Zitat von Julian95:Nur weil ich genervt gesagt habe soll sie mich lieber nicht treffen, wenn sie kein Bock auf mich hat, weil ich das merke
Du misst mit den Maßstäben einer 'normalen' Beziehung. Du kannst mit einem traumatisierten Menschen keine 'normale' Beziehung führen. Das ist schlicht nicht möglich. Da gelten ganz andere Spielregeln.
Natürlich hast auch Du ein Recht, Dich abzugrenzen, keine Frage. Das war das, wovor Dich einige hier gewarnt hatten - Du müsstest sehr sehr viel und auf unbestimmte Zeit zurückstecken. Und hättest den Ist-Zustand akzeptieren müssen. Ohne den Anspruch, Fortschritte zu bemerken. Ohne den Anspruch, dass sie reden sol. Dass sie etwas probieren soll. Dass ihr das nicht mehr geheim haltet. Dass sie reden soll.
Du hast sie mit deiner Aussage, dass Du genervt bist, wieder unter Druck gesetzt. Sie hatte davor schon begonnen, sich von Deinem Druck zurückzuziehen.
Zitat von Julian95:irgendwann hält man es eben nicht mehr aus.
Absolut nachvollziehbar. In einer Beziehung mit ihr hättest Du es aushalten müssen. Das kann nicht jeder, und ist auch kein Zeichen, dass Du es nicht ernst genug gemeint hast, oder so. Ich würde auf unbestimmte Zeit meine Bedürfnisse nicht zurückstellen wollen.
Zitat von Julian95:frage mich was sie gerade denkt. Wahrscheinlich nichts. Aber so eiskalt kann doch niemand sein...
Sie ist vermutlich froh, dass sie den Druck, den Du ihr gemacht hast, nicht mehr spüren muss. Sie hat das Gefühl, wieder etwas freier zu sein. Gleichzeitig ist sie vermutlich auch einsam und traurig, denn oft sehnen sich solche Menschen nach Nähe. Können sie aber gleichzeitig durch das Trauma Nähe nicht zulassen. Das ist das widersprüchliche an ihrem Verhalten. Wofür sie nichts wirklich kann.
Zitat von Julian95: ich war sauer, dass sie nicht sagt dass sie nicht möchte. Man man das doch und hätte sprechen können, wie man weitermacht.
Naja, Du hast wieder Druck gemacht, dass sie REDEN soll. Das erträgt sie nicht. Sie will sich nicht mehr zwingen lassen müssen. Du gehst mit einer, wie ich finde, recht normalen Einstellung daher. Das funktioniert bei einem traumatisierten Menschen aber nicht.
Vielleicht hilft Dir ein Vergleich beim Verstehen ein bissel:
Ihre Psyche ist an einer Stelle gebrochen, wie das Wagenrad einer Kutsche. Sie hat es versucht, selber zu flicken, ist aber kein Profi. Das Rad ist furchtbar instabil. Sobald Du es auch nur einen Hauch zu viel belastest, bricht es erneut. Und muss wieder geflickt werden. Und ist schlimmstenfalls noch weniger belastbar. Du bist jetzt mit dem kaputten Rad etwas langsamer über den Feldweg des Lebens gefahren, als Du es mit einem neuen, ganzen Rad getan hättest. Die Belastung war trotzdem zu viel. Du hättest noch seeeehr viel langsamer fahren müssen, wenn das Rad den Weg hätte überstehen sollen. So langsam, dass Du das vermutlich gar nicht ausgehalten hättest, weil man ja auch vorwärts kommen will.
Gib ihr nicht die Schuld dafür und hasse sie nicht. Auch wenn Du allen Grund hast, Liebeskummer zu haben. Du darfst natürlich auch sauer sein und traurig. Vielleicht solltest Du das Buch, was Dir empfohlen wurde, trotzdem lesen, auch wenn die Sache vorbei ist. Vermutlich verstehst Du dann einiges besser und kannst entsprechend auch besser abschließen.