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Frauen ab 40+, 50+, 60+ werden nur alt?

Arella
Zitat von Malatesta:
Die treuseligen Frommen, die sich demütig mit der Freudlosigkeit abgefunden haben, dürfen auf die Erlösung im Himmel hoffen - das ideelle Geschäftsgeheimis der Kirche.

👍
Zitat von Malatesta:
Wenn die Klügeren im Angesicht des Elends ihre Intelligenz nicht benutzen, stellen sie sich reichlich dumm an.


Im Grunde ist wohl jeder auf seinem eigenen Level - unwissend. Wer drüber steht kann sich dann immer diese Frage stellen. Und über einem selbst steht ein "schlauerer" Mensch, der sich das wiederum über den im Level darunter, fragt.
Im Grunde müßig, aber ich hab immer mal wider solche Anwandlungen.
Denn lebend kommt hier keiner raus.

x 1 #106


Malatesta
@Arella
Zitat:
Im Grunde ist wohl jeder auf seinem eigenen Level - unwissend

Das ist wohl wahr und es wäre fahrlässig, die beschränkte Grenze der eigenen Erkenntnisfähigkeit zu leugnen.

Der defaitistische Grundton deiner philosophisch anklingenen Betrachtung des irdischen Elends, aus dem es kein Entrinnen gibt, erinnert mich an die Lektüre von Jean Paul Sartre`s existenzialistischen Werks "Der Ekel", das von der Absurdität der Sinnlosigkeit des menschlichen Daseins handelt.
Die Stimmungslage der Resignation und das Gefühl der Vergeblichkeit sind mir durchaus vertraut.

Für eine Recherche über Alzheimer war ich mal eine Woche in einem Pflegeheim für dementielle Patienten, in Wasserburg am Inn. Es gab in dem Haus einen Bewohner, der mich nachhaltig beeindruckt hat. Ein ältere Herr, der scheinbar alles vergessen hatte, sein ganzes 70 Jahre altes Leben. Einmal haben ihn einige Familienangehörige aus drei Generationen besucht. Weder hat er seine Frau noch seine Tochter erkannt, doch seine Enkelin kannte er nicht nur mit Namen, er konnte sie sogar auf Jahre zurück liegende Begegenheiten ansprechen, als seien sie gestern passiert, überdies sprühte er vor Freude, sie zu sehen, während er beim Anblick seiner Frau und Tochter keine emotionale Reaktion zeigte.
Ein Forscher auf dem Gebiet der Demenz erklärte mir die Beobachtung mit dem Verlust der Funktionalität, meist nach dem Eintritt in den Ruhestand. Was jedoch stattdesssen wieder zum Vorschein kommt, sind starke emotionale Erlebnisse aus der Vergangenheit. Solche hatte er wohl nur mit der Enkelin. Hätte er seine Frau innig geliebt, wäre ihm wohl auch ihr Name eingefallen, so blieb sie die Fremde, die sie wahrscheinlich im Eheleben bereits gewesen ist.

Was mich fasziniert hat, war sein ruhiges Gemüt im seiligen Zustand des großen Vergessen. Sein Gedächtnis hat den Ballast des funktionalen Lebens einfach ausgelagert, als habe die Routine von Ehe und Beruf nicht die geringste Bedeutung gehabt. Er wirkte auf seine entrückte Art glücklich.

Vielleicht sollten wir uns diesen Gemütszustand zum anstrebenswerten Ideal machen?

x 1 #107


A


Frauen ab 40+, 50+, 60+ werden nur alt?

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Arella
Zitat von Malatesta:
Vielleicht sollten wir uns diesen Gemütszustand zum anstrebenswerten Ideal machen?


Interessante Überlegung. Lachendes Gesicht
Stell dir vor, du würdest etwas in der Zukunft erfahren, dir würde etwas widerfahren, was keine Option wäre, sondern eine Tatsache.
Du oder wir alle, würden mit 70 alles vergessen. Und es wäre unabänderlich. Und eine uns bekannte Tatsache, ein Fakt am Ende es menschlichen Lebens.

Wäre es ein Fluch?
Oder ein Segen?
Eine trostlose Aussicht?
Oder ein Geschenk?


Ich tendiere zum Geschenk.

Andere mögen zur Depression tendieren.
Denn wenn alles sinnlos ins Vergessen führt, wozu dann überhaupt beginnen?

Anders wäre die Betrachtung dieses Faktes, als ein Geschenk.

Denn wenn alles Schnee sein wird,
wäre es dann nicht sinnvoller, mit mehr Energie und viel intensiver zu leben?

Was denkst du?
Fluch oder Segen?

x 1 #108


ElGatoRojo
Zitat von Arella:
Denn wenn alles sinnlos ins Vergessen führt, wozu dann überhaupt beginnen?

Wobei 70 eine ziemlich zufällig gesetzte Grenze ist. "Intensiver" zu leben ist eigentlich nicht nur angesichts eines möglichen Vergessens bedenkenswert, sondern generell, da wir in dieser Welt nicht endlos sind und der Glauben an eine spätere Welt ziemlich dünn geworden ist.

Solange "intensiver" leben nicht kriminell oder asozial wird ........... 😇

x 1 #109


Malatesta
@Arella
Zitat:
Was denkst du?
Fluch oder Segen?


Ein überaus spannender, um nicht zusagen, verflucht tückischer Gedankengang, den du angestellt hast!
Gib mir eine Nacht Zeit, ich muß mich zur inneren Beratung zurück ziehen. Die Abwägung ist zu ernst, als daß ich sie in einem Schnellschuß treffen könnte. Die Antwort will gründlich überlegt sein.

Beim Morgenkaffee, spätestens 9:00 Uhr, gebe ich dir eine Antwort.

x 1 #110


Arella
Zitat von Malatesta:
Ein überaus spannender, um nicht zusagen, verflucht tückischer Gedankengang, den du angestellt hast!


Ich war gerade heiß duschen. Manche singen dort.
Ich stelle anscheinend philosophische Fragen am mich selbst.

Zitat von Malatesta:
Was mich fasziniert hat, war sein ruhiges Gemüt im seiligen Zustand des großen Vergessen. Sein Gedächtnis hat den Ballast des funktionalen Lebens einfach ausgelagert, als habe die Routine von Ehe und Beruf nicht die geringste Bedeutung gehabt. Er wirkte auf seine entrückte Art glücklich.

Also das hat mich zum Nachdenken angeregt.
Bedenke mal, es wäre so, wie du es vermutest. Was diesen Senior betrifft.
Und wir würden alles oder alle vergessen, die wir nicht als tragend, emotional tief verbunden, ehrlich und wahr, also echt in der Beziehung zu uns selbst empfinden würden.

Einfach gesprochen, faule Kompromisse werden vergessen.


Wie viele Menschen, wie viele Erinnerungen würden uns bleiben?

Zitat von Malatesta:
Gib mir eine Nacht Zeit, ich muß mich zur inneren Beratung zurück ziehen.

Gerne doch.

#111


alleswirdbesser
Zitat von Arella:
Interessante Überlegung. Lachendes Gesicht Stell dir vor, du würdest etwas in der Zukunft erfahren, dir würde etwas widerfahren, was keine Option wäre, sondern ...

In GoT bedeutete das Vergessen den Tod. Schaue es mir gerade zum zweiten Mal an und war am Wochenende genau an der Stelle.

x 1 #112


Arella
Zitat von ElGatoRojo:
Wobei 70 eine ziemlich zufällig gesetzte Grenze ist. "Intensiver" zu leben ist eigentlich nicht nur angesichts eines möglichen Vergessens bedenkenswert, sondern generell, da wir in dieser Welt nicht endlos sind und der Glauben an eine spätere Welt ziemlich dünn geworden ist.

Im Grunde die ewige Frage der Philosophie. Ein Kernthema. Wieder und wieder. An verschiedenen Phasen unseres Lebens. Sehe ich auch so.


Zitat von ElGatoRojo:
Solange "intensiver" leben nicht kriminell oder asozial wird ...........

Ja, wie immer eine Frage der Entscheidung.

Teufel und Engel auf unserer Schulter.

Ach Mensch, jetzt muss ich gerade so lachen.
Es erinnert ich an:
Ab Minute 1.13

x 1 #113


Malatesta
@Arella
Zitat:
Du oder wir alle, würden mit 70 alles vergessen. Und es wäre unabänderlich. Und eine uns bekannte Tatsache, ein Fakt am Ende es menschlichen Lebens.

Wäre es ein Fluch?
Oder ein Segen?
Eine trostlose Aussicht?
Oder ein Geschenk?

Die Überlegung ging jetzt doch schneller.

Ich würde die unabänderlich bekannte Tatsache, die in der Zukunft liegt und mit dem Gedächtnisverlust zusammenfällt, ganz klar als Fluch empfinden, keinesfalls als trostlose Aussicht. Denn ich vermag der datierten Auslöschung der Erinnerung mit Realitätssinn begegnen und mich rational mit dem Gedanken trösten, daß mit dem Tod in einem höheren Alter als 70 Jahre das Gedächtnis ja auch ausgelöscht wird. Es macht also nur einen Unterschied von einigen Jahren.

Wenn plötzlich von einer Sekunde auf die andere die Erinnerung weg ist, wüßte ich in der nächsten Sekunde schon nicht mehr, daß ich es vorher bereits gewußt habe, also versuche ich bis dahin auch nicht an das Ereignis zu denken oder es zu fürchten. Wenn es passiert, ist das Bewußtsein weg und für den Rest meines Lebens wäre ich bloß ein bewußtloser Krüppel ohne Vergangenheit.

Der 70-jährige Senior mit Alzheimer im Demenzheim schaut den ganzen Tag trübsinnig ins Leere und lächelt manchmal. Wahrscheinlich immer dann, wenn in der geistigen Umnachtung noch eine rührseilige Erinnerung aufflackert. Wir wissen aber nicht, was wirklich in ihm vorgeht. Sein Empfinden im Gemütsstillstand des Vergessen muß ja nicht unangenehm sein. Womöglich ist er grundlos von einem Wohlbefinden erfüllt, das uns permanente Grübelhirne nur belastet.

Im Hier und Heute leben, unbeschwert in der Jetztzeit aufgehen, wäre die Erfüllung des Glücks mit oder ohne Gedächtnis.
Wer das kann, braucht die Erinnerung an die Lebensgeschichte nicht und kann sie auch bewußt vergessen.

x 1 #114


Arella
Zitat von Malatesta:
Sein Empfinden im Gemütsstillstand des Vergessen muß ja nicht unangenehm sein. Womöglich ist er grundlos von einem Wohlbefinden erfüllt, das uns permanente Grübelhirne dauerhaf belastet.

Schöne Vision! Nehme ich! 🤩

Wir sollten schon für eine Ausgleich sorgen. Man muss nicht unbedingt auf der Theke tanzen, aber vor dem Ableben auf jeden Fall neben dem Grübeln auch Zeit für Spaß und Blödsinn freilassen.
Vielleicht mag ich Otto deshalb so gern.

Ganz groß im Blödeln.


(naja, auf der Theke hab ich auch ganz gern getanzt) 😎

#115


Malatesta
@Arella

Otto Walkes finde ich auch lustig, der Sketch hat mir gefallen!

Selbstredend gebe ich recht, was wäre das Leben ohne unbeschwerten Frohsinn auch für eine trübselige Veranstaltung.

#116


Malatesta
@Arella



mein Humorgeschmack

x 2 #117


Arella
Seelig sind die... Lachendes Gesicht

Ich musste vorhin grinsen, als du Sartre ins Spiel brachtest. Was war ich stolz, als ich mit 18 Satre las.
Leider hab ich alles vergessen.
Wo nur ist es hin?
Kann sein, dass das Leben es überschrieben hat.

Ich kam mir damals so cool vor.
Alle wollten Sartre lesen, in meinem Umkreis.

Ich glaube, das Reclam-Heft oder Buch, war rot.

Heute wollen alle TikTok gucken.

Und ich hab sowieso den Meister und seine Auslassungen vergessen.

Kommt wohl auf das Selbe raus. 🙈

#118


Malatesta
@Arella
Das erste dicke Buch von Sartre habe ich mit meiner Jugendliebe (an)gelesen, "Das Sein und das Nichts", in einem schwarzroten Hard-Cover, im zarten Alter von 17 Jahren, zusammen in einer ökolibertären Wohngemeinschaft auf dem Land. Wir haben es uns absatzweise vorgelesen und ganz ernsthaft besprochen. Das und andere Sartre-Werke habe ich immer noch in einem Karton. Ich weiß aber auch nichts mehr vom philosophischen Inhalt, um so klarer habe ich aber noch das lockige Engelsgesicht meiner Romanze vor Augen...schluchz!
Wo ist sie hin die Leichtigkeit des Seins?

#119


B
Zitat von Malatesta:
Ein Forscher auf dem Gebiet der Demenz erklärte mir die Beobachtung mit dem Verlust der Funktionalität, meist nach dem Eintritt in den Ruhestand. Was jedoch stattdesssen wieder zum Vorschein kommt, sind starke emotionale Erlebnisse aus der Vergangenheit. Solche hatte er wohl nur mit der Enkelin. Hätte er seine Frau innig geliebt, wäre ihm wohl auch ihr Name eingefallen, so blieb sie die Fremde, die sie wahrscheinlich im Eheleben bereits gewesen ist.

OMG, was auch immer der Gute erforscht hat, hat wohl eher mit Esoterik und Küchenpsychologie zu tun als mit fundierter wissenschaftlicher Arbeit. Plauder doch bitte nett weiter über irgendwelche Werke, die dann doch nicht gelesen wurden weil die Hormone übernommen haben, name dropping ist auch prima, aber bitte lass ernsthafte Erkrankungen, die ganze Familien erschüttern und pseudo Erkenntnisse raus. Philosophier gern über die unerträgliche Leichtigkeit des Seins, Demenz gehört eindeutig nicht dazu.

x 3 #120


A


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