Zitat von paulaner:Natürlich gibt es das auch, wie du das von deinem Mann geschildert hast.
Aber es gibt eben auch das genaue Gegenteil davon. Nämlich dann, wenn der Fremdgeher kein oder kaum ein schlechtes Gewissen hat. Dann gibt es eben dieses Phänomen, dass die Hauptbeziehung von der Ausgeglichenheit des fremdgehenden Partners "profitiert".
Ich denke, niemand wird mit einem "Fremdgeh-Gen" geboren. Meine Ex war mir untreu, aber nachdem ich nun, zwar nicht durch sie, aber eine ihr sehr enge Freundin und Vertraute vieles in Erfahrung bringen konnte, warum mir das damals passiert ist und warum sie das tat. Ich will das jetzt nicht schönreden und die "Hauptbeziehung", also meine Ehe seinerzeit, wurde auch nicht besser, im Gegenteil meine Exfrau entfernte sich mehr und mehr, aber ich sehe jetzt auch hinter der Fassade. Dieser Einblick fehlte mir über Jahre und in dieser Zeit bin ich regelrecht verbrannt. Für mich waren dann die Hintergründe, warum meine Dame fremdelte und mich verließ, dann tatsächlich ein großes Stück nachvollziehbar. Vielleicht hätte man die Ehe retten können, sie hätte sich öffnen können, hätte hätte hätte. Hat sie aber nicht, weil sie nicht
konnte!
Heute nun, mit einigen Jahren Abstand, kann ich das ganze differenzierter sehen. Manche Situationen in einer Partnerschaft sind nicht sehr individuell, sondern teils auch, ich nenne es mal, extrem. In meinem Fall war der Hintergrund der Background, den meine Ex Jahre zuvor hatte, bevor sie mich kennenlernte. Erst da kam sie zur Ruhe, äußerlich. Innerlich wütete ein Vulkan, der dann ausbrach, als es möglich war- leider war ich da ihr Mann, es hätte jeden treffen können. Meine Ex hatte, als sie mich mit dem neuen Mann betrog und verließ, auch kein schlechtes Gewissen, weil sie fürchtete, wenn wir zusammen bleiben, wird es mein Unglück, weil sie bereits unglücklich war. Nicht durch mich, aber ich war ihr keine Hilfe, keine dauerhafte Möglichkeit. Sie liebte mich noch, das sagte sie auch bei ihrem Auszug, aber er (der Neue) brauche sie mehr als ich. Sie wollte aber eigentlich auch sagen: Ich brauche sie weniger als er sie. Das ganze klingt vielleicht strange, aber mir ist ja mein eigener Hintergrund bekannt. Darum verstehe ich es - jetzt.
Früher schwang ich die Hasskeule, der Ofen wurde befeuert mit bi...ches, ihr wisst schon. Weil ich unwissend war. Hätte ich das, was ich jetzt erfuhr, damals oder zumindest deutlich eher gewusst, wäre meine Verarbeitung wohl schneller und effektiver verlaufen. Das ist das einzige, was ich meiner Ex vehement vorwerfen kann. Darum finde ich es persönlich besser, wenn man schon verlassen wird, den oder die Gründe zu benennen. Ob dann ein Seitensprung oder eine Affäre gebeichtet werden sollte - mein moralischer Codex in mir sagt ja, mein mittlerweile an Erfahrung gewonnenes Wissen sagt vielleicht oder auch mal nein -.
Es ist immer ne individuelle Sache. Ich finde nur, um Bezug zum Thema herzustellen, falls die Beziehung der TE enden sollte, wäre es gut, wenn der Partner wenigstens die Gründe für das Beziehungsende erfährt.
Just my opinion.
