Snipes, du kommst aus einer ungesunden Geschichte und kannst dir auf die Schulter klopfen, dass du das alles schon so klar siehst. Die Dynamik zu erkennen ist dein bester Schutz.
Wenn du magst, spekulier ich nochmal ein bisschen wild herum. Bitte dabei zu berücksichtigen, dass ich keine psychologische Fachkraft bin und daher nur mein laienhaftes Verständnis solcher Thematik anzubieten habe, bzw. aus persönlichen Berührungspunkten mit Betroffenen heraus berichte. Nehmen wir also einfach an, du hättest Recht mit deiner Vermutung und deine Ex habe tatsächlich eine Boderline-Störung.
Menschen, die in früher Kindheit derartig schwere Traumata erleiden dass sie in ihrer Persönlichkeitsentwicklung so tief beschädigt werden, sind ja genau das: beschädigt. Das kann man nicht mit Liebe reparieren (das ist etwas, was viele Partner leider glauben, dass sie diejenige Person sind, die das arme Ding retten, weil sie so anders sind als alle A*löcher vor ihnen; und zack, hängen sie am Fliegenfänger) und auch Hilfe von außen (Therapie meintest du damit, nehme ich an?) bewirkt keine Wunder. Solche Störungsbilder sind ja oft deshalb so hartnäckig, weil vielen Betroffenen die "Krankheitseinsicht" fehlt - verdrehte Wahrnehmung der Realität, Schwarz-Weiß-Denken verhindern ja erstmal eine Selbsterkenntnis.
Zitat von Snipes:Sie erwiderte, dass sie das natürlich weiß, aber ihre schlimmen Erinnerungen aus der Vergangenheit immer mal wieder nach oben kämen.
Das ist ein Problem von Traumafolgestörungen. Wobei deine Ex immerhin noch das "Glück" hat ungefähr einschätzen zu können, worin ihre Traumen bestehen, und einordnen kann, was ihr da in dem Moment passiert. Viele Betroffene haben keinen bewussten Zugang dazu und können sich nicht erklären, warum sie, wenn irgendwas sie triggert, plötzlich so ausrasten. Das führt dann manchmal dazu, dass sie die Realität biegen und Dinge konstruieren, einfach um eine Erklärung für ihre schlimmen Gefühle zu haben, die ja so überwältigend stark sind, dass sie aus ihrer Sicht nicht falsch sein können.
Zitat von Snipes:Im Nachhinein fallen mir sehr viel Sonderbarkeiten ein bzw. auf
Es ist ja oft so, dass einem viele rote Flaggen erst im Nachhinein sichtbar werden, wenn man seine Erfahrungen damit gemacht hat. Und natürlich gibt es ja auch diesen schillernden, unheimlich einnehmenden und anziehenden Teil ihrer Persönlichkeit, der die anderen Aspekte so lange überstrahlt, bis man selbst plötzlich in der Abwertungszielscheibe steckt. Das tut dann so furchtbar weh, und man will das besondere und schöne zurückhaben, und genau dieser Wunsch dass derjenige, der den Schmerz zugefügt hat, ihn wieder wegnehmen soll, macht einen so anfällig für weitere Runden. On-Off-Geschichten sind aber niemals gesund, für beide Parteien nicht, und besonders schädlich sind sie für die seelisch gesündere Person, weil die daran so richtig kaputt gehen kann - der andere
ist ja schon kaputt (sorry falls das irgendwie abwertend klingt, so ist es nicht gemeint).
Zitat von Snipes:Sie meinte, dass sie das auch nicht genau wüsste, aber ich habe sie auf einmal an ihren Ex erinnert, der sie in solch einer Situation einfach vergewaltigt hätte.
Ich lehne mich jetzt mal ganz weit aus dem Fenster... bist du dir sicher, dass der Ex davon
weiß, dass sie sich durch ihn vergewaltigt fühlt? Mich würde es gar nicht so sehr wundern, wenn der die Situation völlig anders einschätzen würde, wenn man ihn dazu befragen könnte. Ich kenne das von mir persönlich bekannten BL, dass sie bisweilen eine massiv verzerrte Wahrnehmung der Realität haben, dahinter stecken dann oft eben die sehr alten, ihnen nicht bewusst präsenten traumatischen Erfahrungen und hochkommende Gefühle, die eben eine plausible "Erklärung" brauchen.
Ich will damit nicht ausdrücken dass deine Ex bewusst lügen würde, aber du solltest in Betracht ziehen, dass sie vielleicht in erster Linie in ihrer (frühen) Kindheit schwer traumatisiert wurde (ich habe da einen Verdacht) und vieles, was sie dir aus ihrem Beziehungsleben als Erwachsene berichtet, davon eingefärbt sein
könnte, wie sie die Welt (die für sie voller Trigger sein muss) für sich wahrnimmt. Diese Wahrnehmung muss nicht unbedingt mit der anderer Beteiligter übereinstimmen. Sie kann auch sehr stark von der Wahrnehmung der anderen Beteiligten abweichen. Für sie fühlt es sich aber absolut echt an. So musste sie nun schon wieder mit dir Schluss machen, diesmal weil du so viel Drama schiebst wegen eines T-Shirts.
Ja doch, ich habe da ein paar Vorurteile wie es zu der Abfolge von narzisstischen Partnern des Grauens in ihrer Vergangenheit kommen konnte, bevor sie strahlend in deine Arme sank, endlich der Richtige. Tut mir so leid für dich Snipes, ich kann den Schmerz wirklich nachfühlen, mir sind die Effekte der starken Anziehung solcher Menschen absolut transparent.
Irgendwie hoffe ich jetzt nach diesem Beitrag, dass ich mich total irre und alles gar nicht so schlimm für sie und dich ist wie ich es auffasse. Ehrlich, das würde ich dir und ihr sehr wünschen. Ich bin meiner Sache nicht sicher, aber ich schicke das jetzt trotzdem ab, ich traue dir absolut zu unterscheiden zu können was dich weiter bringt und was eher nicht zu deiner Situation passt.
Zitat von Snipes:Vorher brauche ich aktuell kein Treffen, weil sie mir so dermaßen fehlt.
Du machst das wirklich richtig gut. Respekt für deine Stärke.
Mir hat einmal dieser Gedanke sehr geholfen: Wenn du einmal schlecht behandelt wirst, liegt es in der Verantwortung des anderen. Wiederholt sich das aber, liegt es auch in deiner.