochen Urlaub zurückkam, wollte sie nicht mehr sprechen, da sie schon den Neuen an der Angel hatte (und wohl nicht durcheinandergebracht werden wollte durch das Gespräch).
Vielleicht merkt ihr ja durch das Gespräch, dass ihr doch nicht ohne einander könnt, und ihr kommt wieder zusammen.
Aber wenn es für dich oder ihn zu schmerzlich ist, den anderen zu sehen, geht es wohl auch mit dem Schicken der Schlüssel.
Deine schönste Frage zum Schluss:
"Aber wenn das alles für mich so klar ist, warum tut es dann so weh?"
Da gibt es so viele Antworten drauf, aber alle sind irgendwie abgedroschen, so dass ich sie nicht geben mag.
Bleibe einfach bei deinem Schmerz, verdränge ihn nicht, und du wirst viel über dich erfahren.
(klingt auch irgendwie abgedroschen, aber es stimmt)
Ich lerne im Moment so viel über mich, was ich jahrelang verdrängt hatte.
Und du wirst über dich lernen.
Eigentlich ist es gut, das du jetzt Urlaub hast, auch wenn du ihn nicht als solchen genießen kannst. Aber er beschleunigt die Verarbeitung, weil du dich nicht so viel ablenken kannst. Dafür sind die Gefühle aber intensiver.
Manche Menschen lassen sich krank schreiben nach einer Trennung.
Du siehst, man findet an Allem auch positives
Ich wünsche dir viel Stärke.
tom