Servus LeTigre,
ich wünsche Dir heute in jedem Fall einen super schönen Tag, der Dich inspiriert und lehrreich ist!
So, ich schreibe hier mal etwas, von dem ich nicht weiß, inwieweit das für Dich relevant ist oder du damit etwas anfangen kannst. Wenn Du feststellst, nee so gar nicht mein Ding, dann lass es stehen und kümmere Dich nicht weiter drum.
Ich fange mit diesem hier an:
Zitat von LeTigre: Er sagte, dass er ein Jahr nach dem Tod seiner Ex dachte, dass er langsam wieder anfangen sollte zu daten. Dann aber festgestellt hat, dass es doch noch nicht geht und er eben auch nicht verliebt in sie war. Ich würde sogar fast sagen, dass er Immer noch nicht soweit ist. Ihn scheint das Thema mit dem Tod nachhaltig sehr mitgenommen zu haben. Er hat seine Freundin ja die ganze Zeit betreut, ihr Spritzen gegeben, sich um ihre Kinder gekümmert etc. Das hat ihn wohl sehr geprägt. Das kann ich auch verstehen und ich hatte schon Am Anfang unserer Beziehung überlegt, ob er das wirklich mit mir schon kann. Er hat ja nie eine Therapie gemacht.
Ich denke wir sind uns beide darüber einig, daß ist für jeden Menschen einfach viel. Seine Entscheidung, daß nicht therapeutisch bearbeiten zu wollen, ist seine Entscheidung und die kann man als Außenstehende nun mal einfach nur respektieren. Ich glaube fest daran, daß man zwar neben einem Menschen stehen kann und sagen, schau mal hier oder meinst Du nicht, daß, aber letztlich ist de Autonomie eines auf dem Papier erwachsenen Menschen immer und absolut zu respektieren.
Nach dieser schmerzhaften Erfahrungen hat er ein Jahr gebraucht und ist dann, wenn ich das richtig verstanden haben, auf die heutige Kindesmutter getroffen. Aus dieser volltrunkenen und kurzen, einmaligen Liaison ist dann seine Tochter entstanden.
Ich nenne das für mich selbst "Drama-Leben". Es gibt einfach Menschen, die scheinen, wenn man es von außen betrachtet, von einem Drama in das nächste zu rennen. Und das interessante daran ist, daß es, ebenfalls von außen betrachtet, dabei immer für sich genommen individuelle Situationen sind, für die der im Drama-Lebende eigentlich nichts kann, sondern erst die Aneinanderreihung der Situationen, dann das Bild des Drama-Lebens zeichnet.
Es ist nicht so häufig, aber es kommt doch immer wieder vor, daß Menschen auch schon in jungen Jahren den Verlust ihres Partners zu beklagen haben. Das ist tragisch, dennoch passiert es leider.
Es kommt hin und wieder vor, wenn auch nicht so häufig, daß aus einem ONS nach durchzechter Nacht, ein Kind entsteht, wobei ich Dich bitte, da auch noch mal faktisch drauf zu schauen. Die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft nach einem ONS ist nicht so hoch, wie wir allgemein annehmen (sich ne STD einzufangen geht weitaus, weitaus schneller). Es muß zunächst in dem einen 24stündigen Zeitfenster passieren und er war zwar sehr betrunken, aber nicht so betrunken, daß er nicht mehr gekonnt hätte.
Ich will Dich also darauf aufmerksam machen, daß Dein Noch/Nichtmehr-Freund in unmittelbarer Abfolge Teil von nicht einer sondern zwei nicht besonderes häufig vorkommenden Situationen war. Und allein mathematisch, ist das nicht einfach nur doppelt so unwahrscheinlich, sondern, da beides selten vorkommt, ist die Wahrscheinlichkeit dann noch mal deutlich geringer.
Im Gegensatz zu vielen hier, zweifele ich seine Geschichte nicht an, ich kann aber nachvollziehen, was die anderen meinen. Meine "Erklärung" ist das Phänomen "Drama-Mensch".
Man kann vom "Gesetz der Anziehung" halten was auch immer man möchte, ich persönlich bin eine große Verfechterin, vom am Boden der Tatsachen liegt eindeutig zu wenig Glitzer, mehr Glitzer bitte, aber bei esoterischem Manifestationsgeschwurbel und Moodboards wünsche ich anderen viel Glück, steige aber gerne in ein anderes Karussell. Nichtsdestotrotz, gibt es einfach Menschen, die tatsächlich unter dem Sternzeichen Hans im Unglück mit Aszendent Opferabo geboren wurden.
Worauf will ich hinaus?
Zwei Dinge: Ich glaube, daß "Drama-Menschen", obwohl es zunächst nicht so scheint, einen deutlichen eigenen Anteil haben. Das meine ich nicht so a la selbst schuld oder jeder ist seines eigenen kapitalistischen Glückes Schmied, sondern eher so wie eine besonders dramatische aber unbewusste Ausprägung von dem was Psychologen als Reinszenierung (Re-enactment) beschreiben bzw es funktioniert so ähnlich. Selbstverständlich gibt es Glückskekse und Unglücksraben unter uns Menschen, aber ich finde es schon sehr auffällig, daß bei Noch/nicht-mehr-Freund kurz hintereinander zwei Szenario geschaffen wurden, für deren Entstehung er eigentlich nichts kann (Erkrankung der Partnerin, ungewollte Schwangerschaft), die dann aber ihn zur Verantwortungsübernahme (moralisch bzw emotional) zwingen.
Das ist jetzt nicht gerade die Bananenschale auf der man ausrutscht.
Ohne Bearbeitung der eigenen Anteile, bleiben "Drama-Menschen" eben solche und weil das Drama objektiv nie durch diese verursacht wurde, ziehen sie alle um sich herum in das Drama hinein.
Zweitens: So wie Drama-Menschen Anteile haben, haben auch die Menschen, die sich von den unbewusst freiwilligen Unglücksraben angezogen fühlen, Anteile.
Was die im einzelnen sind, ist individuell. Da kommen Rettergedanken zum tragen, weil man die Mutter/denVater nicht hat retten können oder eben sich selbst (!) nicht als Kind, das können irrtümlich verstandene Ideale sein oder, oder, oder.
Wie ich darauf komme? Ich nehme mal, die Geschichte hier, man lernt jemanden kennen, der hat seine Partnerin gepflegt (was ist eigentlich aus deren Kinder geworden, gibt es da noch Kontakt) und dann doch verloren, da war auch Deine erste Überlegung, naja mal schauen, inwieweit der sich davon schon erhält hat, dann packe ich da die Geschichte mit der Annäherung zu seiner inzwischen dreijährigen Tochter drauf und mit welcher Naivität er sich das da so vorstellt. Dazwischen hat er das Kennenlernen deines Kindes auch nicht so super hinbekommen, was glaubst Du, wäre eine angemessene Reaktion eines reifen, stabilen, erwachsenen Menschen?
Freundschaft und Unterstützung, so weit das eben möglich ist, nach Begutachtung des eigenen Gefühlshaushaltes (wenn man verliebt ist, geht das eben am Anfang nicht), an einer Liebesbeziehung in diesem Moment weiter festhalten wollen? Sicher nicht.
Meiner bescheidenen Meinung nach und es ist nur eine Meinung geht es Dir nicht nur um Liebesgefühle, sondern Du glaubst auch, Du könntest helfen, da rennt auch eine Verantwortungsnummer und vielleicht auch ne Übertragung (Du scheinst sehr emotional involviert, was seine Tochter angeht und es ist möglich, daß Du Dir für Dein Kind etwas anderes gewünscht hättest oder es vielleicht auch um dein inneres Kind geht, alles möglich nur Anregungen).
Mir geht es um zwei Dinge, wenn wir auf Drama-Menschen in unserem Leben treffen (tun die meisten von uns mal), dann geht es nicht um Liebesbeziehungen sondern es geht darum, daß wir etwas lernen sollen oder geprüft werden, ob wir etwas gelernt haben, was unserer Entwicklung und unserer Reife dienen soll.
Wie gesagt, wenn das alles gar nix für Dich ist oder nur Geschwurbel, lass es stehen, nicht jedes dahergelaufene Internet-Eichhörnchen muss man in irgendeiner Weise Ernst nehmen.
Hab einen wirklich tollen Tag.