Zitat von Christiana11: lso er will keine richtig feste und nahe Beziehung weil er Angst davor hat? Wisst Ihr, wenn Ihr ihn kennen würdet wie ich ihn kenne, stellt Euch einen Mann vor der total selbstbewusst rüberkommt und auf alles seine eigene Meinung und Antwort hat, ohne jeglichen Zweifel. Er wirkt als ob er vor nichts Angst hat, unerschütterlich, und er hält auch mit seinen Ansichten nicht zurück, die, wie Ihr ja wisst, er mir auch ohne Umschweife und sehr hart oder direkt mitteilt.
Der Begriff "Angst" passt jetzt so gar nicht auf ihn...
Man spricht nicht umsonst von Bindungsangst.
Es können im Unterbewusstsein Bindungsängste vorhanden sein, die sich im normalen Alltagsleben und Auftreten überhaupt nicht als "Angst" zeigen. Bindungsängste werden oft maskiert, der Betreffende nimmt sie auch nicht als gefühlte Angst wahr. Die Angst zeigt sich in Freiheitsbestreben, Unabhängigkeit und einer Ablehnung von festen Beziehungen.
Die "Ängste" sind im Unterbewusstsein angesiedelt, der Mensch fühlt sie nicht als solche, zeigt aber im Verhalten die innere Ablehnung von richtigen Beziehungen.
Weil das Unterbewusstsein dagegen hält,werden Bindungen und Nähe vermieden. Dann lehnt sich das Unterbewusstsein sozusagen bequem zurück und sagt sich: alles in Ordnung, es gibt ja keine Beziehung.
Aber das hat mit einem Auftreten im Leben rein gar nichts zu tun. Da kann der Mensch durchaus selbstbewusst, charmant, von sich überzeugt auftreten, denn das wiederum steuert die bewusste Ebene.
Man spricht wohl von Bindungsängsten, weil betroffene Menschen meist schon in der Kindheit erfahren haben, dass Bindungen ein Problem sind und dass ihnen nicht zu trauen ist. Im späteren Leben zeigt sich dann das in der Vermeidung von Bindungen, wobei es hier wiederum den aktiven Vermeider gibt, der auf seine Freiheit und Unabhängigkeit pocht, sich nichts sagen und dreinreden lässt und sehr autark rüberkommt. Der passive ist dann das passende Gegenstück. Das ist derjenige, der meist auch unter Bindungsängsten leidet, diese aber auch nicht als solche wahrnimmt. Sondern der sucht und sehnt sich genau nach dem Gegenteil, möchte eine feste Beziehung mit Hand und Fuß, gefühlte Nähe, Vertrauen, am liebsten eine gefühlte Einheit mit dem Partner fühlen. Aber auch er maskiert seine Bindungsangst, indem er genau dort sucht, wo er das nicht finden wird. Dafür sorgt schon das Unterbewusstsein, das den scheinbar Bindungswünschenden zielsicher zum Gegenstück führt, mit dem eine gewünschte Beziehung gar nicht möglich ist.
Auf der bewussten Ebene nimmt der passive das als Leid wahr, als Traurigkeit, als das Sich-in Frage-Stellen (ich bin es anscheinend nicht wert, mehr zu bekommen) und später oft als Aggression und Abwertung des Gegenübers (diese miese Ratte, die nie zu mir steht, obwohl ich doch alles mache und tue, mich anpasse, keine Ansprüche stelle, weil ich schon längst aufgegeben habe). ...
Bei beiden wurde angelegt und erfahren, dass Bindungen zu Frust und Enttäuschung führen und dass man liebe die Finger davon lassen sollte, weil der Schmerz und die Enttäuschung schon vorprogrammiert sind.
Bindungsängste werden oft nicht erkannt und man kann sie schlecht ablegen, weil alles, was im Unterbewusstsein angesiedelt ist, auf der bewussten Ebene meist nicht wahrnehmbar ist. Um sie ganz ablegen zu können, wäre eine eher langwierige und in Richtung Tiefenpsychologie gehende Therapie notwendig. Das sagte mir zumindest mein Therapeut.
ich bin selbst betroffen, neige eher zur passiven Rolle und habe mich oft in Männer verliebt, die unerreichbar waren und blieben. Sie hatten kein Interesse an mir. Oder sie hatten Interesse und ich lehnte sie dann innerlich ab. Oder sie hatten Interesse, aber die Beziehung driftete ins Ungleichgewicht ab.
In meiner Jugend war das Empfinden so. Oh, der würde mir gefallen, ach, ist der lieb, ach, wäre es schön, wenn ich mit ihm zusammen sein könnte. Oder aber das Gegenteil: Was, der will was von mir? Hilfe, nein, das engt mich ein, nichts wie weg, der ist ja eh todlangweilig und uninteressant.
Ich habe daher auch spät geheiratet und quasi mit einem gefühlten Hintertürchen. Erst in den letzten Jahren ist es mir gelungen, eine richtige Beziehung führen zu können. Seitdem fühle ich mich glücklicher, mehr eins mit mir und angekommen, vorher fühlte ich mich immer, als hätte ich Sprungfedern unter den Füßen und fühlte mich unstet und innerlich unruhig.
Übrigens trete ich im Alltagsleben durchaus ebenfalls selbstbewusst und eher mutig auf. Dass dahinter Ängste lauern, weiß keiner außer mir, aber das musste ich mir auch erst eingestehen.
Ich denke, man kann mit Bindungsängsten leben, wenn man sie erkannt hat und die Ursprünge erkennt. Dann tun sie ihre Wirkung nicht mehr oder weniger stark.
Informiere Dich mal über Bindungsängste. Es gibt ganze Bücher darüber.