Zitat von Sommersonne1:Hallo, ich habe nach über 30 Jahren meinen Mann verlassen. Die Trennung erfolgte nachdem ich einen anderen Mann kennengelernt hatte. Ich habe meinen Mann betrogen und ihn verlassen. Das ganze ist drei Jahre her. Mittlerweile sind wir geschieden. Wie alles angelaufen ist war natürlich nicht richtig und ich bereue es ...
Liebe @Sommersonne1 ,
Du fragst nach Geschichten, nach ähnlichen Erfahrungen, hier ist meine:
Ich war mit meinem Ex fast 25 Jahre zusammen, verheiratet, drei Kinder. Das Ende der Beziehung verlief ganz ähnlich wie bei Euch: ich verliebte mich fremd, nahm meine heftigen Gefühle als Alarmzeichen, fing erstmals an, die seit Jahren bestehende erkaltete und festgefahrene Situation anzusprechen, stieß jedoch nur auf Schweigen und Hilflosigkeit, fing dann eine Affäre an, in der ich meinen Ex betrog, sprach schließlich nach einem Monat die Trennung aus, und ab da gab es keinen Weg zurück. Ich zog aus in eine Mietwohnung ein paar Straßen weiter, weil ich meinen Ex nicht auch noch aus dem Haus drängen wollte (und langfristig ihn eh nicht hätte ausbezahlen können), die Kinder, damals 8, 11 und 13, pendelten von da an zwischen den beiden zu Hauses.
Der Unterschied ist, dass meine Kinder deutlich jünger waren als Deine und ich von Anfang an bei mir ein zweites Zuhause für sie eingerichtet habe, also immer noch sehr viel gemeinsame Zeit und Alltag mit ihnen hatte und habe. Natürlich hatten sie auch ganz andere Bedürfnisse, brauchten uns noch viel mehr im Alltag. Sie standen immer im Mittelpunkt des gesamten Trennungsprozesses, für mich genauso wie für meinen Ex, und wir haben es hinbekommen, gemeinsam Eltern und ein Stück weit auch Familie zu bleiben. Aber da lief auch nicht alles von Anfang an reibungslos, am Anfang der Trennung war ich auch ziemlich mit mir selbst beschäftigt, denn mit dem Mann, mit dem ich die Affäre hatte, gab es ein ziemliches Hin und Her: zunächst sagte er, er würde sich niemals trennen, daher hab ich mich und die Trennung von meinem Ex auch nicht von ihm abhängig gemacht, sondern bin davon ausgegangen, erstmal allein den Neustart bewältigen zu müssen. Nach zwei Monaten hat er sich dann aber plötzlich doch getrennt und unsere Beziehung offiziell gemacht - um dann nach weiteren zwei Monaten wieder zu seiner Frau zurückzugehen, was mich in fiesen Liebeskummer gestürzt hat. Das alles ist natürlich nicht geräuschlos an den Kindern vorbeigezogen, sie haben sicher mitbekommen, dass ich mental nicht voll und ganz bei ihnen war, vor allem in der Zeit nach der Trennung vom AM.
Ich habe folgendes beobachtet: je jünger das Kind, umso besser kam es mit der Trennung und den ganzen Veränderungen zurecht. Meine Große hat am meisten gelitten, aber auch am meisten mitbekommen. Sie weiß, dass es bereits in der Trennungszeit jemand anderen gab - aber keine Einzelheiten. Sie ist sehr, sehr verletzt durch die Trennung, für sie bin klar ich die Schuldige, sie wirft mir immer wieder vor, dass ich mich mehr bemühen hätte müssen. Es gab heftige Konflikte zwischen uns, zu Beginn des Wechselmodells, und dann nochmal, als ich vor einem Jahr meinen neuen Partner in mein Leben ließ. Die Konflikte haben sich wieder gegeben, aber sie akzeptiert ihn bis heute nicht, geht nicht zu (seltenen) gemeinsamen Unternehmungen mit, würde Veranstaltungen fernbleiben, wenn er auch käme. Wir sehen uns daher nur in der kinderfreien Zeit oder wenn meine Tochter ohnehin andere Pläne hat (die Jungs haben nichts gegen ihn bzw unternehmen gerne was mit ihm zusammen). Auf Familienfeste begleitet er mich (noch) nicht.
Was mir/uns sehr geholfen hat: Ich war mit meiner Tochter gemeinsam in einer Erziehungsberatung. Wir hatten ein paar Termine zusammen, aber auch Einzelgespräche. Und jede Auseinandersetzung, jeder Konflikt zwischen uns, die teilweise sehr wehtun, weil meine Tochter mir schonungslos alles an den Kopf wirft, bringt uns am Ende auch jedes Mal ein Stückchen weiter und einander näher. Sie will mich ihren Schmerz spüren lassen, ich soll genauso leiden wie sie und nicht glücklich sein mit meinem neuen Partner. Und sie hat die Trennung ihrer Eltern ohnmächtig hinnehmen müssen - die Situation jetzt, also darüber bestimmen zu können, wann und wohin mein Partner kommt, gibt ihr ein Stück Macht und Autonomie zurück. Ich versuche, ihren Schmerz nachzuempfinden und zu verstehen, ihr meinen Schmerz, den es ja auch gibt, zu vermitteln, dabei immer offen und aufrichtig zu sein und immer den Mut zu haben, auch die unangenehmen Dinge anzusprechen.
Und dann hilft natürlich: Zeit und ganz viel Geduld. Die Grenzen der Kinder akzeptieren und respektieren. Aber auch eigene Grenzen ziehen und wahren und authentisch sein. Ich verstehe Dich z.B. mit Deinem Geburtstag. Ich habe das genauso gehandhabt: ich habe gesagt, das ist mein Tag, den möchte ich genauso feiern wie ich will, mit allen meinen Lieben um mich herum. Dazu gehört meine Tochter genauso wie mein Freund, es gibt kein entweder oder. Ich wünsche mir, dass beide kommen, und dieser Wunsch ist legitim. Und wenn meine Tochter sich dann entscheidet, zu gehen, dann ist das ihre Entscheidung, die ich ohne Groll hinnehme und respektiere. Das habe ich klar so gefühlt und auch kommuniziert. Sie ist dann doch geblieben - was ihr einiges abverlangt hat, das weiß ich, aber ich würde es immer wieder so machen. Dafür nehme ich ihn bei Familienfesten nicht mit, er kommt nicht zu mir, wenn sie da ist, geht nicht mit in den Urlaub, da nehmen wir noch ganz viel Rücksicht.
Das klingt jetzt alles so nach Friede Freude Eierkuchen, aber ich bin manchmal trotzdem noch ziemlich verzweifelt. Ich bin manchmal auch ziemlich zerrissen zwischen den Kindern und meinem Partner, obwohl der sehr sehr verständnisvoll ist, aber ich möchte es immer gerne allen recht machen. Es ist manchmal ein schmaler Grad zwischen auch mal an sich denken und sich nicht völlig aufopfern (was völlig legitim ist) und empathielosem Egoismus. Ich habe auch immer Angst, dass die Beziehung bzw. die Bindung zwischen mir und meinen Kindern schlechter werden oder eines von ihnen dauerhaft traumatisiert sein könnte, ich fühle immer noch große Schuld auf mir, aber ich hoffe einfach, dass sich mit der Zeit alles immer mehr beruhigen und normalisieren wird. Da ist einfach ganz viel Trauer und Schmerz, und das braucht einfach Zeit, um zu heilen. Aber selbst, wenn es irgendwann eskalieren sollte, ein Kind sich entscheiden sollte, nicht mehr zu mir zu kommen oder den Kontakt abzubrechen: meine Tür wird immer offen stehen, ich werde nie locker lassen, und genau das rate ich Dir auch!