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Fremdgehen nach 27 Jahren

W
Zitat von Taja1976:
Ich kann deine Ansichten durchaus verstehen. Aber wenn etwas nicht stimmt, oder es in der Reha bewusst wird, sollte man mit seiner Partnerin reden. Vielleicht kann man für die lange Ehe kämpfen und gemeinsam wieder zueinander finden. Finde es echt mies so verlassen zu werden, nach so vielen Jahren sollte man Respektvoller miteinander umgehen.

Ja, das meine ich auch. Wenn sich zwei Menschen gefunden haben, zwischen denen vieles stimmt, selten genug, dann sollte man das nicht leichtfertig aufgeben.
Allerdings wäre es vielleicht gut, um eben nicht gleich alles hinwerfen zu müssen, ein etwas anderes "Beziehungsmodell" zu etablieren, ein solches, wo eben diese Reize des Neuen zulässig sind, ohne dass gleich alles mit der Abrissbirne zerstört werden muss. Die subjekive Welt ist ja nichts anderes als Vorstellung, also könnte man daran ja auch manches verändern.
Meiner Erfahrung nach und auch nach allem, was ich so sehe rundum, ist es ja ein außerordentlicher Glücksfall, überhaupt jemandem zu begegnen, mit dem man tatsächlich tief verbunden ist (was immer die Gründe dafür sein mögen, für mich persönlich geht das im Idealfall nahezu ins Überirdische). Allerdings gewinnt dann oft das fragwürdige, von allerlei geprägtem Ego die Überhand, und das ist es letzlich ja, was die Dinge, selbst die guten, ja vielleicht sogar seligen, in die Luft sprengt, nur weil zumindest kurzfristig etwas Neues eben diesen Reiz des Neuen mit sich bringt, selbst wenn es ansonsten gar keine Bedeutung hat.
Ich meine, Menschen, die man noch gar nicht kennt, sind eben - zumindest vorübergehend - "reizvoller" als die gewohnten, und wer hätte es denn noch nicht erlebt, dass es über die Maßen aufregend ist, einen "fremden" Körper zu berühren und von anderen Händen und Lippen berührt zu werden ... Das fährt einfach mit einer ganz anderen Wucht ein als das Vertraute. Und davor kann man nicht die Augen verschließen.
Wenn man mit jemandem, auch völlig Passendem, Jahre oder Jahrzehnte zusammen ist, dann kann sein, was will - diesen bisweilen geradezu betäubenden und berauschenden Reiz des Neuen und Unbekannten kann er gar nicht heraufbeschwören. Das geht nicht, selbst nicht mit neuer Unterwäsche oder sonst etwas.
Daher war und bin ich seit jeher für mehr Freiheit in Beziehungsdingen (obwohl ich das für mich selber gar nie beansprucht habe, aber es jeder Partnerin zugestanden habe). Ja, ich halte es geradezu für verrückt, eine Beziehung oder Partnerschaft mit einer vielleicht außerordentlich guten Grundlage ins Wasser zu schmeißen, nur weil einem von beiden vielleicht einmal der Hafer sticht ... Das ist, meine ich, echt irre!
Es gibt nichts Wertvolleres in diesem ganzen Leben, als auf einen Menschen zu treffen (wie gesagt, ich halte das für den Ausnahmefall und rede nicht von irgendwelchen "praktischen" Verläufen), mit dem einen tatsächlich Liebe verbindet, das ist mehr wert als alles Gold der Welt. Und mir ist es eben unbegreiflich, weshalb ein solches Geschenk dann wegen emotionaler Verletzungsgefühlen einfach in die Tonne gekloppt wird, als wäre es lediglich ein Gebrauchsartikel, an dem fremdes Blut klebt.

x 7 #91


W
Zitat von Kampfschnake:
Und dann ist es einfach ein "Helferlein" zu haben, um nicht "in die gewohnte Welt der täglichen Routine" zurück zu kehren. Wenn jemand nicht begreift, dass sein Verhalten so "simpel" ist, dann geht es nicht um die Lösung eines Problems. Es ist ein undurchdachtes "Abhauen".

Ja, natürlich ist das so. Gefühle, wodurch immer ausgelöst, schalten das Gehirn ab.
Aber ist das nicht gut so?
Ich meine, der rein rationale Mensch, der jedes Für und Wider stets abwägt, ist letztlich ja nichts anderes als ein emotionaler Leichnam. Und das gibt wohl auch nicht viel her.
Wäre es da nicht sinnvoller, wenn man will auch rationaler, wenn man es tolerieren würde / könnte, dass es eben solche Ausbrüche der Emotionen gibt, die durch etwas Neues, Anderes angestachelt werden? Das berüht ja in vielen Fällen nicht die Basis, sondern es bringt lediglich die Affekte des Egos zum Kochen.
Unter uns gesagt: Wenn sich ein Mann, der Dir zusagt, an Dich ranmacht, wirst Du, nehme ich an, ja auch von anderen Wallungen ergriffen werden, als wenn der Mann, den Du schon lange kennst, Selbiges veranstaltet. Das fühlt sich einfach anders an, und man schwebt zumindest vorübergehend in einem neuen Himmel.

#92


A


Fremdgehen nach 27 Jahren

x 3


W
Zitat von alleswirdbesser:
Die Lösung wäre doch keine Beziehungen mehr einzugehen und stets für was Neues frei zu sein.

So sehe ich das auch wieder nicht, alleswirdbesser. trost spenden
Der Mensch ist doch gerne irgendwo sicher verankert (außer vielleicht der grunsätzliche Abenteurer). Also wäre von vornherein gar keine Beziehung einzugehen, wohl auch keine wirkliche Glücksformel.
Ich habe ja schon lange den Verdacht, im Grunde geht es darum, die Verhältnisse in der Kindheit und Jugend wieder herzustellen, also den sicheren Hafen, den nichts erschüttern kann, und daneben eben verschiedene Verliebtheiten und gewagte Abenteuer. Nur ist dieser "Hafen" dann eben nicht so stabil wie der elterliche und großelterliche im Normalffall, und so werden die Abenteuer zu einem Hochrisikounternehmen.
Die Muster allerdings, scheint mir, sind im Grunde dieselben.

#93


VictoriaSiempre
Ich bin durchaus in vielen Aspekten bei Dir und Deinen Ausführungen @whynot60 . Aber oft geht es mir zu sehr in die Richtung, dass der oder die doch ein wenig mehr Verständnis für den Partner/die Partnerin mit Wunsch nach fremder Haut haben sollte. Vielleicht hätte die eine oder der andere das ja sogar - nur kommen die häufig gar nicht mehr in die Lage, dieses Verständnis zu zeigen unwissend

Weil nämlich bestimmte Konventionen - Monogamie - eben auch diejenigen verinnerlicht haben, die sich fremdverlieben und umgehend die bestehende Beziehungen beenden/alternativ längere Zeit rumeiern und rumlügen, statt offen über ihre Bedürfnisse zu reden.

Ich weiß nicht, ob ich für eine sogenannte offene Beziehung geeignet wäre. Aus dem Stand würde ich wohl mit „Nein!“ antworten. Grundsätzlich wäre für mich aber ne körperliche Geschichte wahrscheinlich weniger „schlimm“ (vor allem, wenn sie einmalig wäre) als ne tiefe emotionale Bindung meines Partners zu einer anderen Frau, in der Liebesgefühle und Begehren zusammen treffen. Da sehe ich keinen Platz mehr für mich - und der wird mir ja auch oft gar nicht mehr gegeben.

Was Du beschreibst, ist schöne, aber graue Theorie. Ich kann so tolerant sein, wie ich will - wenn mein Partner auf diese Toleranz pfeift, dann nützt mir das auch nichts. Mal ganz abgesehen davon, dass solche „was wäre wenn“-Szenarien in den allermeisten Fällen gar nicht besprochen werden, während die Beziehung noch super läuft. Ja, sollte wohl. Aber die meisten sind nicht bei „Wünsch Dir was“, sondern bei „So isses“.

Wenn jemand verlassen wird, dann hat er oder sie sicher in irgendeiner Form einen Anteil daran. Und sei es nur, weil er oder sie halt immer da und altbekannt war und neu immer besser ist (#BarneyStinson Mr. Green ). Aber es berechtigt nicht, Schuldumkehr zu betreiben. Wobei ich in Beziehungskisten das Wort „Schuld“ bis auf wenige Ausnahmen nicht mag, ich bevorzuge „Verantwortung“.

x 7 #94


Rheinländer
Also,
Zitat von whynot60:
Allerdings wäre es vielleicht gut, um eben nicht gleich alles hinwerfen zu müssen, ein etwas anderes "Beziehungsmodell" zu etablieren, ein solches, wo eben diese Reize des Neuen zulässig sind, ohne dass gleich alles mit der Abrissbirne zerstört werden muss.

ich möchte an dieser Stelle widersprechen. Einer Frau, die kurz vor Weihnachten erfahren hat, dass ihr Mann sie betrogen hat, ausgezogen ist und sie mit den Kindern zurückgelassen hat, nun ein „anderes Beziehungsmodell“ nahezulegen, empfinde ich als sehr unpassend und geschmacklos.
Unabhängig davon, ob offene oder alternative Beziehungsmodelle für manche Menschen funktionieren können: Das sind Entscheidungen, die im Vorfeld, auf Augenhöhe und mit gegenseitigem Einverständnis getroffen werden müssen. Sie taugen nicht als nachträgliche Rechtfertigung für Betrug oder als „Lösung“ für eine akute Verletzungssituation.
In diesem Thread geht es um akuten Schmerz, um Vertrauensbruch und um das emotionale Überleben nach einer massiven Grenzüberschreitung. Der Hinweis auf die „Reize des Neuen“ hilft der Erstellerin in keiner Weise weiter – im Gegenteil: Er kann leicht so wirken, als würde ihr bisheriges Lebensmodell infrage gestellt oder ihr Leid relativiert. Auf mich wirkt das eher verhöhnend als unterstützend.
Über Beziehungsmodelle kann man gern grundsätzlich und an anderer Stelle diskutieren. Hier jedoch sollte der Fokus darauf liegen, der Betroffenen beizustehen, ihren Schmerz ernst zu nehmen und ihr Halt zu geben – nicht darauf, theoretische Konzepte zu platzieren, die mit ihrer aktuellen Situation nichts zu tun haben.

x 24 #95


W
Zitat von VictoriaSiempre:
Weil nämlich bestimmte Konventionen - Monogamie - eben auch diejenigen verinnerlicht haben, die sich fremdverlieben und umgehend die bestehende Beziehungen beenden/alternativ längere Zeit rumeiern und rumlügen, statt offen über ihre Bedürfnisse zu reden.

Ja, wenn es um ein ernsthaftes Verlieben, also "Fremdverlieben" (was für ein bemerkenswertes Wort!) geht, dann wird dagegen ohnehin kaum etwas helfen, und ich glaube auch, das hat weder mit Schuld noch mit Verantwortung zu tun. Wenn Gefühle ausbrechen, ernsthafte Gefühle, dann wird die Macht des Menschen in vielen Fällen dagegen machtlos sein. Höchstens, dass jemand wie in letzter Not noch verdrängen und ausblenden kann im Sinne der Konventionen - aber viel ist damit vermutlich auch nicht gewonnen.
Das Grundproblem ist doch, scheint mir, dass Gefühlsräusche meist Ewigkeit vorgaukeln, Ewigkeit wollen, aber diese Ewigkeit oftmals nicht lange vorhält und die Dinge dann verflachen, man also letztlich emotional, trotz Bindung, in den Zustand der Ungebundenheit gerät und gewissermaßen wieder anfällig wird für Verliebtheit.
Es gibt, nach meiner Erfahrung, wohl nur wenige Paare, die auch nach Jahren oder gar Jahrzehnten noch in den Partner verliebt sind, und ich glaube, das sollte man halt von vornherein einkalkulieren. Konventionen sind im Vergleich zu Gefühlen deutlich stabiler, nur fehlt es ihnen halt an oftmals am wahren Inhalt.
Genau das ist mir ja auch schon passiert, also dass eine ehemalige Partnerin sich in einen anderen verliebt hat, und dann bleibt ja nichts, als sie ziehen zu lassen. Etwas zwanghaft aufrecht erhalten zu wollen, das sich überlebt hat, machte auch keinen Sinn, will man sich nicht mit einer leeren Fassade begnügen.

Um Schuldumkehr oder Verantwortungsumkehr geht es hier ja gar nicht. Sondern die Dinge laufen eben, wie sie laufen, und sich auf Konventionen zu berufen, wird die Dinge auch nicht ändern.
Allerdings ist es doch so, dass neue Verliebtheiten, also Fremdverliebtheiten, auch nicht notwendig das noch Gelbere vom Ei sind und sich nicht selten wieder verflüchtigen. Und wenn nun eine Beziehung an sich gut ist, sollte man sie vielleicht nicht vorschnell aufgeben, nur weil der andere mal in einen solchen Rausch gerät. Mehr Realitätssinn von Anfang an wäre vielleicht eine Möglichkeit, mit den Gefühlsfluktuationen besser umgehen zu können und nicht bei jeder Gelegenheit aus der Bahn geworfen zu werden.
Insbesondere dann, wenn es "nur" um säggsuelle Begehrlichkeiten geht und um diesen Reiz des Neuen. Bricht bei jemandem hingegen eine ernsthafte Liebe aus, so lässt sich ohnehin nichts machen, und ich glaube, das ist auch gut so. Denn irgendwelche hohle Zwangsgemeinschaften braucht wohl auch kaum jemand.

x 1 #96


J
Es tut so unfassbar weh…ich bin so unfassbar kraftlos. Ich wusste nicht das man so ein extremes Wechselbad der Gefühle hintereinander weg haben kann…Trauer, Wut, Verzweiflung, Hass
( vor allem auf sie), Scham, Ich würde so gern den Aus-Knopf finden.
Heute fahren meine Kinder und ich zur Schwiegermutter…eigentlich wollte ich das vermeiden, aber es ist ja weiterhin die Oma der Kinder, sie wurde ja ebenfalls zutiefst verletzt. Aber mir graut es davor…
Am liebsten würde ich mich hier einigeln und erst wieder in die Welt raus, wenn alles vorbei ist.
Morgen fährt meine Tochter zu ihrem Freund ( der weiter weg wohnt) für eine Woche…da hab ich auch Angst, dass ich dann völlig zusammenbreche.Aber ich find es so wichtig für sie…das sie rauskommt und da ihr Freund vor 10 Jahren ähnliches erlebt hat, wird er ihr eine gute Stütze sein. Sie hat sogar lange mit sich gehadert, weil sie mich nicht allein lassen will…aber mein größter Wunsch ist es das sie ihr wunderschönes Lachen wiederfindet.
Ja und am Sonntag möchte er sich mit mir treffen, um „alles weitere zu regeln“
Der nächste Horror… Ich hoffe so sehr, das ich da stark bleiben kann um nicht in die emotionale Schiene zu fallen. Es dreht sich in meinem Kopf alles nur um dieses Gespräch…
Am 01.01. hätten wir unseren 27. Jahrestag 😢
Ich mach also 3 Kreuze wenn ich den Tag heute in einer Woche erreicht habe.
Dann kommt wieder der Alltag, arbeiten gehen…noch so ein Horror…aber andererseits hoffe ich, lenkt es vielleicht ab?! Hier zuhause denke ich ja nur an ihn…

x 11 #97


W
Zitat von Rheinländer:
ich möchte an dieser Stelle widersprechen. Einer Frau, die kurz vor Weihnachten erfahren hat, dass ihr Mann sie betrogen hat, ausgezogen ist und sie mit den Kindern zurückgelassen hat, nun ein „anderes Beziehungsmodell“ nahezulegen, empfinde ich als sehr unpassend und geschmacklos.

Ich weiß zwar nicht, was daran gar so geschmacklos sein soll, war mein Statement doch offensichtlich sehr allgemein gemeint. Aber jedenfalls war es nicht meine Absicht, einer Frau, die eben verlassen worden ist, ein anderes Beziehungsmodell nahezulegen, was im konkreten Fall auch gar nichts nützen würde. Denn wenn der Mann Hals über Kopf davongerissen worden ist von einer offenbar mächtigen Gefühlswoge, dann hätte ihn auch ein anderes Beziehungsmodell nicht aufhalten können.
Gegen den Magnetismus der Liebe oder auch nur des Begehrens ist kein Kraut gewachsen, zumindest kein bekömmliches.

#98


W
Zitat von JoLu:
Ja und am Sonntag möchte er sich mit mir treffen, um „alles weitere zu regeln“
Der nächste Horror… Ich hoffe so sehr, das ich da stark bleiben kann um nicht in die emotionale Schiene zu fallen. Es dreht sich in meinem Kopf alles nur um dieses Gespräch…

Nur ein kleiner Tipp für solche Situationen: Sich nie auf ein bevorstehendes unangenehmes Ereignis fixieren (das wirkt oftmals geradezu hypnotisch), sondern auf irgend etwas (Erfreuliches, Entspannendes) danach. Das macht die Dinge deutlich leichter, auch die schweren.
Versuche es vielleicht einmal. Egal, was es ist, und sei es, sich einen Film anzusehen oder ein Buch zu lesen oder spazieren zu gehen, das spielt keine Rolle. Es muss lediglich etwas für Dich Erfreuliches sein und nach dem gefürchteten Termin liegen. Das besänftigt die geplagte und leidende Seele, und das ist wichtig.
Du durchlebst gerade eine schwere Zeit, einen Umbruch, aber wenn es irgendwie geht: Das Steuer nicht aus der Hand lassen! Es kommen mit absoluter Gewissheit auch wieder andere Zeiten, die Dich beflügeln.

x 7 #99


AjnosXX
Zitat von whynot60:
Mehr Realitätssinn von Anfang an wäre vielleicht eine Möglichkeit, mit den Gefühlsfluktuationen besser umgehen zu können und nicht bei jeder Gelegenheit aus der Bahn geworfen zu werden.
Insbesondere dann, wenn es "nur" um säggsuelle Begehrlichkeiten geht und um diesen Reiz des Neuen. Bricht bei jemandem hingegen eine ernsthafte Liebe aus

Wie willst Du wissen, ob es sich um eine ernsthaft Liebe handelt? Das sagen doch alle, die eine Affäre haben, die sprechen doch von Seelenverwandt, dabei ist es doch unmöglich das abzuschätzen.
Dabei kommt es auch auf die Impuls Kontrolle an, ich habe mich übrigens auch 2x fremdverliebt. Es war ein schwärmen für die Person. Aber ich habe natürlich keinen Körperkontakt zugelassen, ich war ja verheiratet und habe meinen Mann geliebt. Hier habe ich schon gelesen, dass man regelrecht in ein Besessenheit geraten ist, ungefähr so wie einen Wunsch den man sich unbedingt erfüllen wollte.
Ich kann den Mann der TE Oberhaupt nicht verstehen, dass man in dem Alter den Kopf völlig verlieren, wenn man dazu noch Kinder hat. Weihnachten nicht mit den Kindern verbringt, aufgrund einer Affäre. Das ist so was von unmöglich.

x 7 #100


W
Zitat von AjnosXX:
Wie willst Du wissen, ob es sich um eine ernsthaft Liebe handelt?

Ja, das weiß nicht nur ich nicht, sondern wohl kaum jemand. Ist es Liebe, ist es lediglich ein Flash? Das zeigt sich halt erst im Lauf der Zeit.
Aber was sich, meiner Meinung nach, auf jeden Fall zeigt, ist, dass die Gefühle für den Partner, die Partnerin nicht mehr so ausgeprägt sind, dass sie vor einem anderwärtigen Verlieben oder Begehren schützen. Die "Immunisierung" gegen außerpartnerschaftliche Gefühle ist nicht mehr vorhanden.
Ja, was daraus wird, lässt sich nie abschätzen, so ist das aber immer, auch wenn man ungebunden ist und sich verliebt. Gewissheiten bietet das Leben nicht, erst recht nicht, was die Gefühle betrifft.
Du bist da offenbar robuster, wenn Du Dich zwar 2x fremdverliebt hast, aber körperlichen Kontakt vermieden hast. Das wird wohl eher die Ausnahme sein, ist es doch meist gerade der körperliche Kontakt, für den alles Mögliche aus dem Weg geräumt wird ohne Rücksicht auf Verluste.
Und ich glaube, man muss auch unterscheiden zwischen bloßer Schwärmerei (nach Art von Teenies, jüngeren oder älteren, die für irgendeinen Star schwärmen) und ernsthaften tiefen Gefühlen. Das lässt sich wohl kaum miteinander vergleichen.

Ja, natürlich wird man dem Mann der TE nicht auch noch Beifall klatschen. Aber wer hätte denn tatsächlich die Macht, über seine Gefühle und wie etwas zu sein hat zu bestimmen? Rationalisten können das vielleicht, solange sie nicht fortgeschwemmt werden von den Wogen der Liebe, des Begehrens, vielleicht ja nur deshalb, weil ihnen dafür die Grundlage fehlt und sich ihnen der Kopf mächtig aufgebläht hat auf Kosten des Herzens oder noch darunter Liegendem.
Aber was man ja nicht leugnen können wird, ist, dass wir Menschen Gefühlswesen sind und keine Roboter, die einfach nach bestimmten Vorgaben funktionieren. Und das ist, nach meinem Empfinden, auch gut so, wollen wir das Menschsein nicht aufgeben. Allerdings sind eben Gefühle nicht regulierbar, und die von Dir erwähnte Impulskontrolle wird nur dort funktionieren, wo Gefühle eher Flachwasser sind.

Nicht falsch verstehen! Mir tut die TE auch leid, aber dennoch kann ich den Mann, den es offenbar schwer erwischt hat, auch nicht verurteilen. Die Liebe ist, was sie ist - irrational von Grund auf ...

x 1 #101


C
Zitat von JoLu:
da hab ich auch Angst, dass ich dann völlig zusammenbreche.


wie wäre es statt dessen mit lesen?

"Wenn der Partner geht" von Doris Wolf.

Das Buch ist nicht umsonst ein Klassiker und hat schon vielen geholfen.

x 2 #102


Heffalump
Zitat von Taja1976:
Man schmeißt doch nicht direkt alles hin.Ich kann sowas nicht verstehen


Jeder wirft alles überall weg. Wir vermüllen den gesamten Planeten und nur weil zwei drei Länder seit ein paar Jahren versuchen damit aufzuhören, ist bei weitem noch nicht bei jedem angekommen.


es ist zehnmal leichter was neues zu erwerben als das Alte zu reaktivieren. Vielleicht hat er mal was versucht und du hast es nicht mitbekommen.

x 1 #103


Stella31
Zitat von JoLu:
Es tut so unfassbar weh…ich bin so unfassbar kraftlos. Ich wusste nicht das man so ein extremes Wechselbad der Gefühle hintereinander weg haben kann…Trauer, Wut, Verzweiflung, Hass
( vor allem auf sie), Scham, Ich würde so gern den Aus-Knopf finden.

Hallo JoLu,
ich kann dich so sehr verstehen!
Es ist ein totaler Schockzustand, in dem du gerade bist.
Das auch noch an Weihnachten, DEM Fest der Liebe und Familie!

Ich habe das, was du gerade erlebst, mit meinem Ex Mann zweimal erlebt.

Als ich mit unserem ersten Wunschkind schwanger war, ist er in eine psychosomatische Reha gefahren.
In der einen Woche, wo ich mit meiner Mutter Urlaub gemacht habe, hat er dort eine Frau kennengelernt und war dann wie ausgetauscht.
Ich hab ihn nicht wiedererkannt.

Es kam mir vor wie eine total verfrühte Midlife-Crisis, allerdings war er damals Ende 20.
Anstatt Kinderwagen zu kaufen, kaufte er ein Motorrad, holte sich Inliner.

Ich fand einen Brief, den sie ihm schickte, indem stand, sie könnten doch gemeinsam UNSER Kind aufziehen.
Ich hab anstatt zuzunehmen, mehrere Kilo abgenommen und war fix und fertig.

Noch heute habe ich Schuldgefühle meiner Tochter gegenüber, sie nicht so im Mutterleib hab versorgen können wie es hätte sein sollen.
Obwohl ich ja nun gar nichts dazu konnte.

Damals kämpfte ich um unsere kleine Familie und er war dann nach und nach wieder zurück bei mir.
Erst als er mir wieder sicher war, fing ich stark an zu zweifeln.

Ist es wirklich das, was ich will?

Aber die Zeit verdrängte meine Gedanken. Wir erlebten viele gute Sachen miteinander und bekamen ein zweites Kind.

20 Jahre später musste er wieder zur Reha und in mir keimten die alten Zweifel auf.

Vorher sprach ich ihn vorsichtig darauf an,dass sich das von vor vielen Jahren hoffentlich nicht wiederholt.
Er wurde sehr wütend und meinte, er hätte sich doch wohl weiterentwickelt.

Tja, was soll ich sagen:
Meine Tochter und ich besuchten ihn ein Wochenende, fuhren montags zurück und Dienstag lernte er eine Frau kennen.
Ich bemerkte alles sehr schnell.
Nachdem er zuhause war, zog er direkt ins Gästezimmer.
Mit der Frau ging nichts weiter, aber das hat das Ende unserer Ehe eingeleitet.

Hier wurde schon sehr viel Wahres geschrieben über Rehas, Verbundenheit durch Mitpatienten, zweiter Frühling usw.

Wahrscheinlich ist es eine Phase, die dein Mann durchmacht.

Aber was er dir und euren Kindern antut, ist so schwerwiegend, dass es auf jeden Fall sehr große Narben hinterlassen wird.

Niemand kann dir genau sagen, was du auf die Dauer am besten tun kannst.
Alles sind Angebote und Möglichkeiten!

Hier im Forum gibt es irgendwo auch einen Strang für akute Hilfe bei Liebeskummer. Der ist echt gut!

Wenn du nicht zu deiner Schwiegermutter möchtest, dann kannst du es formulieren.

Wenn du gerade nicht mit deinem Mann sprechen willst, dann lass es!

Keiner kann von dir im jetzigen Zustand erwarten, dass alles so läuft, wie die anderen es sich vorstellen.

Horch in dich hinein!

Was tut dir gut?
Allein sein oder mit jemandem sprechen, sich ablenken, heulen, spazieren gehen, den Wald anschreien.

Was auch immer es ist, mach das!

Und lass dich nicht von deinem Mann steuern.
Der ist in seinem Hormonrausch nämlich ähnlich Denk- und Handlungsunfähig wie du. Nur leider auf eine ganz andere Art als du.

Gerade wenn deine Tochter zu ihrem Freund fährt, um von ihm ein bisschen aufgefangen zu werden, hast du vielleicht einige Möglichkeiten, um Selfcare für dich zu tun.

Vielleicht kannst du zu einer Freundin, evtl auch über Nacht.

Spüre in dich hinein!
Was tut dir gerade gut?

Ich fühle mit dir!

x 13 #104


B
@Rheinländer
Ich kann deine Antwort nachvollziehen. Ich selber habe den Kollegen schon sehr lange auf den Index gesetzt. Denn: zum einen funktionieren offene Beziehungen nicht wie von ihm propagiert und zum anderen finde ich die Art im Sinne von: noja, dei Mann ist gerade in anderen Gefilden unterwegs, gönnen ihn das Vergnügen, vorsichtig ausgedrückt: unsensibel.
Es muss einfach betont werden dass offene Beziehungen nur dann funktionieren können, wenn die Stammpartner die Spielregeln abgesprochen haben.
Im übrigen sind bei einem Betrug zwei Punkte wichtig: das eine der fremdseggs, das andere aber die eigenmächtige Entscheidung ohne Rücksicht und Rücksprache. Das ist meiner Erfahrung nach das Hauptproblem, welches auch bei einer offenen Beziehung zum Thema wird. Vertrauensbruch ist kein Kavaliersdelikt
Eine Öffnung der Ehe einer betrogenen Person vorzuschlagen ist maximal respektlos, aber auch der Grund verkehrte Zeitpunkt darüber zu sprechen.

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