Zitat von Jonas95:Und natürlich wünscht sich eine Frau einen richtigen Mann, doch muss man vielleicht erst zu einem werden?
Das ist ein gefährlicher Gedanke. Um genau zu sein, habe ich den Gedanken nach meiner ersten Trennung jahrelang in meinem Kopf gehabt. "Ich muss männlich sein". Tatsächlich hatte ich den Gedanken auch bei der letzten Trennung im Kopf. Ja habe meiner Ex sogar gesagt "ich war wahrscheinlich wieder nicht männlich genug". Totaler Kokolores.
Meiner Meinung greift dieser Gedanke zu kurz. Hier gehts schon wieder was die Frau will. Was wir BIETEN müssen, damit die Frau uns im Gegenzug LIEBT. Der Glaubenssatz der bedingten Liebe. Das ist der deepe *beep*. Davon müssen wir uns befreien. Wir müssen uns selbst lieben lernen. Das hört sich so verdammt abgedroschen und ausgelutscht an, aber ich denke, genau das ist der springende Punkt. Wir müssen lernen, dass wir selber genügen, in dem wir einfach nur sind. Das meine ich jetzt gar nicht esoterisch, sondern wir müssen erkennen, dass wir liebenswert sind, ohne dass wir etwas leisten müssen. Das wird nicht einfach. Hat viel mit Kindheitserfahrungen zu tun, dem inneren Kind in uns. Ich habe zum Beispiel als Kind oft Dinge gehört wie "Wenn du brav bist, kriegst du ein Eis" oder "Erst wenn du dein Zimmer aufgeräumt hast, machen wir das und das" etc. Da frägt nochmal jemand, warum ich denke ich müsste meinen Partnerinnen erst etwas bieten, damit sie mich lieben

Ich habe mir also auch immer gesagt, ich dürfe nicht bedürftig wirken. Bin ihr auch nicht hinterhergelaufen oder alles andere in meinem Leben für sie aufgegeben. Nein, aber ich habe sie eben geliebt. Also das, was ich über Liebe zu wissen glaubte. Habe sehr gerne, sehr viel für sie gemacht. Sehr viel in die Beziehung investiert. Das hat mich wie gesagt nicht mal gestört, weil das für mich normal war. Aber die Ex hatte andere Ansichten von Liebe. Hätte deutlich weniger gebraucht. So war dann die Balance oder Polarität in der Beziehung gestört.
Sobald man sich also von dieser Bürde befreit hat, liefern zu müssen um geliebt zu werden, sind wir bereit wirklich erfüllt zu lieben. Wenn wir merken, dass wir auch liebenswert sind, dass wir der Partnerin sagen, dass uns etwas nicht passt. Dass wir auch geliebt werden, wenn wir heute mal keine Lust auf ein Double Date mit einem befreundeten nervigen Pärchen haben. Dass wir auch geliebt werden, wenn wir kommunizieren, dass uns das Verhalten der Partnerin gerade ankotzt.
Das sind gerade Dinge (und hier kann ich nur für mich sprechen) wo ich lieber meine Meinung verschwiegen habe, um einen Streit aus dem Weg zu gehen und harmonisch zu bleiben. Das macht uns auch bindungsängstlich (ich glaube genauer gesagt nennt sich das passiv bindungsängstlich) weil wir keine wirkliche Nähe zu lassen können, weil wir der Partnerin gegenüber nicht authentisch sind. Unsere Gefühle nicht kommunizieren, aus Angst sie könnte davon verletzt werden, oder unsere Unsicherheit erkennen, oder erkennen, dass wir nicht männlich genug für sie sind.
Das Wichtigste wird für mich in Zukunft sein, meine Bedürfnisse, Gefühle und Wünsche stets klar zu kommunizieren. Wenn ich anecke, dazu stehen. Wenn die Partnerin persönliche Grenzen überschreitet, sie darauf hinweisen. Ich habe in der letzten Zeit für mich wichtige Standards in einer Beziehung definiert. Ich habe mich nämlich immer mit dem Begriff "Grenzen" in einer Partnerschaft schwer getan. Diese Standards helfen mir, solche Grenzen zu definieren.
Ich glaube das geht dann auch in die Richtung "männlich wirken". Wir wissen was wir wollen, wir stehen dazu und erkennen, dass auch in einer romantischen Beziehung unsere eigenen Bedürfnisse erstmal die wichtigsten sind. Dazu muss man gar nicht mal ein A.loch sein
