Hallo @bifi07 , ich wollte dir auch mal meine Gedanken dazu dalassen, weil ich deine Reaktion gut nachvollziehen kann, auch wenn ich selbst ein bisschen anders ticke. Ich bin seit elf Jahren getrennt und meine Ex-Frau ist mit dem damaligen Trennungsgrund zusammen. Wenn ich mir vorstelle, die beiden würden heiraten, würde mich das persönlich vermutlich nicht berühren. Zumindest glaube ich das. Was mich eher beschäftigen würde, wären unsere Kinder und wie sie das erleben. Vielleicht macht man sich da auch mehr Gedanken als nötig, aber als Elternteil schaut man eben automatisch nochmal aus einer anderen Perspektive drauf.
Was den Kontakt angeht, erlebe ich es bei mir so, dass meine Ex mich eher meidet. Kein Gruß zum Geburtstag, kaum Blickkontakt, eher Distanz. Trotzdem finde ich ein Mindestmaß an Kontakt wichtig – allein wegen der Kinder. Es gibt gemeinsame Feste, Familienfeiern, vielleicht irgendwann Hochzeiten oder andere Anlässe. Da finde ich es völlig ausreichend und auch sinnvoll, wenn man höflich Smalltalk führen kann oder sich zumindest respektvoll begegnet. Mehr braucht es aus meiner Sicht nicht. Wenn wir keine Kinder hätten, gäbe es vermutlich gar keine Berührungspunkte mehr. Und ehrlich gesagt: Vorbei ist vorbei. Wenn ein Mensch einem viel Leid zugefügt hat, muss man sich nicht enger zusammentun, als es nötig ist.
In deinem Fall ist es natürlich besonders, weil es die Frau ist, mit der er dich damals betrogen hat. Das setzt einen anderen emotionalen Punkt. Dass dich das sticht, heißt für mich nicht, dass du ihn zurückwillst oder unglücklich bist. Es heißt nur, dass da eine alte Verletzung berührt wurde. Wir haben alle einmal geheiratet, weil wir überzeugt waren, mit diesem Menschen unser Leben zu verbringen. Das war ja unser ursprünglicher Wunsch. Dass daraus nichts geworden ist, ändert nichts daran, dass es diese Hoffnung einmal gab. Darüber kann man offen sprechen, ohne dass der jetzige Partner „zweite Wahl“ ist.
Ich kann mit meiner Partnerin über solche Themen reden, und das tut gut. Nicht, weil noch romantische Gefühle zur Ex da wären, sondern weil es ehrlich ist. Es gibt immer Gefühle in Bezug auf einen Ex-Partner – nur eben andere. Bei mir ist es zum Beispiel so, dass ich möchte, dass es meiner Ex gut geht, weil sie die Mutter meiner Kinder ist. Wenn es ihr schlecht geht, betrifft das automatisch auch die Kinder. Das sind auch Gefühle, nur keine partnerschaftlichen mehr. Und ja, wenn ich erfahren würde, dass sie schwer krank ist, würde mich das treffen. Das heißt aber nicht, dass ich mir die Beziehung zurückwünsche.
Deshalb glaube ich, dass dein Stich etwas ganz Menschliches ist. Vielleicht war es einfach ein Moment, in dem alte Erinnerungen kurz hochkamen. Ich vermute, das wird wieder gehen und dich nicht lange beschäftigen. Wenn du merkst, dass es dich doch mehr bewegt, würde ich dir empfehlen, mit deinem jetzigen Partner darüber zu sprechen, falls du das nicht ohnehin schon tust. Es ist gut, jemanden an der Seite zu haben, der weiß, was gerade in einem vorgeht. Und was den Kontakt zu deinem Ex betrifft: Wenn sich für dich Rückzug richtig anfühlt, dann ist das ein legitimer Weg. Wir Menschen sind unterschiedlich, und jeder darf damit so umgehen, wie es sich stimmig anfühlt.