Liebe Alpträumchen,
diese Ehe ist nicht mehr reparierbar. Er will weg und quält Dich "nur" noch so lange, bis Du so geschwächt bist, dass er Dich völlig mittellos entsorgen kann.
Und das weißt Du auch.
Nur bist Du so aufgewühlt und unsortiert und hin und her gerissen zwischen erlerntem Muster und dem, was jetzt gut wäre, dass Du
1. Dich ihm nicht wirkungsvoll entziehen und die weitere Schwächung unterbinden kannst und
2. Es für Außenstehende unheimlich schwer wird, Dir inhaltlich folgen und wirklich helfen zu können.
Deshalb möchte ich Dir für den Termin beim Anwalt am Dienstag folgenden Tipp geben, damit Du nicht mit leeren Händen aus der Kanzlei gehst:
Erzähl dem Anwalt zunächst, dass Du Deinem Mann mental unterlegen bist und deshalb vor 10 Jahren schwanger mit dem ersten Kind ihn geheiratet hast und in eine "traditionelle" Rollenverteilung gegangen bist, ohne je Zugriff auf oder Aufteilung seiner Einkünfte zu haben. Hier musst Du aktuell nicht in Details gehen, es sei denn, der Anwalt fragt danach.
Dann erzählst Du, dass Dein Mann Dir vor einem Jahr untreu war und seitdem kein Vertrauensverhältnis mehr hergestellt wurde und dass Dein Mann das Geld, das er Dir für Dich und die Kinder gibts bzw. die Ausgaben, die er für Dich und die Kinder übernimmt, nach Laune und Wohlgefallen steuert.
Dass er nun auf einem nachträglichen Ehevertrag, der seine Pflichten bei Trennung und Scheidung stark reduziert, besteht, um die Ehe fortzuführen. Dass Du aber davon ausgehst, dass er sich ohnehin trennen möchte, nur eben ohne Zugewinnausgleich, Rentenausgleich und Unterhaltszählungen leisten zu müssen.
Dass auch Du die Trennung möchtest, allerdings natürlich mit den Dir zustehenden Rechten aus der Ehe.
Und dass Dein Mann nun die Unterschrift unter nachteilige Eheverträge erpressen will, indem er die Wohnung verlässt, ohne Geld für die Familie da zu lassen.
Und dass deswegen Deine Fragen lauten:
1. Kann Dein Mann gerichtlich verpflichtet werden, innerhalb der Ehe Dir und den Kindern Unterhalt zu leisten, Haushaltsgeld zu geben? Und wenn ja, wie hoch wäre dieser Anspruch?
2. Wie hoch wäre der Anspruch auf Trennungsunterhalt für Dich und die Kinder, wenn Du jetzt schriftlich die Trennung erklärst?
3. Würde bei einer Trennung die Wohnung Dir zugewiesen werden und wer muss dann die Miete und Nebenkosten bezahlen?
4. Wie hoch ist der nacheheliche Unterhalt, der Dir nach 4 Jahren Elternzeit und 6 Jahren Teilzeitarbeit zusteht? Wie hoch ist der Kindesunterhalt bei einem Residenzmodell? Und muss Dein Mann Dich dann aus der während der Ehe geschaffenen Selbständigkeit/Firma ausbezahlen, auch wenn deren Wert vor allem in der Gewinnerwartung der nächsten Jahre besteht, nachdem während der Ehe das Geschäft eingerichtet wurde?
5. Welches Umgangsmodell sollte dem Ehemann bezüglich der Kinder angeboten werden?
6. Welche Schutzmöglichkeiten gibt es (z.B. Näherungsverbot, Umgang übers Jugendamt) für den Fall, dass der Ehemann auf die Trennung mit Schädigungsabsicht reagiert.
7. Was kostet die anwaltliche und gerichtliche Umsetzung dieser Ansprüche und gibt es aufgrund geringer Rücklagen ein Stundungsmodell?
Nimm die Kopien der Unterlagen mit und wenn Du die Antworten auf diese Fragen hast, kannst Du planen.
Und entzieh Dich bitte seinen weichkochenden Monologen. Ob Du es offensiv machst und ihm sagst, dass Du Dich gerade nicht damit auseinandersetzen magst, sondern nachdenken musst. Oder ob Du defensiv den Raum verlässt und joggen/spazieren gehst, ihm Wohnzimmer schläfst o.ä., um ihm zu entgehen, muss Du selbst wissen. Aber außer Energieverlust hast Du aktuell von dem, was er Dir sagt, nichts zu erwarten.
Er will Dir Dein Geld und Deine Handlungsmöglichkeiten wegnehmen und Du möchtest sie behalten bzw. erstmals seit Jahren bekommen. Da gibt es keinen Kompromiss, den man finden könnte. Nichts, was er Dir sagen könnte, was Dich weiterbringt.
Den Satz, "Schatz, Du hast so Recht. Ich hab mich wie ein A*sch benommen, Dich ausgenutzt und bezahle Dir jetzt die letzten 10 Jahre nach, mach Dich zur Co-Chefin der Firma, überweise Dir die Hälfte meines Vermögens und ab jetzt die Hälfte meines Gehalts auf Dein Konto und werde Dich künftig wie einen gleichwertigen Menschen, den ich liebe, behandeln", wirst Du nicht hören.
Und alles, was darunter liegt, ist einfach zu wenig.
Gib Dich bitte nicht mit Krümeln zufrieden in der Hoffnung, dann ein angenehme(re)s Leben haben zu können. Er hat sein Wesen völlig offenbart. Du kannst Dich nicht länger erfolgreich selbst belügen. Du wirst mit ihm nicht mehr glücklich werden. Du kannst Dich nur noch entscheiden, mit ihm unglücklich, ohne ihn unglücklich oder ohne ihn glücklich zu werden.
Und ich empfehle letzteres. Auch wenn Du dafür jetzt ganz kräftig aus Deinen Mustern und Deiner (nennen wir es mal) Komfortzone rausbewegen. Und er wird es zum Kotzen finden und versuchen, Dir das Leben so schwer wie möglich zu machen. Aber sobald Du Dich seinem Zugriff und seiner Kontrolle über Dein Leben entzogen hast, wird es sooo viel leichter. Das kannst Du Dir jetzt noch gar nicht vorstellen, wieviel leichter alles ohne ihn ist.
Viel Glück für Dienstag!