Gast123
Gast
Zitat von Gretchen:Man darf auch mal schwach sein ... Du scheinst viele Stärken zu haben. Was sind das für welche? Konzentrier dich darauf.
Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich sehr lange an einer Sache dranbleibe. Egal was ich mir vornehme, erreiche ich es früher oder später. War bis jetzt immer so. Aber diese Beziehung zeigt mir, dass ich es doch nicht so schaffe. Dass ich schwach bin und von jemandem abhängig bin, der im Grunde genommen ein niemand ist. Er hat nichts, worum ich ihn beneide, doch, dass er in dieser momentanen Situation so *beep* sein kann. Er alles so dreht, dass ich mich schuldig fühle und nicht loslassen will. Ich an ihm hänge und mir nicht vor Augen halten kann, wie dreckig er sich mir gegenüber benimmt.
Wenn ich anrufe, dann sagt er mir, dass er mich auch anrufen wollte. Ich muss mich loslösen, weil er es ist, der krank ist und mich zusätzlich mit in die Gosse zieht.
Materiell nicht, da habe ich keine Probleme, habe ich ein geregeltes Einkommen.
Emotional aber schon!
Ich hatte lange daran zu kauen, dass er bei der Therapie war. Habe viel zugenommen, weil ich nichts mehr gemacht habe für mich. Nur auf seine Anrufe gewartet.
Und ich hasse mich manchmal dafür, dass ich ihn trotzdem als Partner haben will. Diesen Mann, der psychologisch ein Scherbenhaufen ist.
Ich habe Angst, dass er eine neue Frau findet und mit ihr alles besser macht, was mir in elf Jahren verwehrt geblieben ist.
Ich habe Angst, dass er auf einmal perfekt wird. Ich habe einiges für ihn aufgegeben und immer gehofft, dass es besser wird. Ich habe funktioniert. Und jetzt stehe ich vor dem Dilemma, dass ein J. mir sagt, dass es ihm ohne mich besser geht. Und als ich ihn dann gesehen habe, sein Wohnung usw, habe ich gefragt was denn alles besser ist ohne mich? Er meinte, dass es anfängliche Motivation war und er mich vermisst und sich täglich betrinkt.
Ich habe bis heute keine einzige Dro. angepackt, nichts probiert. Vielleicht ist das eine Stärke.
Aber bei seinem "Verlust" hatte ich das Gefühl, es mal probieren zu müssen, um ihn zu verstehen. Davon lasse ich aber die Finger nachher gefällt es mir und ich bleibe drauf hängen.
Er meinte bei der "Trennung" dass ich ihn bevormundet habe, ihn nicht in Ruhe habe seine Dro. missbrauchen lassen. Ja stimmt, in meiner Gegenwart sollte sowas nicht passieren. Das führte dazu, dass er es heimlich gemacht hat und dann erst Tage später gemeldet hat. Aber ich habe ihm doch nichts Böses gewollt? Im Gegenteil, ich wollte, dass er normal wird, um ihn nicht zu bevormunden. Ich wollte nie einen Mann, der nicht auf eigenen Beinen steht.
Seit dem ich ihn kenne war er Hartz IV Empfänger. Erst nach dem ich solange Stress gemacht habe und ihm jahrelang gesagt habe, dass ein Job gut ist, er dadurch einen geregelten Tagesablauf hat und sein eigenes Geld verdient, fand er es gut. Seit dem arbeitet er. Er verdient zwar einen Apfel und nen Ei, aber besser als Hartz IV ist es allemal.
Manchmal habe ich das Gefühl, er hat eine midlife Crisis, weil wir uns unterschiedlich entwickelt haben. Er hat in diesen elf Jahren wenig verändert, eher negativ.
Ich hingegen habe ein Studium abgeschlossen und arbeite mehrere Jahre erfolgreich in dem Beruf. Manchmal hatte ich das Gefühl, er gönnt mir nicht den "Wohlstand". Er warf mir vor, dass ich aus einem behüteten Haushalt komme und er der ja nicht hatte und ich mich nicht mit ihm vergleichen kann.
Ich habe soviel versucht und nichts davon hat richtig gefruchtet, dass diese Beziehung normal wird.
Wenn ich genug Tage vergangen lassen habe, rede ich mir den Typen gut, finde für jedes Verhalten eine plausible Begründung und bin nicht mehr sauer.
Ich habe Angst vor der Zukunft, obwohl es nicht schlechter werden kann als jetzt.
Und ich habe Angst, noch mehr alleine zu sein. Ich bin eine Schnecke die sich gerne verkriecht. Ich mache nicht ecken. Gehe arbeiten, zum Sport und manchmal einkaufen. Klamotten kaufen liebe ich. Ich bin eine Frau, die viel wert auf mein Äußeres lege, aber tief in mir drin fühle ich mich leer.
