Zitat von harry7411:Selbstachtung. Hmmm, ich möchte jetzt und in zwanzig Jahren in den Spiegel schauen und sagen können:
Zumindest hast du alles versucht und dich nicht beleidigt im Schneckenhaus verkrochen und bist dann im Selbstmitleid zerflossen.
Das bin ich nicht ihr sondern mir schuldig.
Sie direkt vor die Tür zu setzen (oder Du entziehst Dich erstmal - wie das dann aufgeteilt wird, ist da vollkommen unerheblich, es geht um die Konsequenz), hat in keiner Weise irgendwas mit "Beleidigt sein" oder "Selbstmitleid" zu tun. Selbstmitleidig wärst Du, wenn Du jetzt nur abwartest und Dich dann später, wenn sie den Pen.is des anderes in sich hatte, Dir urplötzlich zehntausend Vorwürfe macht, um Dich danach abzuservieren. Dann wirst Du sehr wahrscheinlich da sitzen und Dich fragen: Warum passiert das mir?
Zitat:Zu meiner Selbstachtung gehört, dass ihr etwas Respekt entgegen bringe, ob sie es verdient hat oder nicht. Der unfaire „Angriff“ ist erfolgt. Möchte ich mit „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ antworten? Nein, ich möchte auf einem anderen Niveau agieren. Damit ich in den Spiegel schauen kann.
Korrekt. Du agierst mit dem "Vor die Tür setzen" auf einem anderen Niveau. Auge um Auge hieße, dass Du Dir jetzt auch irgendeine Liebelei zulegst. Das willst Du nicht, weil sich das auf Kindergartenniveau bewegt. Deshalb ist das bessere Niveau erwachsene, männliche Qualitäten zu zeigen. Und die sind: "Weißt Du was? Ich akzeptiere, dass Du einen anderen Mann daten und mit ihm irgendwas machen willst, aber bitte nicht auf meine Kosten." Denn in Deiner jetzigen Situation nimmt sie eine klare Machtposition ein, und Du darfst den Cuckold spielen.
Zitat:Mit der Psychologie kenne ich mich gar nicht aus. Ob man mein Verhalten auf eine schwierige Kindheit zurückführen kann.
Ne, eher nicht.
Aus beruflicher Erfahrung kann ich Dir sagen, hat das nicht automatisch etwas mit "schwerer Kindheit" zu tun. Das ist auch so eine Floskel, die irgendwelche Leute irgendwann irgendwo mal aufgeschnappt haben und seither ist es chic sie anzuwenden. Natürlich werden Dinge wie Erziehung und Sozialisation auch aus Deiner Kindheit da mit hinein spielen, z.B. "Du hast gefälligst Respekt vor Frauen, Harry..." aber das schließt nicht automatisch auf irgendeinen nicht verarbeiteten Komplex aus eben dieser.
Zitat:Auf die Gefahr hin es als Schwäche ausgelegt zu bekommen. Bei der Liebe geht es nicht um das Gewinnen.
Nicht umsonst gibt es bei der Steuer die Zugewinngemeinschaft.
Romantisierter Blödsinn des 18. Jahrhunderts der "einen großen Liebe" hilft Dir aber auch nicht weiter. Nur statistisch realistisch gesehen, gibt es IMMER mehrere Partner, die für einen in Frage kommen. Und auch dort kann Liebe entstehen.
Zitat:Es ist nicht immer alles entweder schwarz oder weiß. Es gibt Grautöne und sogar bunte Zwischenfarben. Und muss ich mich nicht auch einmal hinterfragen ob und was ich falsch gemacht habe? Generell und speziell bei der Geschichte?
Natürlich darfst Du Dich fragen, ob Du da irgendwie versagt hast, aber was ist denn hier die Sichtweise? "Oh, ja, ich hab die Beziehung schleifen lassen. Ok, dann gönn ich ihr mal den Fremdf. und danach wird alles bestimmt wieder besser." - Was da aus Dir spricht, mein Lieber, ist Deine Angst davor, dass Dein altes Leben vorbei ist. Das ist es aber jetzt schon. Hier geht es nicht mehr um kurze Verwirrungen und Irrungen oder ne milde Liebelei, sondern um klare Ansagen, die Deine Frau gemacht hat. Die testet jetzt übrigens sehr bewusst, was bei Dir geht und was nicht. Und das ist auch megagruselig.
Zitat:Die Situation ist und bleibt in jedem Fall erst einmal die Hölle:
Ein Guter hält es aus und um einen Schlechten ist es nicht schad!
Für mich gibt es derzeit nur zwei Optionen. Trennung oder wird versuchen es noch einmal. Auf die Gefahr hin, dass es später scheitert. Ein bisschen schwanger geht nicht.
"Es nochmal versuchen" geht aber nicht über Reden, sondern nur über Handeln. Das schaffst Du nicht dadurch, dass Deine Frau mal woanders nascht und dann zu Dir sagt: "Danke, Schatz. Jetzt hatte ich das einmal, das will ich dann nie mehr." Das glaubst Du nicht wirklich. So naiv bist auch DU nicht. Und das drückende Gefühl in Deinem Solar Plexus sagt Dir glasklar: Das ist falsch!
Zitat:Wenn ich eine „Drohkulisse“ mit den Konsequenzen einer Trennung aufbaue, dann muss ich auf jeden Fall bereit das dann durchzuziehen. Außerdem wage ich zu bezweifeln, dass es eine gute Grundlage wäre, wenn wir nur wegen der Konsequenzen zusammen bleiben würden. Die Konsequenzen einer Trennung wird sie besser abschätzen können als ich. Im Gegensatz zum mir ist sie ein Scheidungskind. Daher brauche ich sie nicht Konsequenzen zu quälen. Auch wenn die Emotion schreit: Mach es, mach es endlich!
Nicht Deine Emotion schreit da... Deine Angst will dieses Schreien unterbinden. Was da schreit, ist Deine Ratio.
Zitat:Die schöne Fassade ist mir noch wichtig. Denn sollten wir den schwierigen und beschwerlichen Weg schaffen, dann braucht niemand etwas davon zu erfahren, was los war. Das ist derzeit nur eine Sache zwischen ihr und mir und geht niemanden sonst in unserem Umfeld etwas an. Wie ich an dem Beispiel mit meiner Cousine und ihrem Mann gesehen hatte. Geh mich das etwas an ob er sie betrogen hat? Soll sich durch mein vermeintliches Wissen (Gerücht, denn ich war ja nicht dabei) mein Verhalten ihm gegenüber ändern? Tut es das auch unbewusst?
Ich schaue erst in den Brunnen ob das Kind rein gefallen ist, bevor ich die Wanne hinterher werfe.
Andere Fälle und Beispiele haben aber erstmal nichts mit Dir zu tun.
Zitat:Bitte seht mir ein wenig den Sarkasmus nach. Damit möchte ich niemanden persönlich angreifen.
Es klingt total Gaga, aber trotzdem hilfreich wenn man mal die Gedanken etwas geordnet hinschreibt. Auch wenn manche eurer Antworten sehr hart sind und nicht meiner Auffassung entsprechen. Und nein, ich versuche das niemandem krumm zu nehmen. Das sind freie Meinungsäußerung welche meist auf besseren oder schlechteren Erfahrungen basieren.
Es ist letzten Endes Dein Leben. Hier im Forum kann es jedem grundlegend sche*ßegal sein, ob Du Dich dafür oder dagegen entscheidest, weil hier wohl kaum Dein privater Freudeskreis rumschwirrt. Und gerade deshalb, wenn ein komplettes Forum, dass die Sache deutlich OBJEKTIVER sieht als Du UND Deine Freunde, Dir eigentlich einstimmig zum Schritt der Trennung rät, dann solltest Du Deine subjektive Sichtweise eindeutig hinterfragen. Mehr als nur einmal.
Dass Du emotional an den Pranger gekettet bist, kann hier jeder verstehen, aber Deine Ratio rät Dir längst das Richtige. Deine Angst ist es, die Dich hindert aus dieser widerlichen Situation zu entfliehen, weil Du einem Konjunktiv nachrennst.
Cheers!