Ich bin sehr froh, dieses Forum gefunden zu haben und würde mich freuen, wenn Ihr mir etwas Unterstützung und Hilfe durch Eure Worte geben könntet, denn es ist schwierig für mich, im wirklichen Leben mich hierüber mit jemanden offen austauschen zu können.
Mein Mann und ich sind seit 20 Jahren glücklich zusammen, sind beide Ende 50 und auch seit 16 Jahren verheiratet. Schon von Anfang an hatten wir in unserer Beziehung festgestellt, dass wir gerne Partnerwechsler sind und ab und an 6uelle Erlebnisse in diesem Kontext haben, sei es in Clubs oder auch in einer längeren Freundschaft mit einem Paar. Da wir dieses Thema eher für uns behalten und der „normale“ Freundes- oder Familienkreis hiervon nichts weiß, fällt es mir übrigens auch so schwer, einen Austauschpartner zu finden.
Für uns war jedoch immer die Devise, wir erleben alles gemeinsam, d.h. eine offene Ehe, wo jeder getrennt seinen Vorlieben nachgehen würde, war ausgeschlossen. Wir sind auch sehr an der Zweisamkeit orientiert, d.h. sind schon ganz kurz nach dem Kennenlernen zusammengezogen und bis auf berufliche Notwendigkeiten verbringen wir unsere Zeit immer gemeinsam. Sehr ähnliche Hobbies, Lebensinteressen und Wertevorstellungen und eine große Liebe zueinander waren mein Fundament der letzten Jahrzehnte.
Vor einigen Jahren zogen wir um und jetzt hat es sich im neuen Umfeld ergeben, dass wir wieder ein Paar für 6uellen Austausch kennengelernt haben. Der treibende Faktor in diesem Fall sind mein Mann und die Frau des Paares, und beide scheinen eine neue Spielweise für sich entdeckt zu haben, die stark in Richtung SM, er dominant, sie unterwürfig geht. Nun ist diese Spielweise für mich persönlich nicht so reizvoll, nur in sehr geringem Maße, während mein Mann dies immer mehr genießt. Generell war und ist das für mich auch ok, wir haben uns zweimal mit dem Paar getroffen und einen spannenden gemeinsamen Abend verbracht und auch so finden wir uns gegenseitig menschlich und im Hinblick auf Interessen attraktiv.
Da mein Mann offen ist und wir keine Geheimnisse haben wollen, darf ich bspw. sein Smartphone einsehen und er erzählte mir auch, dass er jetzt ganz häufig sich mit der Frau in Whatsapp austauscht. Bisher war ich nie in unserer Ehe eifersüchtig gewesen, aber schon die letzten Wochen fing dieses Gefühl an mir zu nagen, da er so viel von der Frau sprach und ich merkte, dass sie immer mehr chatteten. Er will auch, dass wir uns bald wieder treffen.
Gestern habe ich nun doch einmal die Chats von ihm angesehen und seitdem fühle ich mich, als ob mir den Boden von den Füßen wegzogen wurde. Es ist ein nahezu körperlicher Schmerz, beklemmender Brustschmerz, als ich las, wie emotional die beiden miteinander chatteten.
Die körperliche 6uelle Ebene ist für mich eine andere, da habe ich selbst auch Lust, aber eher mit fremden Männern, die mir nie wirklich emotional nahe kommen (dürfen). Um Euch ein Beispiel für den Chat zu geben, das mich extrem verletzte: er schrieb ihr, „dass er sie extrem anziehend findet und wenn sie beide noch 20 wären, würde sich das sicher anders entwickeln. Jetzt wäre natürlich die Situation anders, sie hätte ihren Mann und er würde mich sehr lieben“.
Ich habe dann gestern gleich mit meinem Mann darüber gesprochen bzw. natürlich auch geweint. Ich erkannte und erklärte ihm, dass mich die emotionale Nähe, die seine Chats zu der Frau zeigen, mich so schrecklich verletzt, das hat nicht mit der körperlichen Ebene zu tun. Er hat es aber nicht wirklich verstanden, was ich meinte, sagte mir, dass er mich doch immer lieben würde und dass ihn nur die neue Situation mit der Frau reizen würde. Dass er mich nie betrügen würde, weil doch alles offen wäre und ich ja auch seine Chats lesen könnte. Und ich versuchte ihm zu erklären, dass es nicht Betrug wäre, was mich verletzt, sondern dass es mir einfach weh tut zu sehen/lesen, wenn er einer anderen Frau emotional so nahe käme. Und ich merke, dass ich wohl wirklich einen großen Unterschied zwischen dem körperlichen und dem seelischen Austausch mache, trotz der Jahre unseres Partnerwechsler. Mein Herz will Monogamie, mein Körper auch andere Männer.
Er ist jetzt beruflich (Messe) für 10 Tage nicht da, wir machen zwar täglich Facetime, aber ich bin froh, dass ich Zeit zum Nachdenken habe. Das habe ich ihm auch gesagt, dass ich nachdenken müsste. Heute morgen ergänzte ich, dass ich schon mal für mich erkenne, dass ich selbst nicht mehr das Paar bzw. die Frau treffen/sehen kann, da ich emotional zu sehr leiden würde. Er selbst will aber auch nicht ohne mich, also alleine - wie wir es immer handhaben - solche Aktivitäten machen. Er meinte dann, ob ich es ihm verbieten würde, worauf ich dies verneinte. Ich sagte ihm, ich könne und würde ihm nie etwas verbieten. Aber er müsse halt mit den Konsequenzen leben, die bedeuten würden, das ich mich aus Selbstschutz in mich zurückziehen würde. Und dass ich eben diese Paar nicht mehr sehen will, weil ich es nicht ertrage, die emotionale Nähe zwischen meinem Mann und der Frau zu beobachten.
Ich möchte ihn nicht verlieren und ich denke, uns beiden ist unsere Ehe und Beziehung sehr wichtig.
Ich muss aber - aus früheren Beziehungserfahrungen und Kindheitserlebnissen - bei mir sehr aufpassen, dass ich es schaffe, Grenzen zu ziehen.
Vielleicht ist folgende Ergänzung noch von Bedeutung. Generell ist unser 6uelles Eheleben wirklich aktiv, so 2-3 mal die Woche, in den letzten Jahren sogar häufiger als früher. Es ist aber immer ein bisschen so gewesen, dass er mehr und häufiger wollte, als ich. Ich habe dem nicht so viel Bedeutung beigemessen, aber ich glaube, in keiner Beziehung kann man wirklich das optimale Maß finden. Er sagt und zeigt mir auch, wie attraktiv er mich findet.
Um so schwieriger ist es für mich, jetzt in dieser Situation mit der emotionalen Situation umzugehen.
Was meint Ihr? Im Moment denke ich, dass ich keine andere Wahl habe, als ihm klar zu machen, dass ich diese 4er Beziehung bzw. ein Treffen nicht mehr möchte. Im übrigen kenne ich den anderen Partner, also Mann der Frau noch nicht gut genug, um zu sagen, wie es ihm in der Situation geht.
Was kann ich neben der Klarheit, was ich nicht möchte, tun, um an unserer Beziehung zu arbeiten? Wobei das Schwierigste die Selbsterkenntnis bei ihm sein wird. Im Moment versteht er die Welt nicht mehr.
Und mir fällt auch noch ein latent etwas komplizierter Punkt ein, der ihn definitiv beeinflussen mag, auch wenn er es verdrängt. Bei uns sind die beruflichen und finanziellen Verhältnisse schon immer anders herum gewesen als beim klassischen Paar. Das spielt sicher eine Rolle bei ihm, dass er nicht das klassische Rollenbild haben kann, aber dieser Punkt ist halt wie er ist.
Vielen Dank für die Zeit des Lesens, die Ihr Euch genommen habt, wenn Ihr bis zu diesem Punkt gekommen seid.