Lieber Armin,
Die Denkweise ist hier schon völlig falsch, denn Fehler kann man nicht rückgängig machen. Man kann sie nicht einfach "löschen" oder "wiedergutmachen". Man kann aber aus Fehlern lernen und versuchen, zukünftig ähnliche Fehler zu vermeiden. Da die Ratschläge bisher nicht so wirklich angekommen sind und vielleicht etwas belehrend auf dich wirken, will ich es mal mit meiner persönlichen Geschichte versuchen.
Ich bin 84er-Baujahr, meine Ex und wir waren 17 Jahre zusammen, 2 Kinder, gemeinsame Pläne, viel zusammen erlebt. Mit Anfang/Mitte 30 hatte ich hier und dort Probleme im Leben, die ich vorher nie hatte und rutschte in eine Depressionen (auch wenn ich diese nicht als solche erkannte). Ich war passiv, wirkte desinteressiert, kraftlos, komplett verändert, nicht mehr der lustige energetische Mann, der ich einst war, wir lebten uns auseinander, es war quasi wie eine WG. Ich verlor das Interesse an ihr und an meinem Leben grundsätzlich und merke das vor lauter Alltag nicht, ich ging ja trotzdem zur Arbeit und funktionierte irgendwie.
Meine Ex machte mir 2019 Schluss, da wir keinerlei großen Streit hatten und sie wirklich Interesse daran hatte, das es mir halbwegs gut geht, blieben wir noch viel zu lange zusammen wohnen, Corona und die Wohnungssuche spielte dabei auch eine Rolle. Letztendlich wohnten wir bis 2023 noch zusammen unter einem Dach. Ab Anfang 2022 ging ich in Therapie, erst stationär, dann teilstationär, dann ambulant. Meine Ex war also quasi "live" bei meiner Weiterentwicklung dabei. Auch hatte ich mir nichts in Form von Alk., Fremdgehen oder dergleichen zu Schulden kommen lassen.
Meine Anziehung war halt gleich 0, mein Frame ebenfalls, ich wirkte so als ob es das für mich im Leben schon war. Innerlich wollte ich das nie, aber ich kam damals gegen meine Dämonen nicht an.
Ob es wirklich eine Chance für mich gegeben hätte, wenn wir nicht mehr zusammen gewohnt hätten, kann ich nicht sagen, meine Ex war mir gegenüber durchaus wohlwollend, sie hat lange gehadert, hat wirklich viel Geduld mit mir gehabt, aber so etwas kann man nicht erzwingen.
Was ich aber definitiv sagen kann, die Chance wäre durchaus größer gewesen, wenn wir ab Tag 1 der Trennung wirklich auch räumlich getrennt gewesen wären. Wenn ich könnte, würde ich das heute so machen und ich denke, dann wäre noch eine minimale Chance für uns da gewesen.
Jeder komplett sein eigenes Leben aufbaut usw. diese Zeit zusammen nach der Trennung hat meine Anziehung, die eh weg war, nochmal in den Minusbereich sinken lassen. Am Anfang habe ich auch versucht ihr zu zeigen, dass ich sie liebe, dass ich meine Kinder liebe, dass die Depression das aus mir gemacht hat. Ihr berichtet was gerade in der Therapie läuft, wie ich mich dort reinhänge. Das hat alles nur noch schlimmer gemacht, dieses gezwungene Versuchen etwas zu beweisen, der fehlende Abstand um mal nach Monaten überrascht zu werden "Wow der hat sich ja verändert", vor allem auch mal aus dem Nichts ohne das es gespielt wirkt. Verstehe mich nicht falsch, ich weiß, dass du deiner Frau nicht vorspielst das du etwas an dir ändern möchtest, aber dennoch wird jede Art das zu zeigen für sie wie ein Theaterspiel vorkommen, es ist in dieser Konstellation überhaupt nicht möglich, glaubhafte Veränderung zu zeigen.
Ich fürchte ohnehin das aufgrund er Vorgeschichte ohnehin nur geringe Chancen auf eine weitere Zeit zu Zweit da waren, aber dein Handeln nach er Trennung dürfte möglicherweise noch viel Schlimmeres erwirkt haben als die Zeit vor der Trennung. Glaube mir, diese Wochen und Monate wo man seiner Frau auf den Geist geht, weil man es ihr ja unbedingt beweisen. Wie soll deine Frau diesen creepy Art jemals aus ihrem Kopf bekommen und wieder Lust auf dich haben? Sowas ist keine rationale Entscheidung, hier geht es um Anziehung.
Es gibt in dieser Konstellation keine Möglichkeit Bonuspunkte zu sammeln, das ist nicht wie in der Schule, der einzige Weg ist die Trennung zu akzeptieren, Ruhe zu geben, nur noch auf Elternebene zu kommunizieren. Man kann sicherlich Dinge an der Red Pill kritisch sehen, aber es ist einfach Fakt das die einzige Chance nochmal sowas wie Anziehung zwischen euch herzustellen, wenn ihr getrennte Wege geht. Wir haben vielleicht zu Hause bei Mama gelernt, das wir was Gutes bekommen, wenn wir uns Mühe geben und auch viele Filme zeigen solchen Blödsinn wo um die Liebe gekämpft wird, so funktioniert aber die Realität nicht und in den wenigen Fällen wo es funktioniert, kann das eigentlich nur eine Katastrophe sein, weil sich eine Person dann nur umentscheiden, weil sie vielleicht einen Mangel hat, nicht alleine sein kann usw.
Da du immer daran zweifelst, ob getrennte Wege der einzige Weg zurück sind, höre dir bitte das hier an:
Sage deiner Frau das du sie noch liebst und dich dementsprechend in den letzten Monaten in eine Situation verrannt hast in der die Dinge sie gekommen sind, wie sie gekommen sind und dann akzeptiere die Trennung und gehe endgültig, beendet alles Organisatorische und dann nur noch Kontakt, wenn es um die Kinder geht.
Zum Thema Therapie noch ein Nachtrag, Tiefenpsychologie und das Erfahren wo man seine "Defizite" herhat ist spannend, aber nur der erste kleine Schritt und man sollte diesen möglichst schnell übergehen, denn sonst neigt man dazu in eine Opferrolle zu verfallen "Ich bin ja heute so, weil dieses und jenes in meiner Kindheit …" – ist für Schritt 1 eine gute Erkenntnis, aber halt keine Universalausrede, viel wichtiger und schwerer ist es dauerhaft das Verhalten zu ändern. Ich kann dir hier insbesondere in deiner Lage eine Akzeptanz- und Commitmenttherapie (kurz ACT) ans Herz legen. Dort wird auf den Prüfstand gestellt, was sind deine Glaubenssätze, wer bis du, was erwartest du vom Leben, was sind einem Ziele, was musst du dafür tun, wo stehst du da aktuell in den verschiedenen Bereichen und das hilft sehr weiter sein Leben auf Kurs zu bekommen.
Ich hoffe, durch meine persönliche Geschichte kann ich dir etwas die Augen öffnen. Auf Elternebene funktionieren meine Ex und ich übrigens wunderbarer, die Kinder haben noch immer eine intakte Familie und beide Eltern sind für sie gleichwertig da, wir ziehen auch getrennt als Familie an einem Strang. Gibt es in mir den Wunsch, dass ich wieder mit meiner Ex näher zusammen kommen würde? Ja, der wird immer ein wenig da sein, aber es ist keine Obsession und daran denke ich nicht ständig, aber natürlich kommt der Gedanke was das noch immer für eine tolle Frau ist, wenn wir uns mal sehen, aber auch das kann man lernen zu akzeptieren das solche Gedanken halt normal sind, sofern sie nicht überhandnehmen und dein Leben bestimmen.