Nun machen wir ja auch wirklich nicht zwingend gute Erfahrungen, wenn wir von traumatischen Erfahrungen berichten. Das hat viele Komponenten, u.a. diese, dass andere Menschen sie nicht glauben (wollen oder können), selber damit überfordert sind und deshalb darüber hinweg gehen. Lletzteres gilt so gut wie für jeden aus dem RL, dem ich von meinem Missbrauch als Kind erzählte - als da wären z.B. mein Bruder, der immer noch gern mit dem Täter ein *ierchen zischt, meine beiden engsten Freundinnen und auch meine langjährigeren Partner.
Was macht das mit uns? Selbst wenn wir wissen, dass uns Unrecht widerfahren ist und die ins Vertrauen Gezogenen überfordert sind, fühlen wir, dass das wohl nicht so schlimm gewesen sein kann, denn sonst würde ja irgendeine erkennbare Reaktion erfolgen (müssen). Das löst das Gefühl aus, dass ich nicht so wichtig bin. Das meine beeinträchtigte Kindheit und die Folgen davon nicht bedeutsam sind. Dass ICH nicht so bedeutsam bin wie das *ierchen mit dem Täter. Auch heute noch - fast 40 Jahre später sind das meine Empfindungen, wenn ich wieder von so einem Treffen mit dem Täter höre.
Da frage ich mich, wie mein Bruder ausblenden kann, was mir passiert ist bzw. angetan wurde. Aber er kann.
Vielleicht ist es ihm egal, vielleicht ist er überfordert (da eh konfliktscheu), vielleicht glaubt er mir nicht.
Was passiert also? Ich rede nicht mehr darüber. Ich erwarte nichts (mehr) von anderen. Keinen Schulterschluss, kein Mitgefühl, kein konsequentes Verhalten, keine Solidarität. Nichts. Diesbezüglich bin ich vollkommen nüchtern.
Insofern verstehe ich den relativierenden eigenen Umgang mit schlimmen Geschehnissen schon.
Man muss schon sehr schwer lernen, sich selber wichtig zu nehmen, wenn es sonst keiner tut, und den eigenen Wahrnehmungen und dem eigenen Weg zu vertrauen. In meiner Therapie damals wurde mir auch so ziemlich als erstes präsentiert, dass ich ununterbrochen über meine Gefühle und Bedürfnisse hinweg gehe, während ich die aller anderen nicht nur erkenne sondern körperlich mitfühle.
Das stimmt sehr oft heute noch. Aber die gute Nachricht ist: man kann Abgrenzung von den anderen und Zugang zu sich selbst lernen
