Ruttien
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youtube.com/watch?v=x3lypVnJ0HM
Es kommt zu dem Ergebnis, dass es sich nicht nur um Einbildung handelt, sondern es für Frauen tatsächlich einfacher ist. Was in dem Video allerdings nicht erklärt wird, ist, warum soviel mehr Männer Dating-Apps nutzen als Frauen. Die Frage, die sich auch noch stellt, ist, ob es einen Männerüberschuss nur bei Dating-Apps gibt, oder auch bei anderen Formen des Datings?
Hier lohnt sich ein Blick auf die Demographie. Jede Bevölkerungsstatistik bzw. Bevölkerungspyramide verrät: Es werden mehr Männer als Frauen geboren.
Siehe hier: de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_L%C3%A4nder_nach_Geschlechterverteilung
Das ist in jedem Land der Welt so. In einigen Ländern ist der Unterschied größer, in manchen kleiner. Aber überall werden mehr Männer als Frauen geboren. In Deutschland kommen auf 100 geborene Mädchen 105,5 geborene Jungen. Deutschland liegt da nah am weltweiten Mittelwert von 105,8. Umgerechnet sind 51,3% aller Neugeborenen männlich und 48,7% weiblich. Insgesamt, zumindest in Deutschland, gibt es zwar mehr Frauen als Männer. Dies ist jedoch auf die höhere Lebenserwartung von Frauen zurückzuführen. In der Bevölkerungspyramide sieht man es deutlich:
service.destatis.de/bevoelkerungspyramide/#!y=2023
Bis zu einem Alter von etwa 40 bis 45 Jahren gibt es in allen Jahrgängen einen Männerüberschuss. Danach folgen Jahrgänge mit ausgeglichenem Geschlechterverhältnis. Ab 60 Jahren gibt es dann einen deutlichen Frauenüberschuss, der so groß ist, dass er den Männerüberschuss in den jüngeren Jahrgängen zunichte macht.
Was sind jetzt die Implikationen für den Dating-Markt?
Hier das Ergebnis einer Studie von ElitePartner (Ich habe leider keine andere Statistik gefunden, die die Single-Quote aufgeschlüsselt nach Alter und Geschlecht angibt): elitepartner.de/magazin/finden/singles-in-deutschland/
Bei den Frauen zwischen 18 und 29 Jahren sind 43% Single. Zwischen 30 und 39 Jahren sind 27% Single. Ab da steigt die Quote immer weiter nach oben und ist dann bei den 60 bis 69-jährigen 42%.
Bei den Männern sind in der Generation U30 52% Single, zwischen 30 und 39 Jahren sind es 29%. Ab da geht die Quote nur noch geringfügig nach oben auf knapp über 30%.
Ich habe mir mal die Mühe gemacht und aus der obigen Bevölkerungsstatistik die Daten für das Jahr 2023 (das Jahr der ElitePartner-Studie) ausgelesen.
Demnach gab es 2023 in Deutschland 5698600 Männer im Alter von 18 bis 29 Jahren und 5212600 Frauen im gleichen Alter. In der Altersgruppe von 30 bis 39 Jahren gab es 5610100 Männer und 5337900 Frauen. Verbinde ich das nun mit den Quoten aus der ElitePartner-Studie, komme ich zu folgendem Ergebnis:
In der Gruppe der 18- bis 39-jährigen Männer sind 6718500 in einer Beziehung. Bei Frauen im gleichen Alter sind es 6867800, also etwas mehr. Bei den Singles sind es anders aus. Da gibt es 4590200 Single-Männer im Alter von 18 bis 39 Jahren. Bei den Frauen sind es hingegen nur 3682700, also deutlich weniger. Umgerechnet kommen bei den unter 40-jährigen auf 100 Single-Frauen etwa 125 Single-Männer.
Wir müssen uns auch noch kurz mit dem Altersunterschied in Beziehungen beschäftigen. Da habe ich leider keine Statistik gefunden. Daher versuche ich, es aus meinem Bekanntenkreis zu erschließen. In den meisten Beziehungen ist der Mann etwas älter. Es gibt auch mehrere Beziehungen, in denen die Frau etwas älter ist. Ich kenne aber nur eine Beziehung, der die Frau mehr als 5 Jahre älter ist als der Mann, 8 Jahre sind es da. Andersherum kenne ich eine Menge Beziehungen, in denen der Mann mehr als 5 Jahre älter ist, teilweise sogar deutlich mehr als 10 Jahre.
Wahrscheinlich ist das die Erklärung dafür, dass bei den unter 40-jährigen mehr Frauen in einer Beziehung sind als Männer. Die Frauen haben einen älteren Partner.
Für die Männer unter 40 heißt das aber nun: Die Gruppe der potenziellen Partnerinnen ist deutlich kleiner als die eigene Gruppe, so dass ein vollständiges Matching zu ihren Ungunsten nicht aufgehen kann. Einige Männer bleiben auf der Strecke, während andersherum Frauen in der Altersgruppe aus einem Überangebot auswählen können.
Auf das Verhältnis aus dem oben genannten Video komme ich nicht. Da waren es 200 Männer auf 100 Frauen. Mag sein, dass bei Dating-Apps noch weitere Faktoren eine Rolle spielen.
Den grundlegenden Gedanken, dass es für Frauen unter 40 leichter ist als für Männer, kann man beim Blick auf die Bevölkerungsstatistik und den Männerüberschuss schon bestätigen.
Das deckt sich auch mit meinen Erfahrungen. Mir fallen da zum Beispiel Veranstaltungen ein wie Single-Tanzkurse, die nach Alter aufgegliedert sind. In den Kursen für Leute unter 40 gibt es nicht genug Anmeldungen von Frauen, so dass bei den Frauen dort mit Auffüllern gearbeitet wird. Bei Tanzkurse ab 40 Jahren ist genau andersherum, da gibt es bei den Männern Auffüller.
Ein weiteres Beispiel ist dieser Anbieter: socialmatch.de
Wenn bei den Veranstaltungen für 20- bis 35-jährige für ein Geschlecht zu wenige Anmeldungen gibt, dann sind es Frauen. Bei den 40- bis 60-jährigen sind es die Männer.
Die Erfahrungen mit Online-Dating aus dem Video habe ich auch gemacht, als ich es irgendwann mal ausprobiert habe. Der einzige Fall, bei dem es anders war, war eine Dating-Seite für interkulturelle Beziehungen, konkret Westen und Ostasien. Das war vor 15 Jahren. Ich weiß nicht, ob das heute immer noch so ist. Aber damals wurde ich nur so von Kontaktanfragen überschüttet. Die Anfragen waren auch ernst gemeint, d.h. Erfahrungen mit Scammern habe ich nicht gemacht. Ich gehe mal davon aus, dass es im bevölkerungsreichen Ostasien in absoluten Zahlen mehr Frauen gibt, die einen westlichen Partner suchen, als Männer aus dem Westen, die sich für eine solche Partnerschaft interessieren. Und schon gibt es umgekehrte Verhältnisse auf dem Dating-Markt.
Zum Schluss möchte ich noch auf etwas hinweisen: Wenn ich sage, dass es für Frauen unter 40 einfacher ist, heißt das noch lange nicht, dass es ein Selbstläufer ist und an jeder Ecke ein Traumprinz wartet, oder dass man als Frau unter 40 nicht auch eine längere Durststrecke haben kann. Es handelt sich nur um Durchschnittswerte.
