Ich antworte mal, ohne mir die anderen Antworten durchgelesen zu haben.
Zitat von Babeth: Wenn er sich von ihr trennt, die eigene Wohnung bezieht, selbstständig wird und wir uns weiterhin freundschaftlich treffen, dann könnte es für mich sein, dass ich ihm die zweite Chance gebe.
Auf mich wirkt das wie ein Sicherheitspuffer, den Du Dir einrichten möchtest, in dem Glauben, dass Du Dich zu Eurer Situation - auch emotional - distanzieren kannst, um dann auch kognitiv zu überprüfen und zu sortieren. Allerdings glaube ich auch, dass das nicht funktionieren kann. Ich verstehe die Herangehensweise, aber ich sehe sie als Schutzidee, die höchstwahrscheinlich nicht funktionieren wird.
Für mich persönlich wäre es schon nicht möglich, mich in solch einem Kontext rein freundschaftlich zu treffen. Wenn ich jemanden liebe, dann liebe ich denjenigen, da kann ich mir auch nicht vormachen, das sei rein freundschaftlich. Sehnsucht, Begehren, Nähebedürfnis etc. sind für mich da immer mitanwesend und würden verhindern, dass ich das als rein freundschaftlich sehen und sich entwickeln lassen kann. Es würde einfach nicht funktionieren - wie gesagt: bei mir.
Zitat von Babeth: Natürlich kann sich auch dabei herausstellen, dass er ja nun alleine klar kommt und an mir kein Interesse mehr hat. Dann würden sich die evtl. Treffen ja mehr und mehr verflüchtigen.
Für mich ein schlimmes Szenario. Du schreibst es so als wäre es für Dich abgeklärt und eine okaye Entwicklung. Ich würde daran kaputtgehen. Zum Einen wäre der rein freundschaftliche Umgang miteinander für mich schon nicht machbar, dann auch noch vor dem Hintergrund der Verletzung durch das vorangegangene Fremdgehen. Und am Ende entscheidet er sich gegen mich, weil er kein Interesse mehr an mir hat? Das wäre für mich wie ein Tod auf Raten und absolut nicht denkbar.
Dann würde ich den Stachel lieber direkt ziehen und damit fertigwerden, mich aber nicht auch noch einem solchen Risiko aussetzen, das es für mich einfach wäre: ein Risiko der absoluten Verletzung nach vorangegangener Verletzung. Erst betrogen, dann mangels Interesses vollkommen abgelegt werden.
Nein. Da wäre ich mir wirklich mehr wert.
Zitat von Babeth: Meine Frage an euch. Könntet ihr euch so eine zweite Chance vorstellen? Zu geben oder zu erhalten?
Ich habe irgendwann mal für mich festgestellt, dass die zweiten und dritten Chancen, die ich gab, immer schiefgegangen sind, andernfalls hätten die Beziehungen nicht geendet. Die zweite Chance (und jede weitere) war allerdings immer eine Illusion, dass sich etwas ändern würde. Warum sollte es das? Wenn eine Beziehung erstmal endet, gab es schon diverse Chancen. Ich trenne mich nicht einfach so. Ich rede, bitte, versuche, warte, gebe. Und dann scheitert es vielleicht. Warum sollte es sich bei einer zweiten Chance ändern? Weil man gesehen hat, was man verloren hat? Weil das erst wehtun musste, bis man es begreifen konnte?
Das leuchtet mir nicht ein und ich finde es falsch. Wenn die Beziehung mit diesem Menschen mir nicht bedeutsam genug ist, noch beizeiten Dinge zu ändern, Kompromisse und Lösungen zu suchen, sondern erst dann Wert erhält, wenn sie einmal geendet hat, dann liegt der Wert nicht in der Beziehung selbst, sondern in etwas, das mir genommen wird und das wieder an Wert verliert, sobald ich es zurückbekommen habe.
(Wenn ich hier "ich" sage, meine ich "man".)
Eine Beziehung mit einem geliebten Menschen sollte für mich doch bedeutsam genug sein, dass ich sie erhalten will, was auch Pflege bedeutet, einen behusamen Umgang mit dem, was mir so lieb ist, damit es funktionieren kann. Nicht ein Wollen, wenn ich es weggenommen bekomme, wodurch die Beziehung erst ihren Wert erhält. Ist sie echt erst dann wertvoll genug, um daran festzuhalten? Nicht schon vorher, wenn sie mir noch nicht genommen wurde?
Ein Ende ist kein Ende, damit sich etwas ändert und es dann doch weitergehen kann.
Ein Ende ist ein Ende.
Ich gebe deshalb keine zweiten Chancen mehr.