Oft ist es ja nicht die eine Sichtweise, die im Endeffekt hilft, sondern eben die Kombination, dachte ich gerade..
Also ich verstehe sehr gut, dass du ihn verstehen willst, um abschließen zu können. Das Gefühl hatte ich auch, als ich erfahren habe, dass mein Partner am Anfang eine ganze Zeitlang eine Parallelaffäre hatte, die es länger gab als mich, und von der er nicht losgekommen ist. Das "den anderen verstehen" hilft den Schmerz zu lindern, finde ich. Und mir hilft das wiederum, mich zu lösen.
Schmerz bindet mich irgendwie.
DAS wiederum ist aber auch der Punkt an dem die Aufgabe sehr klar ist, dass ich MICH verstehen lerne. WARUM bindet mich etwas, was mir nicht gut tut? Irgendwann hatte ich mal das Gefühl einer Erleuchtung, weil ich glaubte, verstanden zu haben, dass eins meiner Muster ist, dass ich versuche, Menschen die mir Schmerz zufügen zu überzeugen, dass ich gut genug bin. Schmerz heißt bei mir nicht: Achtung weggehen. Es heißt: streng dich mehr an.

Es ist nicht so, dass das kathartisch und lebensverändernd gewesen wäre - aber es ist etwas, woran ich immer wieder anknüpfen kann. Wenn jemand dich schlecht behandelt, heißt das nicht, dass du nicht gut genug bist. Es heißt: er ist nicht gut für dich.
Der nächste Schritt ist dann bei mir der, mir selbst gutes zu tun und mich so selbst zu stärken. Und mich mit Menschen zu umgeben, die mir gut tun. Die mir wohlgesonnen sind. Das ist bei mir ein deutlich spürbarer Gefühlsunterschied. Es hat hauptsächlich etwas, was mit Spannung und Entspannung zu tun hat.
Und dann ist da die Hoffnung, dass ich irgendwann in der Lage bin, Menschen die mir nicht gut tun, mit - von mir aus liebevollem - Abstand zu begegnen. "Loving kindness", sagt eine Freundin immer. Also nicht mit Wut und Hass und Rachegefühlen, sondern 1. dem Wissen, sie können nicht anders und 2. dem wirklichen Wissen, dass mir anderes besser tut. Und dass ich das verdient habe.
Für mich ist das ganze ein Prozess, der im Endeffekt mit dem Loslösen eigener Muster und dem Aufbau von Selbstwertgefühl zu tun hat. Einerseits wirklich traurig, weil andere das so viel früher schon beherrschen. Andererseits besser als nie. Und der Prozess ist nicht das ganze Leben. Da gibt es trotz dem immer Momente, die herrlich sind.