@thegirlnextdoorZitat:>>Du sprichst von "heute" und "gestern".
Geht mir alles noch ein.
Aber "heute" und "gestern" sind nicht drei (oder fünf oder sieben) Jahre.
Natürlich mag man an einem Tag was tun, was man am nächsten bereut. Oder sogar am übernächsten.
Jahrelang zu lügen - konsequent und mit voller Überzeugung - ist eine Entscheidung. Für jeden.<<
Völlig richtig. Was der einzelne also nach der Erkenntnis unternimmt, ist so individuell wie das Leben selbst. Es wird kaum jemanden geben, der dafür Verständnis aufbringen will. Schon gar nicht der oder die Betrogene. Allerdings kenne ich persönlich keine Ehe 2.0, die nach solch langen Affären begonnen wurden. Wenn es in diesem Zusammenhang eine Regel oder eine Wahrscheinlichkeit gibt, dann ist es das Ende der Hormonphase nach 6-10 Monaten. Und ich kenne etliche Fälle, in denen der/die Betrogene diese Phase abgewartet hat, um den Partner dann zurückzugewinnen. Und dann beginnt eben die besagte Ehe 2.0. In diesen Fällen war die Affäre also entdeckt worden. Das Bedürfnis, den Partner zu behalten, oder zurück zu gewinnen, aber so groß, dass man das abgewartet hat.
Zitat:>>Wie oben geschrieben - ich würde niemals unterstellen, dass jeder eine Affäre plant.
Genausowenig wie jeder, der sturzbesoffen kotzt das geplant hat.
Scheint einfach auch Veranlagung zu sein ob man ab einem gewissen Punkt nein sagen kann oder nicht.<<
Auf den ersten Blick ja. Auf den zweiten habe ich festgestellt, dass tatsächlich viele nicht vorher gewusst haben, ab wann sie ihren Hormonen mehr oder weniger hilflos ausgeliefert sind. Das geschieht nämlich meistens dann, wenn einer sagt: „Ich rede gern mit dir. Es tut mir gut, mit dir zusammen zu sein. Du verstehst mich“ Wenn dann der andere mit ähnlichen Worten antwortet, beginnt der Hormon-Tsunami die beiden zu überrollen und sie haben das dringende Bedürfnis, einander noch mehr schöne Dinge zu sagen. In diese Situation gerät man aber tatsächlich nicht, wenn die bestehende Beziehung sehr stabil und liebevoll ist. Die aufkeimende Verliebtheit in dieser Phase noch mit Gewalt zu beenden, gelingt nur sehr wenigen. Und zwar denen, die tatsächlich imstande sind, Verstandesentscheidungen über Gefühlsentscheidungen zu stellen. Und das dann auch in emotionalen Ausnahmesituationen. Ich habe großen Respekt vor solchen Menschen.
Zitat:>>Zudem wäre mir in einer solchen Situation nonstop bewusst wie sehr ich meinen Partner verletzen würde. Und damit würde es mir sehr schlecht gehen. Ich könnte den schönen Betrugsmoment da gar nicht weiter genießen. Es gibt natürlich Menschen, die das in diesem Moment alles ausblenden können. Da mag das funktionieren. So ist jeder verschieden. <<
Auch hier gibt es einen sehr interessanten weiteren Aspekt, der oft eine wesentliche Rolle spielt. Da hat also etwas begonnen, das man nicht vorausgesehen hatte. Da kommen starke Gefühle auf, die man bis dahin nicht kannte. Dahinter leuchtet aber „das große EIGENTLICH“. Denn eigentlich ist man ja fest gebunden, eigentlich hatte man sich die lebenslange Treue versprochen. Und das wird dann auch wohl ausreichen, um standhaft zu bleiben und die beginnende Verliebtheit nicht auszuleben.
Wenn sich heraus stellt, dass das dummerweise nicht ausreicht, geht man wenigstens davon aus, dass das, was bisher geschehen ist, im Verborgenen bleiben kann und somit keinen Schaden anrichtet. Das wäre auch bis zum ersten intensiven Körperkontakt/Kuss tatsächlich möglich. Nur wird die enorme Anziehungskraft nach dem Hormoneinschuss fast immer unterschätzt. Und dann läuft es aus dem Ruder. Man verbirgt weiterhin, weil man das ja sowieso beenden will. Aber man gerät immer tiefer hinein.
Ich akzeptiere die Sichtweise, dass auch das letztlich ENTSCHEIDUNGEN sind, aber sie müssten von Menschen getroffen werden, die noch nie in einer solchen Situation waren und der auch nicht gewachsen sind. Würden sie sich dabei von kompetenter Seite helfen lassen, so könnten sie diese Entscheidung vielleicht trotzdem treffen. Aber wer hat solche Hilfe schon.
Anders ist es natürlich, wenn das häufiger geschieht. Notorische Fremdgeher können wir aus dieser Betrachtung ausschließen.
Zitat:>>Es gibt einfach Menschen, die in manchen Dingen nicht "schwach" werden, weil sie genau wissen und spüren wie stark die negativen Konsequenzen überwiegen. Oder viel Empathie haben und der Schmerz des Partners ihnen den Spaß an der Sache verderben würde.<<
Ja natürlich, Gott sei Dank. Und es mag sogar die Mehrzahl sein. Aber von denen erfahren wir nichts, weil sie hier nicht schreiben. Sie schaffen das allein oder mit Partner/in.