Zitat von Vienne: Nicht nur Männer ...man nimmt Rücksicht... zeigt Verständnis...und dann ist man mittendrin... entschuldigt, rechtfertigt aufgrund der Störung...
Ja, auch ein sehr menschlicher und empathischer Mechanismus. Er kann ja nichts dafür, wer weiß, was ihm zugefügt wurde? Ich muss Verständnis zeigen, die kalten Phasen aushalten, auch wenn ich selbst Höllenqualen leide, die sich auch Verlustangst nennen. Ich muss das akzeptieren und ich hoffe einfach. Auf eine Besserung die nicht eintritt. Nicht heute, nicht morgen, nicht übermorgen.
Lieber alles hinnehmen, alles aushalten, alles aussitzen. Und bestimmt werden meine Nachsicht, mein
Verständnis, meine Geduld, meine unumstößliche Liebe, die man auch emotionale Abhängigkeit nennt, irgendwann belohnt. Ganz sicher. Nein, ganz sicher nicht.
Es hätte sich nie was geändert, ich wäre nie glücklich geworden mit ihm und ich hätte nie eine stabile Beziehung geprägt von gegenseitiger Achtung mit ihm führen können. Das fand nur in meinem Kopf statt, aber Träume sind ja auch ein Mittel, damit fertig zu werden.
Und dann änderte sich doch was. Er trennte sich. Von heute auf morgen, zu einer Zeit, in der ich mir einbildete, wir hätten das Schwerste jetzt überstanden. Wir wären zusammen geschweißt worden, denn auch Krisen verbinden zwei Menschen.
Nein es gab keine Rückkehr und das war mir klar und insgeheim wusste ich auch, es war das einzig Richtige. Denn ich hatte längst mein eigenes Leben verloren. Alles drehte sich um ihn,wie war er heute, wie morgen, wie gestern`? Ach, die vielen Probleme, werden wir die iwann lösen? Wenn ich nicht mit ihm zusammen war, was meist der Fall war aufgrund der Fernbeziehung, dachte ich an ihn.Fast ausschließlich.
Freundinnen? Ach die, was interessieren sie mich. Die haben ja keine Ahnung mit ihrem Schmalspurleben. Aber mein Leben war hochspannend. Stressig,aber auch spannend. Kein Gleichmaß, keine Vorhersehbarkeit. Und genau das hielt mich bei ihm. Irgendwie war ich süchtig nach dem ständigen Auf und Ab und wertete andere ab. Die wissen ja nichts, aber wir, wir haben ganz besondere, einzigartige Probleme. Dabei war es nur die langweilige Choreographie, die zwei bindungsschwache Menschen aufführen Ein Schritt vor, zwei zurück, einmal im Kreis herum und wieder von vorne. Das kann man in vielen Beziehungsratgebern lesen. Es ist nicht einzigartig, es ist das Normale, an das man sich gewöhnt hat, nur dass das Normale eben ein Auf und Ab ist.
Was interessierte mich denn noch außer ihm? Nicht viel, ehrlich gesagt. Hinterher fand ich das beschämend, als ich mich selbst ansah. Wie hatte ich mich vereinnahmen und instumentalisieren lassen? Wieso hatte ich ihm alles nachgesehen und ihn immer noch glorifiziert? Warum hatte mir alles gefallen lassen? Kaltstellen, Abwertung, Distanz, dann wieder Liebe. Oh, wie schön ist die Nähe, die will ich immer haben. Aber beim Wollen blieb es.
War ich seine Marionette? Ja und diese Erkenntnis traf mich tief. Aha, so sieht es also aus. Ich war doch eine selbstbewusste, lebensfrohe Frau? Ja, von außen betrachtet schon aber innen sah es anders aus. Jämmerlich, verzagt, ängstlich.
Ich musste lernen diese Schattenanteile in meinem Wesen zu integrieren, meine Schwachheit sehen, meine Ängste anschauen., Es war alles ein ungeliebter Teil von mir, den ich aber nun sah. Und akzeptieren musste. Was blieb mir denn anderes übrig? Ich konnte ja nichts ungeschehen machen. Es war meine Wahl gewesen und nun hatte ich den Salat. Ihn verloren, mein Selbstbild im Wanken, stattdessen das Gefühl der Wertlosigkeit.
Ich söhnte mich irgendwann damit aus. Das alles hatte Gründe die in meiner Biografie lagen und vieles war mir übertragen worden ohne dass ich es jemals merkte.
Seit ich diese Schattenseiten kenne, kann ich besser damit umgehen. Und men Wert ist nicht davon abhängig, ob ein Mann mich liebt oder eben nicht. Ich bin in Ordnung, nicht besser, aber auch nicht schlechter als Andere. Ich bin ich und kann mich nicht anders machen als ich bin.
Aber dass ich mich nochmals von einem Mann so behandeln lasse, ist Geschichte. Das weiß ich definitiv, denn ich weiß jetzt mehr über mich und meine Fallstricke Bescheid.