Guten Abend Fidschicat,
Hatte erst heute mal wieder Gelegenheit hier hinein zu schauen und wollte wissen, was sich so getan hat und wie es Dir geht.
Zitat von Fidschicat:Er brauch Ruhe und Stabilität. Gebau wie ich. Und ich denke und hoffe, dass er dann irgendwann vielleicht doch nochmal mit mir redet.
Aber eher unwahrscheinlich denn für ihn ist alles gesagt wenngleich er nicht viel gesagt hat und ich viele Fragen.
Ich glaube Dir, daß Du viele Fragen hast, Ich verstehe nur noch, woher Du die Gewissheit nimmst, daß er sie Dir beantworten könnte?
Eurem endgültigen Abschied ist doch eine Wohnwagenzeit vorangegangen. Eine Zeit mit viel, viel Streit, hohen emotionslosen, Annäherungen und Ablehnungen, Gesprächen und Tränen. All die antworten, so weit er diese eben gehabt hat, hat er Dir gegeben, er hat keine mehr für Dich. Du scheinst Dir vorzustellen, daß er einfach nicht mehr antworten möchte, aber was wäre, wenn es sich für ihn so anfühlt, als könnte er nicht?
Für mich schaut es so aus, als würde Deine Grundannahme auf zwei Fehlvorstellungen basieren:
1) dass Fragen immer Antworten nach sich ziehen. Daß es auf jede Frage immer eine Antwort gibt und
2) dass er es ist, der diese Antworten hat.
Also 1) stimmt ja nicht. Es fängt ja schon mit ganz einfachen alltäglichen Fragen an, warum muß der Bus ausgerechnet heute zu spät kommen? Und geht hin bis zu diesen unendlich schmerzhaften, extrem existenziellen Fragen wie, warum mein Kind, warum mein Mann oder warum ich?
Leben ist und bleibt immer auch Chaos. Es liegt in unserer Natur dennoch Antworten vermeintlich zu brauchen, manchen hilft Religion, anderen Spiritualität und wieder anderen die Hasenpfote in der Hosentasche als Glücksbringer. Weißt Du warum wir diese Antworten brauchen? Weil sie uns das Gefühl von Beherrschbarkeit zurückgeben. Wir verwechseln Chaos mit Willkür.
Also ersten, es gibt Fragen, auf die gibt es keine Antworten.
Nun mag das natürlich in deinem Fall nicht so sein, es ist möglich, daß es auf Deine Fragen Antworten gibt. Nur: er hat die antworten nicht. Wenn wir mal unterstellen, daß das stimmt und come on, nachdem Du ihn so bedrängt und immer wieder bedrängt hast, st schon davon auszugehen, daß er, so er sie hätte, Dir gegeben hätte, dann wäre es doch eigentlich viel wahrscheinlicher, daß Deine Fragen auch nur mittels Deinen Antworten beantwortet werden können.
Du suchst einfach an der falschen Stelle.
Zitat von Fidschicat:jetzt mal doof gefragt:
wie kann es sich jemals besser anfühlen, dass der Mensch, den ich leider immer noch liebe und das mehr als mein halbes Leben getan habe, mich komplett ausradiert?
So als würde ich nicht existieren oder existiert haben
Spannender Ansatz. Es ist doch aber so, daß Du existierst. Allein der endlose Schmerz, den Du verspürst, bedeutet ja schon, daß Du gerade jetzt in diesem Moment nicht nur existierst sondern leidvoll existierst. Du existierst und niemand (außer Du selbst) kann Deine Existenz ausradieren.
Im Grunde ist es vergleichbar mit diesem, ich bin einfach ersetzt worden. Meine Perspektive auf solche Aussagen ist eine leicht schräg andere: Mal angenommen, die neue Lebenspartnerin, das neue Modell gegen das man vermeintlich ausgetauscht wurde, wäre ein 10 Jahre älter, 20kg schwerer und ne komplette Heulsuse. Wie wäre das dann, man wäre unendlich enttäuscht, extrem empört, aber würde es sich noch immer als Austausch anfühlen?
Wie gesagt, wir würden dann andere Empfindungen verspüren, Du würdest Sätze im Forum schreiben, wie, wie kann er bloß nach mir, so etwas haben? Verletzung, Empörung und Schmerz wären noch immer da, aber die Nebelbomben der Bewertung würden sich verändern.
Versuch zu verstehen, daß das Gefühl ausradiert worden zu sein, ausgetauscht worden zu sein, im Gegensatz zum Schmerz, der ist nämlich gnadenlos (!) echt, durchaus beliebig sind. Du redest Dir ein, daß du durch die neue ausradiert wirst, vergisst aber, was es eigentlich bedeuten würde, wenn er all das jetzt genauso tun, genauso sagen würde und es gäbe keine neue. Nichts würde etwas an seinem Entschluss ändern, das Ausmaß des Kopfkinos wäre genau das geliehene, nur der Film ein anderer.
Zitat von Fidschicat:und ja, ich hab zunächst bei solch einem verlust verdrängt und denke nun, nach langer zeit, gerne an diese Menschen.
Das schottische Teetäschen, hat ein Beispiel angeführt, was Du nach dem Lesen meiner Geschichte, auch von mir bekommen hättest. Weißt Du warum, weil das eigentliche Thema nicht Austausch oder Radiergummis dieser Welt lautet, sondern das Thema heißt:
VERLUST.
Es ist Deine erste große Verlusterfahrung, bei der Verdrängung eben nicht funktioniert. Weil das nicht Funktionieren kann. Wir alle müssen uns früher oder später eben auch mit dem Tod auseinandersetzen. So lange ein solcher Abschied nur die Peripherie unseres Alltags aber eben nicht unsere Existenz betrifft, ist Verdrängung durchaus Möglichkeit. Nur ein solcher Weg funktioniert dann eben nicht mehr, wenn das passiert, was man uns im Physikunterricht im ersten Jahr zeigt. Ein Körper mit einer gewissen Masse in ein Becken voll Wasser getaucht verdrängt eben dieses. Wenn also Dein Leben voll genug ist, dann kann es Wasser verdrängen. Das ist es aber im Moment nicht und deshalb, hast Du keinen Körper mehr der verdrängen kann.
Jetzt willst Du natürlich wissen, wie man an einen solchen Körper herankommt, wie das geht und was helfen kann.
Im Grunde bist Du auf der richtigen Spur. Antworten auf Deine Fragen sind ein guter Anfang, es gilt nur zu verstehen, daß es Deine sein müssen. Du klopfst einfach nur an die falsche Tür.
Mach Dich auf den Weg, Deine Antworten zu finden, dann wäschst der Körper der das Wasser verdrängt von ganz allein.
Praxistipp: was war die letzte Band, die Du gehört hast, bevor Du ihn kennenlerntest?