Alter Wein in neuen Schläuchen
Zitat: Wenn heute so ein arroganter, alter Sack glaubt, dass ich leicht zu haben bin, weil er demonstrativ mit seinem geliehenen Mercedes neben mir her fährt und mit ein paar Geldscheinen herumwedelt, dann lache ich ihn erst recht aus.
Die Formulierungen der Schmonzette scheinen einer plumpen Soap-Opera auf RTL-Niveau entnommen.
Das Sujet des Altersunterschieds in Beziehungen, gemessen in Jahrzehnten, könnte durchaus das reizvolle Thema einer Thread-These sein, wenn sie sozioökonomische und psychologische Substanz hätte.
So unappetitlich erbrochen wie in diesem Pamphlet lesen sich die Verbalprügel für den Pappkamerden namens ,,Alter Sack" wie eine abgedroschene Story im Grundton der Verbitterung. Wobei die Verbitterung beileibe keine geschlechtsspezifische Sublimation auf Enttäuschungen ist, eher eine unreflektierte Reaktionsbildung auf schlechte Erfahrungen, die geeignet sind, ein Herz in eine haßerfüllte Mördergrube zu verwandeln, bei Männern wie bei Frauen gleichermaßen.
Übrigens sollte der aufgeklärte Konsument des Internets wissen, daß die YouTube-Angebote individualisiert auf das Suchverhalten des jeweiligen Nutzers zugeschnitten sind. Wer mehr als einmal auf Google nach Mitteln gegen Zellulitis oder Athrose sucht, wird in der Folgezeit mit Shorts und Anzeigen zur Behebung dieser Alterungserscheinungen überschwemmt.
Auf Basis der personalisierten Nutzerdaten präsentieren die KI-gestützten Algorihtmen eine maßgeschneiderte Auswahl. Das gilt für alle Anfragen in der Suchmaschine. Diesen automatisierten Mechanismus bedacht, läßt sich erahnen, wie die "Schwarze Rose" des Threads an die Videos zur Unterfütterung ihres Themas "Alte Männer begehren junge Frauen" gelangt ist.
Eine fiktive "Rote Rose", die die Frage nach harmonischen Liebesbeziehungen im fortgeschrittenen Alter eingibt, wird von Happy End-Stories über graumelierte Paare überschüttet, die Händchen haltend im gleißenden Abendrot des Sonnenuntergangs auf einer Bank am idyllischen See sitzen und im trauten Glück schwelgen.
Zitat: Eine ehemalige Nachbarin von mir hat ehrlich gesagt, dass sie nur bei ihrem Mann bleibt, weil sie Angst hat. Wenn ich ihr zufällig über den Weg laufe, dann zeige ich ihr ein Foto von dem jungen Mann, der mich scharf findet.
Der Schlüsselsatz der versagten Begierde. Gäbe es diesen jungen Mann tatsächlich, wäre er nicht nur ein Photo zur Angeberei, sondern ein knackiger Körper im Bett einer heißen Affäre und die Rosen-Dame hätte sicherlich mehr Vergnügen daran, die jugendliche Zuwendung zu genießen statt das Phantom als Lustobjekt einzusetzen, um eine ängstliche Nachbarin zu beeindrucken.
Die amerikanische Sitcom "Eine schrecklich nette Familie" karikiert mit pronocierten Charakteren treffsicher die Dandy/Lolita-Phantasien und feuchten Träume des frustrierten Publikums in den Eigenheimsiedlungen vor Vorstädte, das in abgestorbenen Ehen verkümmert. In Gestalt der Karrierefrau-Figur Marcy, die es sich als erfolgreiche Bankerin ökonomisch und gesellschaftlich leisten kann, den alternden Ehemann-Versager Steve ostentativ gegen den mittelosen aber attrakiv jungen Modellathleten Jefferson auszutauschen, der als Gegenleistung für die finanzierte Obhut im Heim von Marcy jederzeit die lüsternen Bedürfnisse der Ehefrau zu befriedigen hat.
Dieser uralte ökonomische Aspekt der Einlösung der Lust abhängig vom Geld dürfte eine größere Verlockung spielen, eine kaputte Ehe aufzugeben, als jede romantische Verklärung des Altersunterschieds, die irreale Motive behauptet.
Es sei der Schwarzen Rose von Herzen gegönnt, das Begehren eines jungen Mannes zu goutieren, der ,,scharf" auf sie ist. Möge er sie auf Rote Rosen eines heißen Liebesabenteuers betten - in ihren Träumen.