Zitat von Nina2020:Wie oft hat er schon zu mir gesagt, dass er sich von mir als Frau nichts bieten lässt und ich nicht das kriegen werde was ich möchte. Ich habe das Gefühl, er sieht mich als seinen größten Feind. Aber wieso nur? War ich am Anfang zu streng? Hab ich zu sehr in die Enge getrieben. Ich habe nie verstanden, warum er das so empfindet. Kann es daran da liegen, da ich ihn zu Beginn mit seinen Lügereien nicht durchkommen lassen habe und seine Grenzen überschritten?
Mein Ex hat in selbstreflektierten Momenten mal gesagt, dass er Angst hat, wenn er einer Frau Zugeständnisse macht/nachgibt/ruhig bleibt, von ihr beherrscht wird. Deshalb auch das ständige Misstrauen und Abscannen von Situationen, ob er sich nicht zu viel von einer Frau bieten lässt.
Das nahm mit der Zeit immer skurrilere Züge an. Dass das Wort Vergangenheit tabu ist (Außer, er erzählt selbst davon. Aber Vorsicht: da tappst du schnell in eine Falle, wenn du zu viel nachfragst), hatte ich schnell gelernt.
Später ging er aber sogar hoch, wenn ich ihn fragte, wie sein Tag war. Das empfand er als kontrollierend.
Bezeichnenderweise galten alle Vorschriften, die er machte, für ihn selbst nicht. Er durfte alles fragen, schlechte Laune haben, aggressiv sein, Gesprächsthemen bestimmen. Undenkbar, wenn ich mir dies erlaubt hätte.
Aber das ist der Knackpunkt: Ich war abhängiger von ihm, als umgekehrt. Und das sehe ich auch bei euch beiden. Er verhält sich unmöglich, hat seine Impulse nicht im Griff, weil er nicht diese Verlustängste hat. Er hat (unbewusst) beschlossen, in Beziehungen nicht so viel zu geben, um nicht verletzt zu werden. Deshalb ist er emotional unabhängig geblieben.
Du machst dir viele Gedanken, was du falsch gemacht haben könntest. Das ist verständlich. Diese Phase hatte ich auch. Sein Verhalten hatte mich zutiefst verletzt und irritiert zurück gelassen, zumal ich das aus vorherigen Beziehungen überhaupt nicht kannte.
Oft fragte ich mich, was hätte ich anders machen können, wie kann ich meine Kommunikation verbessern. Es war mein Ehrgeiz, mein nicht-aufgeben-wollen, hier Lösungen zu finden.
Im Nachhinein betrachtet schwachsinnig. Ich hatte vorher im privaten Bereich nie solche Probleme, wurde nie derart missverstanden und bin sogar, da ich im psychiatrischen Bereich arbeite, gewohnt (und geschult), respektvoll und lösungsorientiert mit schwierigen Menschen zu kommunizieren.
Glaub mir, bei solchen Menschen ist der einzige Fehler, dass du ihnen nahe gekommen bist. Eigentlich ist das doch in einer Beziehung normal, wie hättest du das verhindern können?
Klar hast du ihn demontiert, sein Bild (welches er nach außen vermitteln wollte) geschädigt, als du seine Lügen durchblickt hast. Aber das hätte jede einigermaßen intelligente Frau. Was wäre die Alternative gewesen? Schweigen und ihn weiter anhimmeln? Das ist doch völlig unauthentisch und selbstverleugnend.
Bei offensichtlichen Lügen hatte ich meinen Ex nie bloßgestellt, hab darauf geachtet, dass er sein Gesicht nicht verliert. Ich hatte wiederholt, was er sagte und dann freundlich gefragt: wie passt das zusammen?
Egal, was ich ausprobierte, er hat sich trotzdem aufgeregt.
Übrigens habe ich ihn auf viele Lügen, die ich entdeckte, gar nicht angesprochen. Kleine Lügen und große. Er hat nie erfahren, dass ich davon weiß.
Zb dass er seit 12 Jahren ein weiteres Kind hat, seine damalige Affäre dieses Kind aber ihrem Mann unterschob, nachdem mein Ex diese Frau hat hängen lassen (sie hatte anscheinend gehofft, meinen bindungsscheuen Ex mit diesem Kind zu einer Beziehung zu motivieren).
Ach, ich habe in der Zeit mit ihm viel gelernt. Vor allem über mich selbst. Warum bin ich da angedockt? Warum haben mich diese Lügen und seine Vergangenheit nicht derart abgestoßen, dass ich davon lief? Warum habe ich ihn nicht ausgelacht, bei diesen merkwürdigen Vorstellungen?
Was ist in meiner Kindheit falsch gelaufen?
Auch mein Beruf ist nicht ganz unschuldig: immer schön tolerant, für alles Verständnis haben.