@rudi333
Zitat von rudi333: Es entwickelte sich eine Freundschaft unter Männern. Soweit, so gut. Er war verheiratet und hatte 2 Kinder im Grundschulalter, die Frau studierte noch, mehr wusste ich aus seinem Privatleben nicht.
Wenn wir uns trafen, dann meist aus geschäftlichen Gründen, die Familien blieben außen vor.
Klingt für mich eher nach einer losen Bekanntschaft unter Arbeitskollegen, die auch privat mal was zusammen unternehmen.
Für eine Freundschaft war da (noch) zu wenig Nähe, Offenheit und Anteilnahme am Leben des anderen.
Zitat von rudi333: Dies intensivierte unsere Freundschaft weiter, ich half, wo ich konnte.
Und so wurde aus einer losen Bekanntschaft eine Zweckbekanntschaft.
Zitat von rudi333: Nach und nach merkte ich dann aber, dass er hier und da nicht die Wahrheit erzählte, und sich gerne mal besser darstellte. Ich war oft der seelische Papierkorb, wenn Ihr versteht, was ich meine.
Lügen geht gar nicht. Flunkern - naja. Aber bitte in gesunden Grenzen (was dann wieder Interpretationssache ist, geschenkt).
Was den Papierkorb betrifft - ich verstehe das so, daß er Dir ständig von seinen Problemen erzählte, während Du ihm Deine erspart hast. Oder vielleicht auch akut weniger Probleme hattest als er, in jener Zeit zumindest.
Natürlich sollten Freunde auch mal bei Problemen zuhören und wenn sie dann auch noch gute Tipps haben oder praktisch mit anfassen (je nachdem, was anliegt): Fein. Zum Dauerzustand werden sollte das aber nicht und das Ganze sollte wenigstens bereitschaftstechnisch auf Gegenseitigkeit beruhen. Man muß deswegen keine Erbsen zählen, aber das Verhältnis hat fair zu bleiben (was dann einmal mehr Interpretationssache ist, auch geschenkt).
Zitat von rudi333: Positiv muss ich erwähnen, dass er mir auch eine große Stütze war, als die Affäre meiner Frau ans Licht kam.
S. hierüber: Stand das in einem angemessenen Verhältnis? Oder hast Du ihm jahrelang regelmässig geholfen und er hörte Dir jetzt zweimal zu? (Ich übertreibe bewußt und erwarte mir auch keine direkte Antwort. Soll nur zum Nachdenken sein.)
Zitat von rudi333: Den ersten richtigen Knacks bekam die Freundschaft allerdings, als ich mit gepackter Tasche bei ihm aufschlug, und Abstand von meiner Frau brauchte. Er hatte mir das mehrfach angeboten, ich könne jederzeit (Tag und Nacht) kommen. Und plötzlich war da diese Kluft zwischen Worten und Taten.
Da ich niemandem zur Last fallen möchte, akzeptierte ich das aber.
Mir fällt gerade der Film "Ein seltsames Paar" (Walter Matthau/Jack Lemmon) ein. Bzw. die Serie "Männerwirtschaft". Also wie selbstverständlich Oscar seinen
Freund Felix bei sich aufnahm, nachdem dessen Frau dem die Ehe gekündigt hatte. Auch wie besorgt die
Freunde ihn gemeinsam suchten, als er mal nicht zum freitäglichen Kartenspielabend auftauchte.
So wie Dein "Freund" hingegen verhalten sich Zweckbekannte. Was ja an sich nichts Schlimmes ist - solange beiden der Unterschied - und damit auch der Erwartungsrahmen - klar ist und bleibt.
Derartige Freundschaftsdienste ohne Not anzubieten ohne es ernst zu meinen, gehört sich nicht, da es falsche Erwartungen weckt. Man sollte andere schon wissen lassen, woran sie mit einem sind. Verständlich, daß Dein Bild von ihm und Eurer "Freundschaft" da einen gehörigen Knacks bekam. Aber spätestens hier hättest Du gedanklich eine Schublade runterziehen sollen.
Auch ich wäre enttäuscht gewesen. Hätte es hingenommen - aber mich dann allmählich zurückgezogen und den Kontakt schließlich einschlafen lassen. Aber das Wort "Freundschaft" wäre für mich ab da im Kopf gestrichen gewesen. Sein Verhalten hätte ich spätestens jetzt begonnen zu spiegeln.
Zitat von rudi333: Dann wurde seine Unpünktlichkeit (die gab es immer schon) und Unzuverlässigkeit allerdings immer gravierender. Was sonst immer klappte, wurde nun kurzfristig immer verschoben oder ganz gecancelt. Der Kontakt blieb, jedes seiner Probleme landete bei mir per Whatsapp oder Anruf. Ich habe sehr viel geholfen, auch einen finanziellen Engpass bei ihm überbrückt. Dennoch warf er mir vor, ich wäre emphatielos.
Würde mich selbst bei losen Bekannten veranlassen, den Kontakt einschlafen zu lassen. Denn Zeit für Termine, die immer wieder platzen - die nehme ich mir nicht, dafür ist meine zu knapp.
Jemand Empathielosigkeit vorzuwerfen - da kann er Dich auch gleich als Monster bezeichnen. Warum gibst Du Dich weiter mit jemand ab, der so über Dich denkt? Ich finde das echt unverschämt, denn Du warst für ihn da - er war derjenige, der sich in der Stunde Deiner Not als höchst empathielos erwiesen hatte. Spätestens jetzt hättest Du ihm das auch mitten ins Gesicht sagen und ihm dann auch gleich den Kontakt kündigen können.
Ob er das versteht oder nicht, kann Dir egal sein - sein Problem. Hauptsache, er ist raus aus Deinem Leben.
Zitat von rudi333: Nun hatten wir uns gestern eigentlich zu ner Runde wandern verabredet für den Nachmittag und er wollte dann was kochen, was sein neues Hobby ist. Früh hatte er einen Termin beim Arzt. Danach wollte er einkaufen. Nun bekam ich gestern Mittag von ihm einen Anruf, er hätte 3 h im Wartezimmer warten müssen und er wolle heute nichts mehr machen. Ich solle nicht kommen. Ich war wie vor den Kopf geschlagen, hatte mir meine Arbeit so zurechtorganisiert, dass der Nachmittag frei ist.
Natürlich können Arzttermine unverhofft länger dauern und auch anstrengender werden als angedacht. Aber eben weil man sowas eigentlich auch vorher (grundsätzlich) weiß, wäre es an ihm gewesen, eine klare Ansage zu machen à la :
"Du, falls das beim Arzt länger werden sollte, kann es sein, daß es dann doch nicht klappt. Wäre das für Dich o.k. - oder wollen wir uns einen anderen Tag ausgucken dafür?"Zudem fällt aber einfach auf daß Du im Zitat weiter oben schreibst, daß es sonst
immer geklappt habe. Es ging also nicht ums Können, sondern ums Wollen - bzw. es lag an geänderten Prioritäten und solche Entscheidungen trifft man bewußt und das vor allem gegenüber Leuten, bei denen man eh nicht mit Konsequenzen rechnet (was wiederum Dein Verantwortungsbereich war und somit ein Eigenanteil ist, den Du in Zukunft für andere Kontakte beherzigen kannst).
Zitat von rudi333: Was würdet Ihr tun?
Gar nix mehr. Ich wäre weg - und auf Nachfrage würde ich ihm auch ebenso klar sagen warum, wie er Dich von seiner Tür weisen konnte, als es ihm zuviel wurde mit Eurer "Freundschaft".