Anne0815
Gast
ich lese hier schon lange mit und will mich jetzt auch mal mit meinem Problem an euch wenden. Mein Mann und ich sind 50+ und schon sehr lange zusammen, davon mehr als 20 Jahre verheiratet. Ich wollte immer eine große Familie, jedoch war es sehr schwer bzw. unmöglich meinen Mann davon zu überzeugen. Erst nach 15 Jahren war er überhaupt einverstanden, mich zu heiraten. Unsere Tochter kam dann sehr schnell jedoch ungeplant auf die Welt. Da ich bei der Geburt unseres Kindes schon Mitte 30 war, wollte ich schnell nachlegen und ein zweites Kind. Ein Einzelkind wollte ich nie und hatte das auch klar kommuniziert. Mein Mann aber verweigerte sich total. Obwohl er ein super Papa war, hatte er große Angst vor noch mehr Verantwortung. So gingen die Jahre ins Land und meine Unzufriedenheit wuchs. Ich "lieh" mir Kinder überall in der Nachbarschaft aus. Das war nicht weiter schwierig, denn viele Mütter waren dankbar über diese "Entlastung". Bei uns aber tummelten sich immer viele Kinder. Das war wohl einerseits schön für unser Kind, denn so waren immer Spielkameraden da. Andererseits muss sie schon früh ein Gespür dafür bekommen haben, das sie mir nicht "reicht". Irgendwann konnte ich meinen Mann umstimmen und wir verzichteten auf die Verhütung, doch nichts tat sich mehr. Nach 2 Jahren bekam ich eine vernichtende Diagnose und musste meine Gebärmutter sowie die Eierstöcke entfernen lassen. Mitten im Kinderwunsch. Zudem wurde ich auf der Wöchnerinnenstation untergebracht, was das Trauma noch verstärkte. Meine Welt brach damals zusammen. Doch irgendwie schaffte ich es, darüber hinweg zu kommen. Ich verdrängte und das Leben ging weiter. Den Gedanken, ein Kind in Pflege zu nehmen verwarf ich schnell. Es wäre nicht das selbe gewesen.
Vor 1,5 Jahren zog unsere Tochter nach dem Abitur mit knapp 18 Jahren aus, um in einer weit entfernt gelegenen Stadt zu studieren. Der Abschied von ihr fiel mir sehr schwer. Jetzt ist unser Haus leer und meine Gesundheit und auch unsere Ehe verschlechtert sich immer mehr. Ich ertrage diese Stille nicht. Obwohl ich weiß, dass es unserer Tochter gut geht, mache ich mir Sorgen, dass sie immer unter meinem 2. Kinderwunsch gelitten hat. Wir haben ein gutes Verhältnis, doch sie ist ein totales Papakind. Das ist für mich natürlich nur schwer zu ertragen, denn ihm gebe ich ja die Schuld an meinem Kummer. Das er jetzt bei ihr so hoch im Kurs steht, empfinde ich als total ungerecht. Wir sind keine Eltern mehr, sondern Konkurrenten um die Liebe unserer Tochter.
Zudem ist sie beruflich sehr engagiert, hat keine Ambitionen einen Freund zu finden und hat uns erklärt, sie wolle sowieso keine Kinder haben. Das bedeutet, ich werde niemals Oma sein und wenn doch, dann werden meine Enkel weit entfernt wohnen. Ich leide sehr unter dieser Vorstellung. Und ich gebe meinem Mann die Schuld. Unsere Ehe ist bereits sehr schlecht geworden und ich mache mir Sorgen, dass sie irgendwann nicht mehr zu retten ist.
Was kann ich tun?