@Darya , ich erzähl' dir mal was.
Als ich 16 war, hatte ein Junge ein Auge auf mich geworfen. Wir gingen in dieselbe Schule, und er war zwei Klassen über mir, also knapp 18 Jahre alt.
Irgendwann waren er und ich tatsächlich eins von ach wie vielen Schülerpärchen.
Und dann bekam ich per Zufall mit, dass wir weltanschaulich völlig unterschiedlich tickten. Der Junge war ganz streng neuapostolisch, sein Vater ein ziemlich hohes Tier bei der Neuapostolischen Kirche in unserer Stadt und sein Onkel ein noch höheres Tier bei der Neuapostolischen Kirche in Dresden, glaub' ich. Er selbst war ebenfalls in seiner Kirchengemeinde sehr aktiv.
Ich hingegen war schon mit 16 durch und durch Atheistin, habe mit jeglicher Religion absolut nichts am Hut und konnte mir schon damals nicht vorstellen, an dieser Ansicht jemals auch nur ein Millimeterchen zu ändern.
Mit anderen Worten: Beide waren wir in unserer jeweiligen Überzeugung konsequent.
Irgendwann zu jener Zeit bekam ich auch mit, dass seinen Eltern seine Beziehung zu mir gar nicht so recht war. Sie wollten lieber, dass ihr Sohn sich in seiner Kirchengemeinde nach einer Freundin umsieht. Und tatsächlich gab es da wohl ein Mädchen in seinem Alter, das ihnen als Freundin ihres Sohnes wesentlich willkommener war als ich. - Er selbst hatte an diesem Mädchen jedoch kein Interesse.
Trotzdem war uns klar, dass wir als Pärchen keine Zukunft haben würden und dass es besser war, gar nicht erst zu warten, bis das Ding mit den unterschiedlichen Weltanschauungen wirklich zum Problem würde.
Wir beschlossen, uns im Guten zu trennen, und waren beide gleichermaßen traurig, obwohl wir uns im klaren und einig waren, dass es so richtig war.
Ich weiß auch noch, dass wir beide erst mal ziemlichen Liebeskummer hatten.
Und ich erinnere mich an den Kommentar meiner Mutter dazu. Sie sagte, sie fände es ebenfalls traurig, und Liebeskummer sei immer doof, aber
Zitat:"Alle Achtung. So 'ne erwachsene Entscheidung hätte ich in eurem Alter nicht hingekriegt."
Warum ich dir das erzähle? Weil du etwas älter bist als ich damals war. Und weil man bereits in so jungen Jahren imstande ist, über kulturelle und religiöse Unterschiede und deren Konsequenzen nachzudenken. Was ich schon mit 16 konnte, hättest du mit 20 erst recht gekonnt, um so eine Situation wie jetzt gar nicht erst entstehen zu lassen.
Aber es ist auch absolut menschlich und verständlich, dass sich bei Verliebten der Kopf teilweise abschaltet. Genau das macht ja das Verliebt-Sein so schön.
Komm erst mal zur Ruhe, @Darya . Was anderes kannst du jetzt sowieso nicht tun.
Irgendwann bist du wieder offen für jemanden. Und da du ja jetzt diese Erfahrung hast, wirst du beim Nächsten genauer hinschauen und so was wie jetzt nicht noch mal erleben.
PS: Wie ich Jahre später mal hörte, hat der Junge von damals mit dem Mädchen aus seiner Kirchengemeinde eine Familie gegründet.
Und da meine Erinnerung an ihn nur gut ist, wünsche ich den beiden alles Glück dieser Welt.