Ich bin hier sehr zwiegespalten, ehrlich gesagt.
Einerseits könnte ich mir langfristig keinen Partner vorstellen, der mit Dem/der Ex auf Urlaub fährt und im selben Bett liegt. Genauso wenig kann ich mir vorstellen, mit jemandem eine Beziehung zu führen, wo der Ex - ohne Perspektive auf kurzfristige Änderung - noch im gleichen Haus wohnt, dort Rasen mäht und die Krankenpflege übernimmt. Das klingt für mich wie eine Trennung ohne Trennung.
Andererseits scheint die Freundin loyal und eher harmonisch gestrickt zu sein, was für mich persönlich 2 sehr wichtige Werte sind. Nun hat sich das in eine Richtung entwickelt, wo beiden (Freundin und Ex) vielleicht gar nicht klar war, dass in ihrer Konstellation gar kein Platz für eine Beziehung mit neuen Partnern ist. Da geht es vielleicht weniger darum, andere nicht reinlassen zu wollen, als gar noch nicht realisiert zu haben, was das für einen Dritten überhaupt bedeutet. Die spielen dieses Spiel seit Jahren, dass sich das jetzt nicht von heute auf morgen ändern wird, das ist erwartbar. "Hey, danke dass du x Jahre für mich da warst, aber jetzt vertschüss dich bitte von jetzt auf gleich, weil ich hab grad jemand Neuen kennen gelernt!" So läuft das nicht und ich glaube, ich hätte da auch einen Loyalitätskonflikt. Etwas, das sich lange bewährt hat, eine tiefe Freundschaft, die sich ja durchaus entwickeln kann aus Ex-Partnerschaften, für etwas Neues, Unbekanntes unter Umständen an die Wand zu fahren - ich würde da auch intensiv nachdenken und nicht kopflos entscheiden. Ich glaube, sie denkt sehr wohl nach und sie wird halt auch unsicher sein.
Man kann als neuer Partner, finde ich, verlangen, dass sich das ändert. Aber man muss dieser Veränderung auch Zeit und Raum geben, und vor allem muss man miteinander kommunizieren.
Hier zu unterstellen, dass es um Machtspiele geht, das finde ich interessant. So wie der Schelm denkt, so ist er, nicht wahr? Ich hätte da jetzt eher Verzweiflung gesehen. Es ist doch demütigend, Sturm zu klingeln, wenn man weiß, der andere will einen nicht sehen. Auch respektlos, das stimmt, aber verzweifelte Menschen tun unvernünftige Dinge. Die Macht hat hier derjenige, der die Tür öffnet oder nicht. Meine Interpretation

Und es ist für den TE halt wichtig, in sich hineinzuhören, ob und wie viel Zeit und Raum er geben will. Das sehe ich vollkommen neutral, ohne dass man die Freundin dämonisieren oder als "Alte" abwerten muss. Sie hat ihr Leben, er seins, und jetzt lotet man in einer relativ frischen Phase aus, ob man kompatibel ist.