Zitat von JoLu: Genau letzte Woche um diese Zeit, schrieb er mir noch aus der Reha „Hallo Süsse, werde so gegen 10 Uhr zuhause sein und freu mich schon sehr auf dich!“
Das schreibt man doch nicht, wenn man einem dann ein paar Stunden später die Füße unter den Boden wegzieht….
Wie kann man so was machen? Den anderen in Sicherheit wiegen, der sich schon auf die Rückkehr freut und dann kommt die Ernüchterung wie ein Tsunami über einen. Er hat offenbar keinerlei Verantwortungsgefühl mehr für die Familie, die Ehe und die Tochter heult sich die Augen aus dem Kopf. Keinerlei Schulgefühle bei ihm? Oder sind die derzeit nur übertüncht aufgrund des Hormonschubs, der zu einem unglaublichen Egoismus führt.
Nachdenken kommt später und der Alltag mit Mandy wird ihn auch noch einholen und ob der so viel besser ist als der mit Dir, bezweifle ich. Was will die auch mit dem "alten Sack", der schon 3 Infarkte hinter sich hat und obendrein Diabetes? Irgendwann kapiert auch sie, dass sie sich einen alten Mann ins Haus und ins Leben geholt hat.
Und was will Mandy mit einem, der mal eben von heute auf morgen die Familie verlässt, obendrein an Weihnachten und offenbar keine Verantwortung übernimmt? Ist so ein Mann der große Wurf, der bedenkenlos sein Leben hin schmeisst um sich nochmals jung und begehrt zu fühlen und die große Seelenverwandtschaft zu fühlen - körperlich und psychisch, weil man sich ja soooo viel zu sagen hat und sich sooo gut versteht.
Ich will Dir mal was erzählen, denn ich war auch so. Nein, es gab keine Kur, aber ich war massiv mit meinem Leben unzufrieden. Mein Mann nervte mich nur noch, aber es bestand kein Anlass zur Trennung, zumindest noch nicht. ich spürte nur, dass ich unzufrieden war und keine Aussicht auf Änderung bestand. Beruflich eingefahren, privat war auch nicht viel los, ich spürte nur einen Wunsch nach Veränderung. Und diese Veränderung konnte ich nicht herbei führen, dafür brauchte ich einen "Helfer". Der dann auch kam in Gestalt eines Kollegen, der eineinhalb Autostunden von mir beschäftigt ist. Ich lernte ihn kennen. Quatsch, ich lernte ihn nicht kennen. Nur oberflächlich, man stellte sich gegenseitig vor, gab sich die Hand, denn es war eine dienstliche Veranstaltung. Seinen Namen hatte ich schon öfters gehört, das Gesicht kannte ich nicht.
Und es war wie eine Initialzündung. Ich war sofort interessiert, hätte mich am liebsten allein mit ihm unterhalten. Er erschien mir so interessant und glechzeitig irgendwie ähnlich, so als ob wir uns was zu sagen hatten.
Monate später auf einem Kongress verabredete ich mich mit ihm. Tja, die einzige, die die ganzen Monate an ihn gedacht hatte, war ich. Er fand mich sympathisch, mehr nicht. Aber dort ging es an mit uns.
Wir sahen uns nicht allzu oft wegen der Entfernung. Und ich verheiratet, er aber solo. Und eine heimliche Affäre begann. Es war unglaublich, was ich da erlebte. Diesen Hormonüberschwang, diese Zustände zwischen euphorischem Glücksgefühl und verzehrender Sehnsucht nach ihm. Ich spürte es, ich hatte die Bodenhaftung völlig verloren, aber ich konnte nichts dagegen tun. Die Hormone hatten mich voll im Griff.
Wenige Monate später kamen sie dann, die Schuldgefühle. Ich hatte ihn ein paar Mal getroffen, Dienstreisen gab es schon vor ihm, dann waren es halt ein paar mehr. Aber ich fühlte mich schäbig, weil mir klar wurde, wie ich meinen Mann belogen und hintergangen hatte und ich musste es ihm sagen. Er reagierte gemessen, ja fast verständnisvoll, weil er auch gemerkt hatte, dass es zwischen uns nicht mehr zum Besten stand. Ab da also ein Hin- und Herpendeln . Hier die Ehe, die gar nicht so schlecht weiter lief und dort die Affäre. Ich hätte mich damals für die Affäre getrennt, aber in der Beziehung mit dem neuen veränderte sich was. Er zog sich merkbar zurück, zeigte andere Verhaltensweisen und es kam zu einem Schwanken von gefühlter Nähe, die ich immer wieder herstellen wollte und der Distanz, die von ihm ausging.
Es wurde megaanstrengend und alles andere wie meine Interessen, meine Freunde, traten in den Hintergrund, denn mein Denken und Fühlen kreiste nur um ihn und die "einzigartigen" Probleme, die die Beziehung nun beinhaltete. Die Probleme waren höchst banal, aber das wurde mir erst hinterher klar.
Und dann trennte er sich und ich war am Boden zerstört. Nun hatte ich gar nichts mehr außer meinem besch... Leben.
All die Hoffnungen, all das Warten, all die Überlegungen, die Quälereien, alles umsonst. Ein paar Wochen später erfuhr ich aus einer seiner verschwurbelten Mails (ja, wir hatte noch Kontakt über Geräte, das Dümmste was man tun kann), dass es wohl die Nextie gab. Und es fiel mir wie Schuppen von den Augen, dass sie vermutlich der Anlass dafür war, dass ich Platz machen musste. Also auch noch wegen einer anderen weggeworfen.
Es dauerte lange, bis ich wieder bei mir angekommen war, lernte, mein Leben wieder zu schätzen lernte und ich begriff einiges, was bei mir im Argen gelegen hatte. ich hatte nie gelernt, dass ich allein für meine Lebensqualität verantwortlich war, dass ich für mich sorgen musste und gut mit mir umgehen musste und vor allem, dass ein anderer Mensch nicht die Rettung für meine Probleme mit mir selbst ist.
ich verstehe daher die Phase, in der sich Dein Mann jetzt befindet. Er hat alles ausgeblendet und sieht nur sich. Und Mandy natürlich, in der er sich spiegelt als die bessere Version seiner selbst. Verliebtheit ist oft so was wie gegenseitige SB. Ich muss ja toll sein, wenn dieser einzigartige Mensch mich offenbar liebt. Dabei liebt er auch nur sich selbst und spiegelt sich.Verliebtheit ist oft eine schöne Phase, aber sie hat mit Liebe nichts zu tun. Die kommt später, wenn man schon das ein oder andere gemeinsam bewältigt hat.
ich bin nicht stolz auf das, was ich damals getan habe, aber ich habe gerade durch diese Affäre viel gelernt. Insofern habe ich davon profitiert. Unsere Ehe hat das überlebt, aber es dauerte lang. ich musste erst mein Leben wieder auf die Reihe bringen, den Trennungschmerz bewältigen, mich emotional lösen, ehe ich viele Zusammenhänge erkannte. Heute lehne ich Affären ab, denn sie bringen keinen Segen. Man rennt nur von sich und den Problemen mit sich und seinem Leben davon und rettet sich in illusionistische Welten. Niemals mehr würde ich mich auf so was einlassen, denn es macht zu viel kaputt. Ein Wunder, dass mein Mann blieb. Irgendwie war der immer klüger als ich und ahnte wohl schon, dass das mit der Nummer zwei nur eine Flucht war, die mich nicht weiterbrachte. Im Gegenteil, meine Probleme traten klarer zu Tage, aber das sah ich damals nicht, weil ich blind und verblödet etwas hinterher rannte, von dem ich glaubte, es wäre die Rettung. Ein anderes, besseres Leben.als das was ich hatte.
Die Ernüchterung wird kommen, auch bei ihm. Das ist immer so und dann treten die Unterschiede dieser symbiotischen, euphorisierenden und neuen Beziehung, in der er jetzt ist, zu Tage. Und irgendwann kommen auch die Schuldgefühle und die Fragen an sich selbst. War es wirklich richtig so? War das wirklich ich, ein normalerweise vernünftiger Mensch, der gut in sein Umfeld, seine Familie integriert ist und der aber einfach ging? Vorher noch an seine "Süße" schrieb, die schon nicht mehr die Süße ist, denn diese Rolle hat ja Mandy. War das ich, der an Weihnachten Reißaus nahm und die Familie brutal und rücksichtslos vor den Kopf stieß? Ja, das war ich. Gibt es dafür eine Entschuldigung? Nein, gibt es nicht, denn es ist und bleibt schäbig. Und kurzsichtig. Und dämlich und blöd.
Und die Hormone sind keine Entschuldigung, denn es ist immer eine Entscheidungsfreiheit gegeben, ob man denen jetzt nachgibt oder eben nicht.
Wie das ausgeht, kann Dir keiner sagen. Es kann alles sein. Er bleibt weg und hat ein neues Glück gefunden, den "Sechser" im Lotto. Aber so einfach macht es einem das Leben normalerweise nicht. Es wird aber definitiv nichts bleiben wie es war. Selbst wenn er zurück käme, so liegt die Entscheidung, ob er wieder Teil Deines Lebens sein darf, bei Dir. Du bist also gar nicht so machtlos wie Du Dich jetzt fühlst. Das ist der Ausgleich. Er entscheidet etwas zu Ungunsten anderer, für die er Verantwortung übernommen hat, geht aber ein Risiko ein. Und bei Nichtgefallen von Mandy denkt er, daheim war es eigentlich auch ganz schön. Er ist aber dann von Dir abhängig.
Was definitiv kommen wird, ist, dass Du ein anderes Leben beginnst. Selbst wenn er zurück käme (wann, kann Dir keiner sagen und ob, auch nicht), wird es nicht mehr so sein wie vorher. Es kann wieder werden, aber nur, wenn er sich auch der Verantwortung stellt und nicht aus Bequemlichkeit wieder an Deine Tür klopft und Süßholz raspelt..
Es wird ein Umbruch sein, auch für Dich. Das Alte ist vergangen, das Neue noch nicht ersichtlich. Aber selbst wenn er weg bleibt, wirst Du wieder glücklich werden. Auch wenn Du das jetzt nicht glaubst und auch wenn es lange dauert, aber auch Dir steht ein Glück zu, weil die Waage jetzt gefühlt für ihn ausschlägt. Das Leben schafft aber Ausgleich. Vielleicht wirst Du allein glücklicher, vielleicht findest Du irgendwann einen neuen Partner. Und eine Löwenmama schafft alles, das kann man hier immer wieder lesen.
Nur leider musst Du auch das Hier und Jetzt sehen und dafür hast Du schon viele Tipps gegeben, die auch das Finanzielle betreffen. Selbst wenn es nicht zur Scheidung kommen sollte, so schnell geht das ja nicht, so ist es doch gut, wenn man Bescheid weiß.
Ach übrigens, meiner Freundin kam der Mann abhanden. Er hatte schon länger eine Freundin, was sie nicht wusste, ja nicht mal erahnte. Er ging dann Knall auf Fall und das "wir müssen reden" war nur eine Informationsveranstaltung für sie, in der sie erfuhr, dass er auszieht. Er packte ein paar Sachen und war weg. Dann stand sie da, Mitte 50 und drei Kinder. Die älteste studierte bereits, die zwei Buben gingen noch zur Schule. Und der Vater kümmerte sich fortan kaum noch um die Familie, auch nicht um die Kinder, denn er hatte ja jetzt wichtigeres zu tun. Sein Glück mit Nextie in ihrem Haus (sie ist Witwe und die 4 Söhne waren schon erwachsen und aus dem Haus) mit Vollverpflegung, Wäscheservice und Betüteln inklusive.
Ein Jahr später starb noch ihre Tochter, mit 23 an Darmkrebs, Wie sie diese Zeit bewältigte, ist mir heute noch schleierhaft. Sie verkauften das Haus und für sie war klar, ein Cut mit dem Mann war das einzige, was sie wollte. Die Scheidung fand ein Jahr später statt und sie war erleichtert, als sie ihren Mann auch vor dem Gesetz los hatte.
Es sah nicht so gut aus für sie. Allein, die Trauer um die Tochter, der eine Sohn brachte sein Leben nicht auf die Reihe, der andere steckte es lockerer weg. Aber beide lernten ihren Vater von einer Seite kennen, die sie nicht vermutet hatten. So was macht viel kaputt, auch wenn die Kinder schon älter sind.
Und dann lernte sie einen Mann kennen, im Yogakurs. Unglaublich, aber da war ein Witwer, der schon länger allein lebte und sein Haus schon verkaufen wollte, denn die Kinder leben woanders. Sie ist wieder verheiratet und hat jetzt wohl ein besseres Leben als das mit dem ersten Mann.
Du bist tapferer als Du glaubst und weißt. Und es wird sich alles fügen, auch wenn Du das jetzt nicht siehst. Aber es bleibt ja nichts wie es ist. Und da Du jetzt unten bist, gibt es für Dich auf längere Sicht nur eine Richtung, die nach oben. Und dein Mann braucht sich nicht so sicher zu fühlen, dass diese Entscheidung langfristig die richtige war.
Aber schau auf Dich. Tu Dir, wenn Du es kannst, was Gutes. Pflege Dich, rede Dir gut zu und sage Dir, es wird wieder besser werden und ich werde aus der Krise gestärkt heraus gehen. Wenn Du jetzt nichts isst, betreibst Du Raubbau, denn Du brauchst jetzt viel Kraft, auch für Deine Tochter. Das ist es nicht wert, dass Du womöglich auch noch krank wirst.
Und suche Dir Unterstützung, Ein Beratungsgespräch bei der Caritas oder was ähnlichem hat einer anderen Freundin geholfen, zu begreifen, dass die Ehe zu Ende war. Auch er hatte längst eine andere und log, dass sich die Balken bogen. Und lüge Dein Umfeld nicht an, sondern sage, mein Mann hat mich verlassen. Es ist nicht Deine Schuld, aber das Verheimlichen hat keinen Sinn. Es kommt ja eh auf.
Schreib auf, was Dir durch den Kopf geht und Du darfst auch Fantasien haben. Z.B. die, dass es ihm dreckig gehen soll. Das ist legitim und normal in so einer Zeit. Oder auch, dass Mandy ihm den Laufpass gibt und er dann bedröppelt da steht, weil er zu hoch geepokert hat.
Es ist jetzt vieles legitim, außer bewusst Dir selbst und anderen zu schaden. Du darfst schreien, heulen, wie gelähmt Löcher in die Luft starren, weinen. Nur aufgeben darfst Du Dich nicht.
Denk immer an das Pendel, das auch wieder zugunsten von Dir ausschlagen wird.