Es gehört wohl gigantisch viel Selbstlosigkeit dazu, das Notfallprogramm einfach auszuschalten, Vertrauensvorschuss zu gewähren - dem Text, dass Mutti das wirklich will Glauben zu schenken und alle anderen Dinge, die auch nur entfernt in die Richtung eines Vertrauensbruches weisen können zu ignorieren. Vielleicht ist es völlig unrealistisch sowas (von wenigen leuchtenden Ausnahmen abgesehen) von Vati oder ingsesamt von Partnern in einer derartigen Situation zu erwarten.
Denn: wenn es so ist, dass Vatis Mutti es nicht ernst meint, ihn nur an der Nase herumführt, (Macht-)Spiele spielt, den Status Quo und das neue Leben mitt einem Dritten im Bunde führen will, hat Vati die goldene A*karte gezogen. Und hier denke ich müssen wir zugestehen, dass Forist Alexander einen Punkt hat, der nicht so leicht wegzudiskutieren ist: Schwingt diese durchaus begründete Angst immer mit, ist das Vertrauen einmal derart angeknackst, dann ist man auf einem Flugzeug im Sinkflug ohne funktionierenden Steuerknüppel, der Absturz programmiert und es vermutlich besser an der Reissleine zu ziehen.
Was will ich sagen: Also: Sollte Mutti es ernst meinen und sich wieder zu Vati in die Beziehung wieder einklinken wollen, ist sie vielleicht naiv? dumm? unbedacht?, wenn sie Dinge tut, die falsch aufgefasst werden können. Vati handelt ebenso kontraproduktiv, wenn er in Überlebensmodus schaltet, Kontrolle ausüben will, an Plan B arbeitet etc. Denn das wird Mutti irgendwie merken und dann eben nicht voll und ganz da sein oder investieren wollen.
Ich war in einer ähnlichen, vielleicht teilweise durchaus krasseren Situation als Vati. Ich gewährte einerseits einen gewissen Vertrauensvorschuss, aber ich demonstrierte eben auch: bis hierher, nicht weiter, das akzeptiere ich nicht etcpp. Meine Frau versuchte, das habe ich gesehen, einerseits Vertrauen zu schaffen, andererseits waren da Dinge, die ich zumindest als Vertrauen zerstörend ansah - es vielleicht auch wirklich waren, vielleicht eben aber auch nicht. Ich bin immer wieder nach meinem Anteil am Scheitern gefragt worden: Ja, vielleicht liegt er darin, dass ich nachdem ich mehrmals mit Lügen und Halbwahrheiten konfrontiert worden war, demonstriert habe wo für mich Ende Gelände ist. Weil ich gesagt habe: Wenn Du dies oder jenes in unserer Beziehung tun willst, nicht lassen kannst etc. dann musst DU gehen. Ja, ich habe demonstriert. War das falsch?
Ich weiss es nicht, aber es kann sein. Und es kann auch vollständig falsch bei Vati sein, weil es einen möglicherweise schon begonnenen, langsamen, zeitaufwändigen Prozess der Heilung und des Wieder-Zueinanderfindens ad absurdum führt.
Ja, ich habe gesehen - und das hat meine Frau auch gezeigt - dass es durchaus positive Schrittchen gab, positive Ansagen. Die können Taktik und Lüge gewesen sein, können es auch bei Mutti sein, aber: was ich eben auf keinen Fall sein wollte, das ist der Klein-Doofi mit Plüschohren. Dazu hätte mein Ego nicht ausgereicht. Deshalb versperrte ich durch klare Ansagen, "Demonstrieren" ggf. einen Ausweg.
Also Vati: kannst Du soweit Dein Ego zurückschrauben und einen gigantischen Vertrauensvorschuss gewähren, lange Zeit in quälender Unsicherheit leben, damit leben, dass Du im schlimmsten Falle eben der Klein-Doofi mit Plüschohren bist, dass es vielleicht nicht so wie früher, aber dennoch irgendwie neu und gut für Euch wird, ja dann kann sein, dass Du eine Chance hast. Ansonsten: