Zitat von Sommersonne1:Komisch, dass mir unterstellt wird, dass ich freudestrahlend die Familie verlassen habe. Die Kinder, habe ich bedenkenlos zurückgelassen und 30 Jahre mal eben so abgeharkt. Ich weiß nicht in was für einer Welt manche hier leben, meine ist eine andere
Es ist halt so viel einfacher, so zu denken.
Schwarz-weiß.
Gut-Böse.
Gewinner-Verlierer.
Das menschliche Gehirn funktioniert so, es sucht sich den einfachsten Weg, das ist effektiv und ressourcenschonend.
Das ist für viele User hier so, aber das wird Dir auch in Deinem Real Life begegnen. Dass eine finanziell und materiell abhängige Ehefrau und Mutter von drei Kindern nach 30 gemeinsamen Jahren diesen Schritt wagt und nochmal ganz neu startet, kommt nicht häufig vor. Das ist ein Schocker, nicht nur für Deinen Ex, sondern auch für Dein Umfeld und sicherlich auch für manche User hier. Hat man sich doch in Sicherheit gewiegt - mit drei Kindern, Haus, Hof und Hamster "wirft" man doch 30 gemeinsame Jahre nicht einfach so "weg". Und die Frau hat ja vorher nie was gesagt, also ist sicher immer alles bestens gewesen. Da kann ja nur ihr Neuer der Grund dafür sein, dass die plötzlich durchknallt und ihre Familie zerstört und die Kinder im Stich lässt. Da hat der Ehemann natürlich nie eine Chance gehabt. Und darf ihr jetzt noch den Neustart ins neue Liebes- und Lebensglück finanzieren.
*ironieoff*
Dass das alles viel komplexer und vielschichtiger ist, wird ausgeblendet. Dass für Dich ebenfalls ein Lebenstraum geplatzt ist, dass Du Dir Deine zweite Lebenshälfte auch anders erträumt hast, dass Du ebenfalls trauerst und unendlich Schuld auf Dich lädst, weil Du es warst, die letztlich die Verantwortung für das Ende der Ehe übernommen hast, dass es - erstmal - keine Gewinner, sondern nur Verlierer gibt - das will lieber keiner sehen. Dass Du Dich zuvor vielleicht schon Jahre gequält hast, vielleicht einfach nicht mit Deinem Ex um die Beziehung kämpfen
konntest, weil er seinen notwendigen Beitrag hierzu gar nicht leisten
konnte - das will lieber keiner in Betracht ziehen. Im Gegenteil, das wird hier sogar pauschal abgebügelt, das könne doch gar nicht sein, man hätte sich noch mehr anstrengen können, ein Jahr mehr oder so, warum sagst Du nicht, warum sagt eigentlich keiner ehrlich, wie es wirklich war (nämlich s.o.)? Dass vielleicht bis an Dein Lebensende Schuldgefühle an Dir nagen werden, weil Du Deinen Kindern die heile Familie genommen hast, weil Du es nicht gepackt hast, unfähig warst, Dich und Euch zum happily-ever-after durchzukämpfen - glaubt Dir eh keiner. Sind doch nur Lippenbekenntnisse. Du hast es ja nicht anders gewollt.
Herrlich einfach ist diese Denke, und man kann so wunderbar in den Schuldzuweisungen seine eigene Wut und Frustration unterbringen.
Versuch, diese Einwürfe zu ignorieren, Menschen, die so eindimensional denken und für alles ihre Schubladen haben, brauchst Du nicht an Deiner Seite. Bestimmt gibt es um Dich herum auch Menschen, die sich wirklich für Dich interessieren, Dir zuhören, ohne Dich gleich zu verurteilen. Zieh das Büßerhemd aus, sei authentisch und Du selbst, und gehe immer wieder auf Augenhöhe auf Deine Kinder zu. Dann wird das alles schon werden, da bin ich sicher.