Zitat von ElGatoRojo: Die bisherige Methode hat sich doch eigentlich bewährt? Ungeachtet dessen, dass eben auch Vätern in der Arbeitswelt mehr Freiraum für ihre Kinder haben sollten (oder sich nehmen sollten). Mit Töchtern habe ich keine praktische Erfahrung, sehe aber aus eigener Kindheit und der meiner Söhne, das Aufwachsen nur mit weiblicher Komponente (Kindergarten, Schule) auch eine gewisse Einseitigkeit wäre. Ansonsten - wie "neu"? Also eher mal konkret und in detaillierten Vorstellungen..
Wir reden da ein bissl an einander vorbei: Die altbewährte Methode, das zeigen Zahlen von Kinderwunschkliniken, bewährt sich längst nicht mehr so sehr. Eizellen einfrieren, befruchtete Eizellen einfrieren (wem gehören die nach der Scheidung, hübsches Thema), Eizellenspende, Samenspende, IVF, Leihmutterschaft (in Abgrenzung zu modern Slavery), Adoption, Pflegschaft.
Das deutsche Bild von Mutterschaft und dessen Nähe zur Religion und dem Mutterverdienstkreuz, was schon in Europa zum Teil ganz anders gedacht wird.
Mütter die in Mütterforen, andere kritisieren. Zuhause bleibende Mütter gegen Arbeitende. Kinderfreie Frauen gegen Kinderlose.
Helikoptereltern, Übermütter, abwesende Väter, Kindesentzug, attachment parenting, traditionell autoritäre Erziehung, Bindungstheorien. Kinderbetreuung versus "Fremd"Betreuung und Du kannst alles richtig gemacht haben oder wahnsinnig viel falsch, Resilienz ist das Zauberwort.
Für Feminismus ist kein Platz mehr, denn was wollen Frauen denn noch und die sind nun mal anders als Männer weil die kriegen die Kinder (...) es ist ein bissl komplexer als das.
Feminismuskritiker glauben bzw unterstellen, es gäbe einen Kampf zu führen, das kommt aus der linken Ideologie im Sinne des Arbeiterkampfs. Ich glaube worum es vor allem geht, ist Sichtbarmachung: nehmen wir mal das super kontroverse Thema gender-pay-gap. Die Grundlage ist, daß es tatsächlich lange Zeit üblich war, Frauen weniger für die gleiche Position zu bezahlen als Männern. Dann gab es schlaue Leuten, die die Existenz des Gender-pay-gaps leugneten, weil diese vorrechnen, daß die meisten Frauen weniger arbeiten (Kinderbetreuung, Vorliebe für soziale, traditionell schlecht zahlende Berufe, Teilzeit, schlechte Verhandlungsfähigkeiten von Frauen). An vielen der vorgebrachten Argumente ist etwas dran, aber an einer Sache kommst Du nicht vorbei. Wenn ich nicht weiß, was der Typ neben mir auf der gleichen Position verdient, weiß ich eben auch nicht, ob der gender pay gap existiert. Folge war zum Beispiel in Österreich, Stellenanzeigen müssen ein Mindesteinstiegsgehalt benennen, in anderen Ländern müssen Betriebe die Gehaltsstrukturen offen darlegen. So und wenn Betriebe transparenter agieren müssen, ist das ein Gewinn für alle.
Das Stichwort ist Sichtbarmachung. Wenn du darauf kommst, daß eine ganz bestimmte Gruppe von Menschen aufgrund eines zu identifizierenden Faktors, zB Kinderbetreuung, eine signifikante Einkommenseinbuße im Meridian über Lebenszeit hinnehmen muss, dann ist das strukturell. Dann heißt das, daß Du als Gesellschaft, da etwas zuungunsten einer Gruppe regelst. Wenn Du gleichzeitig als Gesellschaft feststellst, daß das früher ok war, weil Kernfamilien hielten und ein Durchschnittseinkommen, den Familienunterhalt abgedeckt haben, das jetzt aber so nicht mehr gegeben ist, hast du offenSICHTLICH ein Problem. Wenn Du das regelst, kannst Du je nach Lösungsansatz auch gleich für andere Gruppen bessere Lösungen schaffen, auch das Bild von Vaterschaft hat sich verändert. Väter möchten heute Teilhabe.
Jetzt kommen wir zu etwas, bei dem wir uns vielleicht in die Haare bekommen: ich glaube, daß es heute Veränderung für viele Gruppen braucht, sich aber eine Gruppe bisher, weil es nicht notwendig war, es man denen nicht beigebracht hat (bin mir da nicht so ganz sicher) aus dieser Diskussion immer wieder zurück zieht, weil diese strukturell bisher weniger Opfer zu beklagen hatten ode rum genau zu sein, schon genug Opfer zu beklagen hatten, aber nicht hinschauen und nun langsam hinschauen müssen.
Amokläufer sind meistens männlich. Im Moment bringen sich drei mal mehr Männer um, währenddessen Frauen signifikant häufiger als Männer die Diagnose Depression gestellt bekommen. Der erweiterte Suizid ist so lange auch Erwachsene (nicht nur Kinder) betroffen sind fast immer männlich. Männer leben kürzer, in Ehen etwas länger, am längsten leben alleinstehende Frauen

(go figure) und gehen deutlich weniger zur Vorsorge. Männer wachsen mit wenig(er) guten männlichen Rollenbildern auf und erst ganz langsam reden die über toxische Männlichkeit. noch immer beliebt sind PUA und MEGTOW, also daß was ich vorhin das Auslagern individueller männlicher Trauma auf Frauen genannt habe.
Eine Aufgabe des Feminismus ist da eine Grenze zu ziehen. Ich habe es gestern schon geschrieben, ich bin auch deshalb Feministin, weil es nicht mehr mein Job ist zwischen eine netten und einem gefährlichen Mann zu unterscheiden, sondern es ein strukturelles männliches Problem gibt, was nicht dadurch gelöst wird, daß Männer hingehen und sagen es wäre eh ois in Ordnung, es wäret nur wegen der doofen (dicken) Emanzen.
Feminismus macht sichtbar.
Zitat von ElGatoRojo: Letztlich ist mir das wirklich völlig gleichgültig, wie Leute ihrte Sexualität leben, wenn sie dadurch andere nicht schädigen.
Schau und da sind sie wieder diese nicht hinterfragten Glaubenssätze, diese Satz hättest Du aller Wahrscheinlichkeit gegenüber gleichgeschlechtlich1 von Männern in den Vierzigern, Fünfzigern oder so gar noch Sechzigern des vergangenen Jahrhunderts so laut nicht geäußert.
Auch für die freie Liebe hat es Feminismus gebraucht.