Zitat von Julienca: Allerdings haben wir uns vor wenigen Tagen gesehen, zufällig. Wir liefen uns entgegen. Ich war ganz entspannt, recht gut drauf und habe Mal für wenige Minuten nicht an ihn gedacht, da erkannte ich ihn plötzlich schon von weitem.
Als wir uns näher kamen, lächelte er und sagte freundlich "Hallo".
Ich murmelte ein schnelles "Hallo" zurück, ob er es überhaupt verstand, weiß ich nicht.
Ich wundere mich immer wieder darüber, wie das Leben so spielt. Du bist im Moment entspannt, Dein Gehirn schenkt Dir Ruhe, die Gefühle jagen ausnahmsweise mal nicht rauf und runter und wer kommt des Wegs? Er natürlich. Der Klassiker und ein Zeichen dafür, dass das Leben uns Streiche spielt.
Ich sah meinen Affärenmann, der ja mindestens so " toll, ehrenhaft und verlässlich" wie Deiner war, das erste Mal ca. 2 Jahre nach dem Ende der Affäre, die gut ein Jahr dauerte.
Und natürlich war ich wie Du zunächst wie zerstört, denn all meine Hoffnungen auf einen glücklichen Ausgang der Affäre, die mir endlich das Glück bringen sollte, das mir so lange versagt blieb. Herrgott, wie blöd ich damals war. Das Glück war da, ganz nah, zu Hause, dort wo es harmonisch zuging, aber ich wollte mehr. Feuer, das Gefühl wichtig zu sein, am liebsten eine neue Beziehung zum Nulltarif. Und so einfach macht es einem das Leben nicht.
Denn wir alle müssen lernen. Wir müssen lernen, Enttäuschungen einzustecken, diese verarbeiten, uns von den falschen Leuten los sagen, auch wenn sie zunächst die richtigen zu sein scheinen und wir müssen oder sollten lernen, uns in den Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit zu stellen, gut zu sich zu sein, gut mit sich umzugehen.
Ist das nicht egoistisch? Nein, denn nur wer gut zu sich ist, der ist auch gut zu anderen. Wer sich selbst nicht mag, mit sich hadert, sich ständig in Frage stellt, läuft leicht Gefahr, sich Zufuhr von Außen zu suchen. Diese Zufuhr beweist uns dann, dass wir wichtig sind, wertvoll und liebenswert, etwas, was wir uns selbst oft nicht geben können.
Also lerne daraus, so eine Erfahrung ist gut, weil lehrreich für Dich. Sie bringt Dich weiter, wenn Du sie nützt und beginnst, Dich mit Dir zu befassen. Aber auf eine Zufuhr von außen zu setzen, um den Alltag besser ertragen zu können, ist zu wenig, denn diese Quelle kann versiegen. Das siehst Du jetzt selbst.
Zurück zu meinem ersten Wiedersehen mit ihm. Wir waren schon lange getrennt, sahen uns nicht wieder, was bei 150 km Distanz kein Wunder ist. Also die Gefahr, ihm beim Einkaufen zu begegnen, war sehr gering. Aber da stand der jährliche Kongress unserer Sparte an, auf den er immer fuhr und ich auch.
Ich sitze in einem spärlich besuchten Vortrag und auf einmal frage ich mich, ob ER überhaupt da ist. Es kann ja vieles sein, kurzfristig was dazwischen gekommen, Krankheit o. ä., denn ich hatte ihn noch nicht gesehe. Ich denke an ihn und neben mir sitzt ein Kollege, der ihn auch kennt. Und ich frage ganz beiläufig, ob er XY schon gesehen habe. Ja, der war gestern in dem Systemverwaltertreffen.
Und genau in diesem Moment geht die Tür auf und wer schneit herein? ER. Was zum Teufel will der hier und ich erlebte wieder Gefühlssensationen vom Feinsten. Mein Blutdruck erreichte ungeahnte Höhen, meine Hände schwitzten und mein Magen fühlte sich wie ein Klumpen an. Ich wollte am liebsten weglaufen, allein sein. Dieses völlig unvorhergesehene Wiedersehen überforderte mich total.
Ich denke, ihm ging es nicht besser. Er hatte sein maskenartiges Gesicht aufgesetzt, das ich allzu gut kannte und starrte krampfhaft auf den Referenten und hatte sich möglichst weit entfernt hin gesetzt. Also locker und entspannt sieht anders aus. Ich schätze, auch er hat nicht damit gerechnet mich in diesem Vortrag zu sehen, der thematisch eher marginal war.
Ich dachte mir nur, das Leben ist doch echt fies. Am Ende des Vortrags packte er möglichst schnell seine Sachen und verschwand, allerdings nicht auf Nimmerwiedersehen.
ich fing mich wieder und war äußerlich ruhig geblieben, auch wenn innerlich Stürme tobten. Das gibt es doch nicht! Ich erkundige mich nach ihm und er kommt angelaufen!
Später sah ich ihn auf dem Gang laufen, allein, nichts sagendes Gesicht, aber sonderlich attraktiv oder gar strahlend wirkte er nie. Er war immer gedämpft, seltsam leblos, geschädigt wohl vom Vater, der ihn ablehnte. Voller Selbstzweifel und Gefühle ließ er selten zu. Er lachte nie richtig, er lächelte allenfalls. Was fand ich nur an ihm? Er profitierte wohl auch von mir, denn ich als eher emotionaler Mensch brachte Feuer in seine Lauheit. Manchmal hatte ich das Gefühl, er schaut mir beim Fühlen zu wie ein Zusschauer. Manchmal fühlte ich mich seltsam benützt.
Und zwei Stunden später sah ich ihn wieder. Ich stand nahe beim Eingang mit einer Firmenvertreterin und wir lachten gerade. Da schlurft er daher in Richtung Ausgang und er musste an uns vorbei gehen.
Diese Situation gefiel mir wirklich sehr gut. ich lachte, war vergnüngt, die andere Frau auch und er geht mit seinem schlenkerigen Gangwerk mit hängenden Schultern an uns vorbei. Ein kurzes Hallo und weg war er.
Ha, wie gut tat mir das. Ich lachte und er ging allein und wieder mal einsam wirkend wo anders hin.
Wir sehen uns jährlich auf diesem Kongress. Mindestens einmal laufen wir uns trotz 2- 3 Tausend Teilnehmern über den Weg. Wir grüßen uns, aber nicht freudig, sondern eher neutral und jeder geht seines Wegs. Kein Gespräch, kein Smalltalk, kein Stehenbleiben.
Und das ist das Beste für uns. Kein Kontakt mehr, ein entfernter Kollege, nicht mehr. Es interessiert mich längst nicht mehr, was er tut oder nicht, wie er lebt, wie es ihm geht. Es ist mir einfach egal und in diesen Zustand zu kommen, dauerte eine sehr lange Zeit.
Mein Blutdruck bleibt stabil und manchmal denke ich mir, das hätte es jetzt auch nicht gebraucht, dass wir uns dieses Mal doch wieder begegnen.
Und dieser Zustand schenkt einem etwas, was lange verloren und vergessen wurde. Innere Ruhe und die Konzentration auf das, was da ist.
Eine Affäre gehe ich nie mehr ein. Lektion gelernt, aus Affären entsteht selten etwas Gutes mit Tragfähigkeit. ich bin mir mittlerweile mehr wert als lauwarme Versprechungen, warmer Worte, die nichts bedeuten, weil sie eh nicht eingehalten werden.
Was marterte ich mich oft? Aber er sagte doch damals, dass ... Blablabla. Vieles wurde gesagt, beteuert, weil wir es in diesem Augenblick auch glaubten, aber Worte sind nur Worte und schnell vergessen.
Ich wünsche Dir, dass Du auch begreifst, dass Du was anderes brauchst als so was. Du hast Deine Kinder, Deine Verpflichtungen, Deine Arbeit, Kollegen, Freunde. Es ist doch alles da außer einem verlässlichen Partner, den Du in einem Affärenmann nicht finden wirst.
Und Du glorifzierst ihn und stilisierst ihn zu einem edlen Menschen hoch, der er nicht ist. Er ist alltäglich, bei näherem Hinsehen auch sehr gut verzichtbar, denn Fairness und Achtung Dir gegenüber sähen anders aus. Stattdessen speist er Dich über Geräte mit dürren Worten ab.
Das tut weh, das kränkt jeden, der es erfährt. Aber auch solche Erfahrungen sind heilsam, denn richtig vertrauen kann man nur ganz wenigen Menschen. Ich war auch nicht vertrauenswürdig und das kreide ich mir heute noch an. Diese Suche nach Gefühlssensationen, die Aufwertung meiner Person, der ich nachlief, weil ich selbst nicht an mich glaubte und nichts in mir fand, um einen Mangel zu beheben. Die bequeme Lösung, die sich mir bot.
Heute schätze ich das, was da ist, was das Leben mir zuteilt an positiven Dingen und so was wie ihn brauche ich nicht mehr.
Eine gute Freundin sagte mal zu mir, Du bist zwar unzufrieden mit allem und jedem und wünschst Dir ein anderes Leben. Dabei ist alles da, vor Deiner Nase. Aber Du siehst es nicht. Du brauchst keinen anderen Mann, kein anders Umfeld, andere Nachbarn, keinen Neuanfang irgendwo, wo Dich keiner kennt. Du bist blind.
Tja, es hilft nur, die Augen aufzumachen und genauer hinzusehen. Was will ich, was brauche ich und was kann ICH für mich selbst tun anstatt es andere tun zu lassen oder auch nicht.
Ich war einige Zeit nach der Trennung sogar bei einem Therapeuten. Eigentlich wollte ich über ihn reden, diesen Verräter, diese miese Ratte, die mich so oft verletzt hatte. Wer hat es denn zugelassen, dass er verletzt wurde? Das war ich selbst, aber das wusste ich damals nicht.
Der Therapeut war nicht sehr beeindruckt von dieser Story, wohl auch weil sie so alt ist wie die Menschheit. Frau auf der Suche nach sich selbst und einem glücklichen Leben sucht sich eine Affäre. Beeindruckend.
Aber was er mich fragte, blieb mir bis heute im Gedächtnis. Mein AM kam kaum zur Sprache, so als ob er völlig unwichtig wäre. Aber der Therapeut fragte nach mir, nach meinem Elternhaus, meiner Kindheit und das war neu. Dieses Interesse an dem Menschen der vor ihm saß und hilflos war. Und der AM? Wurde kaum erwähnt, denn es ging um mich und auch darum, wie Kindheitserfahrungen im Erwachsenenleben weiter wirken und wie wichtig es ist, dieses zu verstehen. Das geht nur über Erinnerungen.
Denn wem wir uns zuwenden, wirft ein Licht auf uns und es zeigt uns auch, wie wir vorgehen und uns an die falschen Menschen hängen.
Decke Deine Mängel auf, lass Erinnerungen zu, auch wenn sie schmerzen, finde heraus, was Dich 4 Jahre in einer halben Beziehung verharren ließ und lerne, gut mit Dir umzugehen.
Es ist alles da. Dein Umfeld, Deine Kinder, Deine Arbeit. Schau auf das was Du hast, aber nicht auf das, was Du haben könntest, wenn .nur endlich ...
Du hast 4 Jahre in einer Selbstlüge gelebt, es reicht jetzt auch mal. Und Du schaffst das und findest eine wieder eine starke Frau, die ihr Leben meistert, sich ihre Wohlfühlinseln schafft und freundlich zu den Kollegen ist. Das ist doch schon mal was, oder nicht? Das zu schätzen und zu würdigen, was da ist und nicht nach dem zu gieren, was Du gerne hättest.
Und von Männern wie ihm lässt Du künftig die Finger. Wenn einer seine Frau 4 Jahre betrügt, taugt er nichts. Und es ist egal, wie wichtig der Sx war, denn auch eine emotionale Affäre ist eine Affäre und nicht mehr.