Hi, Rudi,
ich habe deinen Thread gerade gelesen und dabei einen sehr deutlichen Verdacht entwickelt, der das seltsame und unzuverlässige Verhalten deines Freundes erklären könnte.
Es hängt hiermit zusammen:
Zitat von rudi333: Ich bin auch erst sehr spät dahinter gekommen, dass er eine gewisse Abhängigkeit zu seiner Mutter hat (wohnt im Nachbarhaus). Da hat eine wirkliche Abnabelung offenbar nie stattgefunden und dem ist offenbar auch die Ehe zum Opfer gefallen.
Du spielst mehrfach auf die Mutter an und sagst ja auch, dass seine Ehe daran zerbrochen ist. Das scheint also etwas Gravierendes zu sein.
Auch schilderst du, dass die Mutter sich öfter in seine Angelegenheiten mischt und im Hintergrund die Fäden zieht. So ja auch beim Sorgerechtsstreit.
Ich kenne ein paar solcher Muttersöhnchen, die sich emotional und auch praktisch nie von der Mutter abnabeln konnten und das kann sehr verheerende Konsequenzen haben.
Zum einen, dass solche Leute sich gegen die Mutter nie wirklich durchsetzen können, sie andererseits aber auch "brauchen".
Das Ganze ist natürlich gleichzeitig massiv schambehaftet, weil sie ja wissen, wie so etwas nach außen wirkt und weil sie sich diese Blöße aus Scham nicht geben wollen.
Ich gehe hier also voll mit E-Claire mit, wenn auch vielleicht teilweise aus anderen Gründen als sie:
Zitat von E-Claire: Klingt für mich eher nach einem Versuch Scham abzuwehren.
Klingt für mich nämlich auch so.
Wenn er wirklich so ein Muttersöhnchen ist, würde das wirklich sehr vieles erklären.
Seine Unpünktlichkeit, seine Unzuverlässig, seine faulen Ausreden und anderes mehr.
Menschen, mit so einem massiven Abhängigkeitsproblem verhalten sich letztlich wie Leute mit Suchtproblemen: Sie versuchen es aus Scham zu vertuschen und lügen und hintergehen andere dabei manchmal mehr, als ihnen selbst bewusst ist.
Folgende Aussagen von dir passen in meine Theorie gut hinein:
Zitat von rudi333: Nach und nach merkte ich dann aber, dass er hier und da nicht die Wahrheit erzählte, und sich gerne mal besser darstellte
Dies zum Beispiel wäre ganz typisch.
Zitat von rudi333: Den ersten richtigen Knacks bekam die Freundschaft allerdings, als ich mit gepackter Tasche bei ihm aufschlug, und Abstand von meiner Frau brauchte. Er hatte mir das mehrfach angeboten
Und dies ebenfalls.
Wer weiß, was da im Hintergrund wirklich lief.
Vielleicht hätte er dich gern beherbergt, aber seine Mutter wollte es nicht.
Oder er hatte Angst, dass du bei so viel Nähe mitbekommst, wie sein Verhältnis zur Mutter wirklich ist. Vielleicht haben die beiden irgendwelche Rituale, von denen er nicht will, dass jemand sie mitbekommt.
Also wieder die Scham.
Auch bei dem Ereignis, das du hier schilderst, weißt du nicht, wie es wirklich war. Vielleicht waren es gar nicht drei Stunden Wartezeit beim Arzt, sondern die Mutter hat Anspruch auf ihn erhoben. In irgendeiner Form.
Das ist ihm natürlich dann stockpeinlich und er kommt dir mit halbgaren Ausreden.
Es würde überhaupt seine kurzfristigen Absagen und seine Unzuverlässigkeit erklären.
Ich erzähle dir das deshalb, weil ich selbst schon mal näher mit so jemandem zu tun hatte. Es ist im Nachhinein unglaublich, was da zwischen ihm und der Mutter in Wirklichkeit gelaufen ist. Und es ist unglaublich, was ich mir an Lügen und Ausreden angehört habe, bevor ich dahintergestiegen bin, wo der Hase wirklich im Pfeffer liegt.
Und der Hase lag verdammt tief im Pfeffer.
Wie gesagt: Es ist für deinen Freund (wenn es so sein sollte, wie ich denke) ein unglaublich schambehaftetes Thema und eins, mit dem er selbst nicht wirklich fertig wird.
Es scheint ihm nicht zu gelingen, sich aus diesem unguten Verhältnis zu lösen, denn sonst hätte er es sicher längst getan.
Mit all dem meine ich übrigens nicht, dass das alles eine Entschuldigung für deinen Freund ist und dass du dich weiterhin anlügen lassen soltest. Keineswegs.
Es ist mehr so als Erklärungsversuch gedacht, damit du das alles womöglich anders einordnen kannst und es nicht persönlich nimmst.