Zitat von Nina2020:Ich liebe die Ehrlichkeit und Offenheit. Egal mit was für Konsequenzen.
Hallo Nina2020, ich sag mal ganz provokant: das tust du nicht.
Denn wenn das so wäre, hättest du diesen Mann schon lange als das, was er ist - ein untauglicher Partner - aussortiert.
Du hast ihn aber nicht aussortiert, sondern zwei Jahre daran gearbeitet, dass das Gefälle zwischen euch immer mehr in Schieflage gerät. Indem du dir seine Respektlosigkeiten hast gefallen lassen, auf Besserung gehofft und deine eigenen Ansprüche immer weiter heruntergeschraubt hast und deine Gefühle für ihn durch diese ungünstige Dynamik befeuert wurden - ganz typisch leider für die "Unterlegenen" in solchen Bindungen - während andererseits bei ihm jedesmal der Respekt vor dir sank und damit auch seine Gefühle für dich immer weniger wurden.
Du liebst nicht die Ehrlichkeit und Offenheit mit egal was für Konsequenzen, sondern deine
Vorstellung davon, wie es mit ihm hätte sein
können... wenn er halt ehrlich und offen und keine Konsequenzen nötig gewesen wären.
Zu deinem Partner wurde hier schon einiges geschrieben, vieles sehe ich ähnlich problematisch bei ihm wie die meisten Vorschreiberinnen.
Ich sehe hier zwei Baustellen, die eine ist halt dein Ex und die andere bist aber auch du selbst.
Da du deinen Partner nicht ändern kannst, noch weniger deinen Expartner, finde ich es sinnvoll in solchen Trennungs- oder Krisensituationen den Blick auf sich selbst zu richten.
Du könntest dich fragen, wie es dazu kam, dass du dein oberstes Prinzip (Wahrheit) über einen so langen Zeitraum in die Tonne getreten hast.
Mir ist beispielsweise beim Lesen deines Threads mehrmals aufgefallen, wie sehr du betonst dass du unerfahren warst und wie sehr dich das Thema der Erfahrenheit anderer (deines Ex z. B.) beschäftigt. Es macht auf mich den Eindruck, als seist du doch im Inneren sehr verunsichert und würdest versuchen über die Einschätzung des Ausmaßes Sicherheit zu erlangen. Dabei ist das im Grunde doch weitgehend egal - entscheidend ist ja, wie dein Partner mit dir umgeht und wie gut ihr harmoniert. Dass das nicht funktioniert hat, lag aber an seinen Charaktereigenschaften und nicht daran, dass er vorher mit x Frauen Erfahrungen gesammelt hat und es wäre auch nicht besser gewesen wenn es statt x Frauen y Frauen gewesen wären.
Ich denke, euer größtes Problem war dass zwei stark selbstunsichere Personen zusammentrafen. Dein Ex, der seine Selbstunsicherheit hinter Frauengeschichten, Lügengeschichten und der Abwertung anderer verbirgt, und du, die ihre Selbstunsicherheit hinter einer indirekten Selbstüberhöhung (du machst aus der Not, unerfahren zu sein sowie aus der fehlenden Fähigkeit, klare Selbstschutz-Grenzen zu ziehen, eine Tugend) verbirgt.
Mein Rat wäre, deine Rolle in diesem toxischen Geschehen gründlich zu hinterfragen und daraus wertvolle Lektionen für dich zu ziehen. Du wirst erleben, dass mit dieser Reflektion einhergeht, deine eigenen Ansprüche und Grenzen in Zukunft besser vertreten zu können. Solch eine erlebte Selbstwirksamkeit wiederum wird dein Selbstwertgefühl stärken - ein Kreislauf kommt in Gang der dir ermöglicht, in Zukunft schönere, erfülltere Beziehungen mit geeigneten Partnern auf Augenhöhe zu führen.