Zitat von GehenBleiben:Darf ich, moralisch betrachtet, meine Frau überhaupt verlassen, wenn ich doch genau weiß, dass ihr das psychisch den Rest geben wird?
Für mich wäre es eine Erleichterung, aber der gemeinsamen Zeit würde ich trotz allem nachtrauern.
Natürlich darfst Du das, um Himmels Willen!
Ganz ehrlich, ich könnte bei einigen der Kommentare hier platzen...
Ich glaube anhand deiner Worte, dass Du ein sehr gutmütiger Mann warst und bist, der überwiegend für andere da war, nur funktioniert hat, viel zu selten an sich gedacht hat und es allen rechtmachen wollte. Du hast trotz aller Zweifel hart gearbeitet und dich auch noch verschuldet, um deiner Familie ein gutes Leben zu ermöglichen. Du bist völlig zermürbt. Deine erwachsene (!) und scheinbar arbeitsscheue Frau hat sich hingegen nicht dazu verpflichtet gefühlt, dich zu unterstützen und dir entgegenzukommen, sie hat sich gut mit ihrer Krankheit eingerichtet und will daher nichts ändern, da sie ihre Passivität und Bedürftigkeit gut damit entschuldigen und für sich selbst aufwerten kann. Den Zahn musst Du ihr ziehen.
Du bist NICHT unmoralisch, böse oder egoistisch, wenn Du dich aus einer toxischen Beziehung löst, die eindeutig zu erkennende Anteile emotionaler Erpressung zu deinem Nachteil aufweist. Bitte google mal diesen Ausdruck "emotionale Erpressung" und prüfe, ob ich recht haben könnte. Emotionale Erpressung passiert oft unbewusst. Ziel dabei ist, sich in einer Weise zu präsentieren (schwach, krank, aufopfernd), dass dir Schuldgefühle kommen wenn Du dich nicht im Sinne des Erpressers verhälst. Er/Sie versucht, Dich in seine "Schuld" zu bringen. Ich komme darauf, da deine Frau dich auf Grundlage ihrer Krankheit auszunutzen scheint, sich als besonders schwach und therapieresistent gibt, damit du dich für sie verantwortlich fühlst, sie versorgst und sie selbst nichts ändern muss. Damit Du dich schuldig fühlst, zum "Täter" wirst, wenn Du sie verlässt oder die Unterstützung streichst.
Problem bei dem Spiel ist aber, dass sie selbst dabei immer weiter unter die Räder kommt, denn auch Frauen gehen ohne intelektuellen, geistigen und körperlichen Input durch Arbeit, Sozialkontakte und Aktivitäten vor die Hunde. Es kann also bei einem "weiter so" nur schlimmer werden. Du musst da raus, Abstand gewinnen und wieder in deinem Sinne leben, egal wie unmoralisch es die (plakativ gesprochen) konservative, erzkatholische Reihenhausfamilie nebenan finden würde. Deine Frau hingegen braucht den Schock der Trennung, um ihr verkrustets Selbstbild und ihre von deiner Fürsorge abhängigen Routinen aufzubrechen. Sie muss ins kalte Wasser, am besten unter Begleitung durch einen Therapeuten (Eheberater mach auch Trennungsbegleitung), denn das ist meiner Ansicht nach ihre einzige Chance auf mehr Gesundheit, Autonomie und zukünftige Lebensfreude.
Scheidungen sind heutzutage übrigens nichtmehr zwingend der Ruin für den Mann, da das Recht in einigen Bereichen modernisiert wurde. Die Frau wird auch vor Gericht allmählich als mündiger Mensch wahrgenommen und dementsprechend auch was Erwerbstätigkeitsaufnahme angeht, angemessen in die Pflicht genommen (Weiterbildung etc.). Falls mir hier gleich wieder verbale Radikalität voreworfen wird, ich bin von einer (nicht-männerfeindlichen) Feministin der alten Schule erzogen worden und von der absoluten Notwendigkeit gleichwertiger Rechte, gleicher Verantwortung und jeweiliger Autonomie in einer Beziehung/Ehe überzeugt. Ich bin selbst psychisch alles andere als gesund, daher weiß ich, dass JEDER sich helfen lassen kann. Manchmal reicht schon nur der Versuch, etwa einfach mal guten Willen zeigen und immer zur Therapie gehen, auch wenn es nicht viel hilft und man nie ganz gesund wird.
Das Leben ist einfach zu kurz, um unglücklich zu sein. Genieße es! Roman beendet
Viele Grüße,
Maria