Zitat von Cinderella01:Das heisst im Umkehrschluss, das ich die volle Verantwortung trage und der Partner ok ist, wie er sich verhält?
Nein. Das heisst nur, dass sein Verhalten Deine alten Muster triggert.
Und Du so reagierst, wie Du als Kind reagiert hast: beide Hände am anderen festkrampfen. Nur bloss ja nicht loslassen.
DAS ist Dein Part.
Das Gute ist, dass sich das heilen lässt.
Kinder beziehen alles auf sich.
-Mama geht,
-ich bin alleine,
-das ist bedrohlich, (für ein Menschenjunges bis zum Alter von ca 3 Jahren sogar lebensbedrohlich, da es ohne Versorger sterben würde)
-ich hab was falsch gemacht
-Mama muss wieder her
-wasmachichblosswasmachichbloss? (Völlige Panik, große Angst)
-"Verhalten zum Herbeirufen von Mama" (weinen, schreien, rufen/ Liebkindmachen, besonders brav sein/ hinterherlaufen und um Meinungsänderung betteln)
-festklammern, wenn Mama wieder da.
Der Punkt ist: es ist zeitlich asynchrones Verhalten.
Wir sind heute erwachsen. Und verhalten uns wie dreijährige verlassene Kinder.
Was wir heute aber nicht sind. Uns fehlt genau an diesem Punkt ein erwachsenes Verhaltensmuster.
Weil wir in diesem Moment .... Kinder sind... immer wieder. Bananenschale. Man tritt drauf und .....sssst...bämm....ist 3 Jahre alt. Nicht mehr rational handlungsfähig.
Eine Therapiemöglichkeit wäre, zu sehen und zu erfahren, dass wir Frieden mit dem Kind im damaligen Defizit bekommen.
Ich zum Beispiel habe einen ganz bestimmten "Film" im Kopf. Der aus eigenen Bildern besteht. Aber auch auf einem Fetzen Familienlegende.
Beim Durchgucken der Alben meines Vaters ist mir aufgefallen, dass die Legende falsch sein muss. Im Bezug auf Zeitbezug und Sachhintergrund.
Man hat mir erzählt, meine Mutter habe, in dem Jahr, bevor ich drei wurde, anlässlich einer Taufe bei meiner weiter entfernt lebenden Tante im Sommer meinen Vater verlassen, mich bei meiner Tante geparkt, um von der Stadt aus Job, Wohnung und Kindergartenplatz zu organisieren. Das hätte 1968 sein müssen. Kausalzusammenhang: ich sei noch nicht alt genug für den KiGa gewesen. (3).
Jetzt hab ich aber festgestgestellt: falsch. 1968 war bei meinen Eltern noch alles Paletti. Und ich bis weit nach Weihnachten super glücklich im Elternhaus. Und meine Eltern zusammen.
Spannend. Das macht es leichter, meine eigenen Bilder zu hinterfragen.
Ich habe ein anderes Bild, da besteigt sie einen Bus, den ich wegfahren sehe. Ein typisches Bild von Verlassenwerden. Der Bus fährt weg. Sie ist weg. Entsetzliches Verlustgefühl.
Lange konnte ich das andere Bild dazu nicht finden: das, wo sie mit dem Bus zurück kommt, mich in den Arm nimmt und hochhebt und drückt.
Unser eigenes Verhaltenskino blendet das aus.
Die gute Nachricht ist: wenn doch...
....unser Gehirn unsere inneren Filme unbewusst zurechtschneidet, bis sie zu bestimmten Panikgefühlen passen...
.... dann haben wir die Chance, als Erwachsene, diese Filme zu reparieren.
Oder so zu "bearbeiten", dass Verluste uns nicht mehr lebensbedrohlich erscheinen.