Zitat von Vienne: Allerdings entwickelte es sich da hinsichtlich Freunde bei mir anders...sie waren mir immer wichtig...im Gegenteil, ich habe ihn da Stück für Stück immer weiter ausgegrenzt...ich wollte ihn da gar nicht mehr integrieren. Meine Bereitschaft sank immer mehr, ihn irgendwie teilhaben zu lassen, da er mich in sein Leben auch nicht ließ
Wir hatten nie gemeinsame Freunde, denn ich war ja die heimliche Affäre. Ein Grund mehr für ihn, mich aus seinem glänzenden Leben draußen zu halten, aber selbst wenn ich nicht die Affäre gewesen wäre, wäre ich nie ein Teil seines Umkreises geworden. Und umgekehrt auch. Bindungsvermeider sind so. Sie treten bevorzugt als Solisten auf.
Aber ich hatte während dieser Zeit keine richtigen Freunde. Ein paar Bekannte, lose und gelegentlich. Und ich hatte kein Bedürfnis danach, denn ich war ja beschäftigt - mit ihm nämlich. Hat man seinen Lebensinhalt gefunden, braucht man nichts anderes mehr. Das ging so allmählich und automatisch, dass es mir erst hinterher bewusst wurde.
Kurz nach der Trennung etablierte sich ein kleiner Frauenstammtisch und zufällig war ich dabei - und blieb. Ich sprach nie über ihn und diese Beziehung, aber der Kontakt mit diesen Frauen, der im Lauf der Zeit enger wurde, wurde wertvoll für mich. Auch zur Ablenkung, aber nicht nur, denn ich nahm wahr, auch in andere Leben läuft nicht alles rund. Überall gibt es mal Kummer und Sorgen. Und manchmal lagen wir vor Lachen halb unter dem Tisch. So was baut Frust ab..
Ich verdanke diesem Mann viel, was er nicht weiß. Denn nur durch ihn fing ich erstmals bei mir an und schaute mir meine seltsame Biografie näher an. So viele Zufälle gibt es nicht. Es wiederholte sich etwas in meinem Leben, was mir vorher auch nie aufgefallen war.
Es stimmte alles, was mir der Therapeut seinerzeit erzählt hatte. Wenn sich was im Leben wiederholt, liegt genau dort der "Hase im Pfeffer" und man sollte das genauer anschauen. Denn schmerzliche Wiederholungen sind die Sprache der Seele, die uns darauf stossen will, dass wir das bitte mal beachten und regeln sollten, anstatt zu glauben, das nächste Mal wird von selbst alles besser. Wird es nicht, weil wir uns die dunklen Seiten in uns nie angeschaut haben. Daher wiederholen sich eben auch schrottige Beziehungen mit auffällig oft auftretenden Mustern.
Daher lache ich immer, wenn Jemand schreibt, mit wurde klar, was ich alles falsch gemacht habe und ich habe mich geändert und das innerhalb von 4Wochen. Aha, das geht ja schnell! Wofür andere Monate und Jahre brauchen, geht es bei manchen innerhalb von Wochen.
Und der Th. hatte auch gesagt, niemand kommt umsonst in unsere Leben. Es kommen manchmal problematische Menschen, mit denen wir umgehen müssen, in einer Beziehung bleibt das nicht aus. Auch diese Menschen kommen, weil sie uns genau spiegeln, wo die eigenen Probleme sind.
Ich habe viel gelernt durch ihn, ich fühle mich seit dieser Sache irgendwie "geerdeter", fester im Leben stehend und nicht mehr wie ein Wesen mit Sprungfedern an den Füßen, das mal hierhin, mal dorthin springt und nirgends lange bleibt.
Später sagte ich mir: Es ist gut, dass er kam, es ist besser, dass er ging.
Und mir fiel, als die Ablösung, die bestimmt zwei Jahre gedauert hatte, bis ich ganz clean war, immer mehr auf, wie energieraubend und anstrengend das alles gewesen war. Dann lehnte ich mich erleichtert zurück, atmete mehrmals tief durch und sagte: Gott sei Dank es ist geschafft, es kehrte wieder Ruhe ein.
So gesehen, ist die Bilanz dieser Erfahrung gar nicht so schlecht ....