Zitat von WasBrauchenWir: Ich bin mir total im unklaren darüber ob ich viel oder wenig für sie getan habe.
Um ehrlich zu sein, halte ich das für die falsche Frage.
Die Idee dahinter ist sicher, wenn Du nur bestimmt sagen könntest, Du hättest zu wenig getan, dann könntest Du das jetzt ändern und es bestünde noch Hoffnung. Wenn Du nur zu viel getan hättest und das jetzt wüsstest, würde sich irgendwann diese nötige Wut einstellen und auch das wäre besser als die jetzige Ohnmacht.
Das Schwierige aber ist, daß es eigentlich keine statische Antwort gibt. Ob Deine Frau ein zu wenig oder zu viel sieht und ob sie Dir die gleiche Antwort in zehn Jahren geben würde, weiß nicht einmal sie.
Zitat von WasBrauchenWir: Vor etwa 1,5 Jahren wurde meine Frau dann körperlich immer kränker, aus unerfindlichen Gründen. Wir besprachen das sie ihren Job aufgibt um sich mehr um sich selbst zu kümmern und Zeit für die vielen Arztbesuche sichern konnte.
Nach vielen Untersuchung stellte sich ADHS, Asthma und eine Autoimmunerkrankung heraus.
Sie redete täglich zu 50% nur noch von Krankheit etc, was ich irgendwann kaum mehr ertragen konnte. Das teilte ich ihr auch mit, was sie im Nachhinein gesehen als Fehler herausstellte. Sie fühlte sich von mir nur noch mehr alleine gelassen.
Tatsächlich ging es Mitte letzten Jahres in unserer Beziehung plötzlich besser und auch unser intimes Leben blühte wieder extrem auf. Leider nur für einige Wochen. Sie bekam die Diagnose einer Vorstufe von Krebs.
Für uns beide brach eine Welt zusammen.
Schwierig, wirklich schwierig. Also ADHS, Asthma und zusätzlich eine Autoimmunerkrankung sind alles belastbare Diagnosen einerseits und haben andererseits auch psychische eventuell psychosomatische Komponenten.
Damit will ich keinesfalls sagen, daß Deine Frau nicht krank ist. Zudem verändert sich der Körper nach durch eine Schwangerschaft massiv und kann eben auch Krankheiten verursachen, neben zB einer postnatalen Depression.
Was mich nachdenklich werden lässt, ist ihr Umgang mit sich. Zuerst nach der Geburt des Kindes die Einschränkungen hinnehmen und dennoch weiter machen, dann die ersten Diagnosen und so wie Du es schilderst
Zitat von WasBrauchenWir: Sie redete täglich zu 50% nur noch von Krankheit etc,
wirkt es auf mich so, als kennt deine Frau nur ein Tempo, immer 100.
In diesem Zusammenhang wundert mich auch nicht so sehr, daß sich ihr Körper "wehrt". Das Schwierige daran ist aber, daß das ihre Reise ist oder besser formuliert, es ist ihr Weg und so sehr Du möchtest, den kannst Du ihr einfach nicht abnehmen.
Es gibt eine mögliche Dinge, die für sie bei dieser Entwicklung mit hinein spielen, aber es ist (leider) an Deiner Frau diese Entdeckungen zu machen und auch darüber zu entscheiden, ob sie diese Entdeckungen machen möchte.
Auf all das, hast Du keinen Einfluss.
Worauf Du Einfluss hast, ist wie Du damit umgehst. Grundsätzlich wäre natürlich räumlicher Abstand sehr hilfreich, aber ich denke, so wie ich Dich hier lese, ist das im Moment für Dich (noch) keine Option.
Wenn ich Dir etwas raten dürfte, dann wäre meinem Empfinden nach therapeutische Unterstützung für Dich ein super wirksames Mittel. Denn auch Du hast in den letzten Jahren massiv zurück gesteckt und auch wenn Du jetzt vermeintlich glaubst, Du wüsstest, was Du willst, so ist das doch alles sehr von dem Handeln Deiner Frau bestimmt.
Alles, was Dir jetzt helfen kann, Dich selbst wieder zu entdecken, wäre gut. Es ist sicher auch wichtig, daß Du die Bindung zu Deinem Sohn stärkst. Wie wäre denn ein gemeinsamer Urlaub nur mit ihm, dann könntest Du Dich mal ein paar Tage rausziehen und etwas Abstand gewinnen.
Wie auch immer es jetzt weiter gehen wird, mach Dir klar, daß wird ein Marathon. Nichts von dem, was da bei euch los ist, lässt sich in ein paar Tagen oder Wochen lösen. Daher wäre Dein erster Schritt, mal ein bißchen zu schauen, was Du brauchst, um überhaupt für dich selbst wieder einen Plan zu entwickeln.
Alles Gute.