Zitat von Manchmal_Hexe: Ich würde dir gerne aus einer anderen Perspektive heraus antworten. Aus der Sicht eines Kindes, dessen Vater die Mutter betrogen hat. Ich finde es gut, dass du dich damit auseinandersetzt, auch wenn dir meine Antwort wahrscheinlich nicht gefallen wird.
Dass sich meine Eltern getrennt haben, war für mich ehrlich gesagt nie schlimm. Aber was bis heute, fast 30 Jahre später, noch schmerzt, ist der Betrug. Ein Betrug betrifft nicht nur die Partnerbeziehung, sondern die ganze Familie. Denn belogen wurden auch wir Kinder und das gesamte Umfeld, damit er seine Affäre führen konnte. Das hinterlässt Spuren, die nicht mehr so einfach verschwinden.
Wenn er sagt, dass es ihm leid tut, dann ist mir das einfach zu wenig. Denn er war erwachsen, hatte Verantwortung für uns und unsere Mutter. Und hat gewusst, wem er mit seinem Handeln weh tut, wenn es rauskommt. Hätte ich gesehen, dass er sich um unsere Mutter bemüht, die Beziehung würdig beendet hätte oder sich von seiner Affäre getrennt hätte, dann hätte ich wirklich nachvollziehen können, dass es ihm leid tut. Man will Taten sehen, nicht nur Worte hören.
Mein Vater hat auch seine spätere Ehe beendet, indem er seine damalige Frau mit seiner heutigen Partnerin betrogen hat. Wir tolerieren sie, da wir alle erwachsen sind und mein Vater tun kann, was er will, aber wir werden sie nie lieb gewinnen. An einem tieferen Verhältnis sind wir einfach nicht interessiert. Denn ihre Beziehung begann auf eine Weise, die so falsch war, dass sie für mich immer mit einem Gefühl von Misstrauen verbunden bleibt. Man kann nicht erwarten, dass andere einen Neuanfang einfach so akzeptieren, wenn der Weg dorthin so rücksichtslos war. Ich bin der Meinung, das eigene Glück legitimiert nicht, auf Kosten anderer zu handeln. Es gibt für mich auch einen sauberen Weg, sich zu trennen.
Ich würde dir raten, den Schmerz und die Grenzen deiner Kinder zu respektieren – ohne Druck, ohne Erwartung. Du kannst zeigen, dass du den Kontakt suchst, aber du solltest keine Nähe einfordern. Vertrauen kann man nicht verlangen, wenn man es selbst gebrochen hat. Und nur weil du heute bedauerst, was passiert ist, bedeutet das nicht, dass deine Kinder bereit sind, zu vergeben oder wieder Nähe zuzulassen.
Erwarte nicht, dass sie deinen neuen Partner akzeptieren oder Teil eures neuen Lebens werden wollen. Wenn sie es tun, ist es ihre Entscheidung – aber sie schulden dir keine Versöhnung. Vertrauen muss sich neu entwickeln, und das ist ein langer Prozess, wenn es überhaupt noch möglich ist. Du kannst nichts erzwingen. Du kannst nur zuhören, Verantwortung übernehmen und die Tür offen halten. Aber wie weit deine Kinder durch diese Tür gehen, liegt allein bei ihnen.
Ich wünsche dir alles Gute!
In erster Linie vielen Dank für deine Schilderung.
Ich bin erst ganz am Anfang in diesem Thread und habe zu dem, was hier noch kommt, keine Meinung.
Aus dem Anfangspost heraus probiere ich die Sicht deiner Kinder zu verstehen. Meine Eltern haben sich- da war ich wohl 13 oder 14- ich weiß es nicht ganz genau, auch nach einer (Emotionalen-)Affäre getrennt.
Die "schuldige" in diesem Fall war meine Mutter, aber rational gesehen konnte ich nicht sauer auf sie sein.
Meine Eltern kommen aus Osteuropa wo der katholische Glauben weit verbreitet ist. Eine Scheidung gilt heute noch als verpönt und die Familie sollte immer im Vordergrund stehen.
Daran hielt meine Mutter viel zu lange fälschlicherweise fest.
Ich erinnere mich, dass mein Vater meine Mutter im runtergezogen hat. "Wenn ich weg bin, wird aus Dir nichts". Meine Mutter war immer viel arbeiten, zum Teil mit zwei Jobs oder weit über die 40 Stunden hinaus. Trotzdem war in der Woche immer ein frisches Essen gekocht. Mein Vater arbeitete zwar auch, aber zuhause fand man ihn nur auf der Couch. Am Wochenende oder nach Feierabend war er mit seinem "elitären" Freundeskreis unterwegs.
Irgendwelche nichtsnutzigen Landsleute mit denen man Abends immer ein paar Bierchen trinken konnte.
Ich könnte noch einige Sachen mehr aufzählen. Das würde aber den Rahmen sprengen.
Nicht falsch verstehen, ich liebe meinen Vater und wir verstehen uns grundsätzlich gut. Aber es fällt mir schwer, dauerhaft in Kontakt mit ihm zu treten, da wir einfach zu verschieden sind und ich von seiner Art einfach schnell genervt bin. Ein Möchtegern-Familienoberhaupt der immer Recht hat. Er versteht bis heute die Trennung nicht und würde am liebsten weiterhin mit meiner Mutter verheiratet sein.
Für die Ruhe ist meine Mutter ihm immer aus dem Weg gegangen. Abends saß Sie mit uns alleine in der Küche um gemeinsam zu Essen oder für die Schule zu lernen.
Früher oder später passierte das, was dir passiert ist. Sie ist in eine (emotionale-)Affäre reingerutscht. Sie ist bis heute mit ihrer Affäre zusammen. Ich weiß es offiziell nicht, aber ich bin ja nicht blöd!

Nach der Trennung ist meine Mutter ein neuer Mensch geworden. Sie erkundet die Welt, hat sich den Traum von Eigenheim verwirklicht und besucht Museen, Konzerte und Theater.
All das wäre nicht möglich, wenn Sie weiterhin mit meinem Vater weiterhin verheiratet wäre. Stattdessen würde es nur im Sommer in die Heimat gehen und Sie würde die meiste Zeit einfach zuhause verfaulen. Quasi das Leben unserer Großeltern fortführen.
Ich will Affären jetzt nicht gutheißen. Ich weiß, dass meine Mutter es hätte auch damals anders beenden können. Aber aufgrund der genannten Tatsachen kann ich nicht sauer auf meine Mutter sein.
Je älter ich wurde, desto häufiger mehr habe ich das verstanden, was mein Vater ihr "angetan" hat. Diese rationale Sicht vermisste ich übrigens bei meinem Bruder.
Gib deinen Kinder Zeit. Aber erwarte nichts!